Rund um den Brustring
·24 avril 2026
Glück

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·24 avril 2026

Der VfB schreibt Geschichte und steht zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte im zweiten Jahr in Folge im Pokalfinale. Über ein anstrengendes Spiel, das alles hatte.
Ich bin Tiago Tomás für seinen Siegtreffer in der 121. Minute des Halbfinals gegen den SC Freiburg zu ewigem Dank verpflichtet. Wäre es nämlich zum Elfmeterschießen gekommen, mir wäre es wohl so ergangen wie Bilal El Khannouss vor Anpfiff der Verlängerung. Die erste Pokalrunde in Braunschweig hat mir da schon gereicht. Aber zum Glück blieb mir, blieb uns das erspart, eben weil Tomás mit seinem Tor in drittletzter Minute ein Pokalhalbfinale entschied, das die jungen Leute wohl als episch bezeichnen würden, das aber auch von krassen Fehlern massiv beeinflusst wurde. Dabei tut es nichts zur Sache, dass der VfB ab Mitte der ersten Halbzeit der regulären Spielzeit die Kontrolle über das Spiel an sich riss. Die artistische Hackeneinlage unseres Stürmers war ein Schuss ins Glück — glücklich waren am Ende nicht nur alle Beteiligten im Brustring, glücklich war auch der Spielverlauf. Denn bei aller Freude über dieses historische Weiterkommen muss man konstatieren, dass Schiedsrichter Tobias Welz der schlechteste Akteur auf dem Rasen des Neckarstadions war — und gleichzeitig der, der neben Tomás am meisten im Rampenlicht stand.
Dass die Gäste keinen Elfmeter bekamen, als Stiller Eggestein leicht touchierte, lässt sich noch vertreten. Dass aber Hölers Zweikampf mit Chabot noch abgepfiffen wird, bevor der Ball im Netz landet, ist wild. Weder gab der Zweikampf das her, noch ließ er so dem unseligen VAR die Chance, seinen eklatanten Fehler zu korrigieren. Hinzu kam eine unglaublich erratische Spielleitung ohne Linie, die einem solchen Halbfinale eigentlich nicht würdig war. Wäre der VfB trotzdem in der 121. Minute zurückgekommen? Vielleicht. War der Sieg am Ende trotzdem verdient? Frag nach beim Pfosten von Florian Müllers Tor. Die Brustringträger hatten bereits vor der kollektiven Ekstase am Ende mehrfach die Gelegenheit, das Halbfinale auf ihre Seite zu ziehen, scheiterten aber ein ums andere Mal am erstaunlich starken Müller, der eigenen Schusstechnik, dem Linienrichter oder eben: dem Pfosten. Ein Problem, dass sich durchzieht durch diese ansonsten hervorragende Saison. Immerhin einmal traf der VfB noch in der regulären Spielzeit, als Deniz Undav ein unnachahmliches Deniz-Undav-Tor schoss: ansatzlos, aus gehöriger Entfernung, unhaltbar für den stolpernden Müller.
Aber nicht nur der Schiedsrichter und der gegnerische Torhüter machten Fehler. Gerade in der Anfangsphase, gekrönt im negativen Sinne von der Freiburger Führung, hatte man als Betrachter nicht den Eindruck, der Mannschaft sei die Bedeutung dieses Spiels bewusst. War sie natürlich, aber auf dem Platz sah man davon relativ wenig. Stattdessen schenkte Angelo Stiller mit einem blinden Rückpass über das halbe Feld ins eigene Toraus einer der standardstärksten Mannschaften Deutschlands eine Standardsituation. Dass Niko Nartey diese in die Mitte direkt vor die Freiburger Angreifer verlängerte, passte zu seinem gebrauchten Abend, aber auch in das Schema der letzten Wochen: Irgendjemand begeht immer einen Leichtsinnsfehler und so leider auch in diesem immens wichtigen Spiel. Was aber den VfB in dieser Saison ebenso auszeichnet: Am Ende geht es meistens gut.
Und so können wir unterm Strich, Schiri hin, Fehlpässe her, einfach nur glücklich sein. Auch wenn uns im Finale ein wesentlich schwererer Gegner gegenübersteht als letztes Jahr, reitet der VfB die Erfolgswelle weiter. Man muss immer wieder daran erinnern, welch phänomenale Entwicklung unser Verein in den vergangenen Jahren genommen hat: Ein Pokalfinale wird zu einem wiederkehrenden Ereignis und nicht zu einem kleinen Lichtblick in einem dunklen Tunnel. Wir können in der dritten Saison in Folge international spielen, nachdem die weitesten Auswärtsfahrten jahrelang nach Aue oder Hamburg gingen. Die Zahl der aufregenden, emotionalen und erfolgreichen und damit besonderen Spiele lassen sich kaum noch an zwei Händen abzählen. Und es gibt scheinbar immer noch Vereinsrekorde, die wir noch nicht gebrochen haben. Jetzt also das zweite Pokalfinale in Folge. Das kann uns keiner mehr nehmen, genauso wenig wie die Erinnerung an Tiago Tomás und seinen Schuss ins Glück.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass schreibt über “Ein Spiel, für immer in den Herzen der VfB-Fans”
Titelbild: © Sona Maleterova/Getty Images
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