Rund um den Brustring
·5 avril 2026
Gegen die Decke

In partnership with
Yahoo sportsRund um den Brustring
·5 avril 2026

Wieder macht der VfB gegen einen leicht favorisierten Gegner auf Augenhöhe ein gutes Spiel, wieder stehen die Brustringträger nach individuellen Fehlern mit leeren Händen da. Und mehr Frust, als es die Tabellensituation hergibt.
Nach vier Jahren ohne einen einzigen Erfolg gegen den VfB hat man in Dortmund scheinbar endlich die Außenseiterrolle angenommen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass der designierte Vizemeister sich bis in die Nachspielzeit hinein vorrangig den eigenen Strafraum mit Mann und Maus verteidigte und sich bis zur fatalen Fehlerkette des VfB auch gut mit einem 0:0 hätte arrangieren können. Diesen Respekt hat sich der VfB in den letzten Spielzeiten redlich erarbeitet, er ging aber dann doch nicht so weit, als dass die Dortmunder ihre Qualität nicht eingesetzt hätten, als die Hausherren ihnen den Siegtreffer auf dem Silbertablett präsentierten. Es hätte für den VfB keinen allzu großen Aufwand bedeutet, auch noch die letzten zweieinhalb Minuten der Nachspielzeit konzentriert runterzuspielen. Aber wie schon zu oft in dieser Saison gelingt uns das gegen Mannschaften eines gewissen Formats nicht.
Ob in Istanbul, in Rom oder über zwei Spiele gegen Porto: Der VfB stößt an gewissen Punkten quasi gegen eine Decke und schafft es nicht, die defensive Qualität dieser Mannschaften zu überwinden und gleichzeitig das eigene Tor sauberzuhalten. Der Unterschied zu den anderen Spielen war höchstens, dass der VfB diese Partien nicht so derart im Griff hatte wie das Spiel gegen den Tabellenzweiten. Wobei wir das Spiel auch nur insofern im Griff hatten, dass Dortmund nicht zur Entfaltung kam, Zählbares sprang dabei für uns nicht heraus. Vor allem in Istanbul und gegen Porto ließ man sich zudem vom Publikum und den Unsportlichkeiten des Gegners aus dem Konzept bringen, die Dortmunder Kleingeistigkeit offenbarte sich erst, als das Spiel schon entschieden war. Ob ein Klappstuhl hier das Mittel der Wahl ist, sei mal dahingestellt. Aber wenn sich Karim Adeyemi schon davon reizen lässt, dass wir in einem überraschenden Heimsieg im Pokal unsere Mannschaft feiern, dann offenbart das schon einiges. Wobei ich, unabhängig vom Verein, den Gratismut von Profis, eine von Ordnern und Zäunen zurückgehaltene Menschenmenge aus sicherer Entfernung zu provozieren, ohnehin nicht so richtig nachvollziehen kann.
Wie dem auch sei, am Ende belohnte sich die Kovac-Mannschaft für ihre konzentrierte Defensivarbeit und beim VfB sprach man von einer unverdienten Niederlage. Es wird die große Aufgabe im Sommer sein, diese nächste Entwicklungsstufe zu nehmen und gegen solche Mannschaften nicht nur ansehnlich zu spielen, sondern auch auch dann die Punkte mitzunehmen, wenn diese keine Fehler machen. Dazu gehört eben auch, dass man in der Nachspielzeit keine Abschläge dem Gegner in die Füße spielt, dass man Flanken zur Seite klärt und dass man Zweikämpfe konsequent führt. Auf der anderen Seite sind es in der Bundesliga eigentlich nur zwei, an einem schlechten Tag drei Mannschaften, gegen die uns das nicht gelingt, in Europa steigt die Zahl mit dem Weiterkommen im Wettbewerb. Deshalb tut die Niederlage gegen Dortmund zwar weh, auch weil sie so unnötig war, ändert aber an der weiterhin guten Lage des VfB relativ wenig.
Mit immer noch 14, mit Tordifferenz 15 Punkten Vorsprung auf Platz 7 ist uns sechs Spieltage vor Schluss die erneute Europapokalteilnahme kaum noch zu nehmen. Ein Einzug in die Champions League würde die Planungssicherheit, was die Weiterentwicklung des Kaders angeht, weiter erhöhen. Wir sollten aber nicht den gleichen Fehler wie 2004 und 2005 machen, als das späte Verpassen der Königsklasse im Verein eine mittelschwere Sinnkrise auslöste und zur Verpflichtung von Giovanni Trapattoni führte. Wenn wir aber die Decke durchbrechen wollen, die uns noch von verschiedenen nationalen und internationalen Konkurrenten trennt, wären die zusätzlichen Einnahmen schon hilfreich.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass war schneller und hat das Klappstuhl-Thema dankend aufgegriffen.
Titelbild: © Alexander Hassenstein/Getty Images









































