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·25 avril 2026
Holstein Kiel zeigt, was passiert, wenn ein Verein seinem Trainer Zeit gibt

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Ein Tor von Therkelsen reicht Kiel zum 1:0 bei Hertha. Fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, drei Spiele stehen noch aus.
Jonas Therkelsen, 63. Minute, ein weiter Einwurf, die erste nennenswerte Möglichkeit – und Holstein Kiel gewinnt im Berliner Olympiastadion. 45.000 Zuschauer, eine überlegene Hertha, ein VAR, der den Gastgebern erst den Führungstreffer von Josip Brekalo und dann einen Elfmeter nimmt. Es gibt Abende, an denen Fußball ungerecht wirkt. Und es gibt Abende, an denen er erklärt, warum Geduld die unterschätzteste Währung der Zweiten Liga ist. Fünf Spiele ungeschlagen, vier Siege, 13 Punkte: Das ist nicht die Bilanz eines Teams, das kurz vor dem freien Fall steht. Das ist die Bilanz eines Teams, das weiß, was es tut. Holstein Kiel, nach dem Bundesliga-Jahr zurück in die Zweite Liga gefallen, hat nach diesem 1:0 den Klassenerhalt in der eigenen Hand. Fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz bei drei ausstehenden Spielen gegen Braunschweig, Magdeburg und Dresden – das ist kein Zufall, das ist Handwerk. Tim Walter ist nach Kiel zurückgekehrt, zu dem Verein, mit dem sein Name in der Liga am engsten verknüpft ist. Und er liefert das, was in diesem Geschäft am seltensten geworden ist: eine Idee, die man über Wochen erkennt. In Berlin stand Kiel tief, ließ die Hertha kommen, wartete. Keine große Geste, kein wildes Umstellen. Ein weiter Einwurf, Therkelsen, Tor. So spielt eine Mannschaft, die ihrem Trainer glaubt. Auf der anderen Seite: ein Klub, der das Gegenmodell verkörpert. Hertha BSC, Olympiastadion, großer Name, großer Kader – und am Ende ein Spiel, in dem Stefan Leitls Team überlegen war und trotzdem verlor. Die letzten vagen Aufstiegshoffnungen sind dahin. Fabian Reese, der größte Offensivmoment, ein abgefälschter Schuss. Das umworbene Talent Kennet Eichhorn fehlte, Brekalos Blitzstart wurde einkassiert, der Elfmeter zurückgepfiffen. Man kann das Pech nennen. Man kann es auch so nennen: Wer in der Zweiten Liga jedes Jahr eine neue Baustelle aufmacht, produziert irgendwann keine Ergebnisse mehr, sondern nur noch Erklärungen. Und genau hier liegt der Kontrast, der diesen Spieltag interessant macht. Kiel hat das gemacht, was in der Hire-and-Fire-Logik dieser Liga fast aus der Mode gekommen ist: einem Trainer mit klarer Spielidee den Raum gegeben, diese Idee in ein Team zu übersetzen. Nicht die Rückrunde über, nicht nach drei Niederlagen in Serie – sondern in dem Moment, in dem es zählt. Dass daraus jetzt vier Siege in fünf Spielen werden, ist keine Glückssträhne. Das ist, was passiert, wenn eine Kabine versteht, was der Mann an der Seitenlinie will. Natürlich, eine einzelne Serie beweist noch keinen Trend. Hertha kann einwenden, dass 45.000 Zuschauer und ein Olympiastadion keine Alibis, sondern Erwartungen sind – und dass Tabellen nicht nach Spielidee, sondern nach Punkten sortiert werden. Stimmt. Nur sind die Punkte in diesem April eben auf der Seite derer, die weniger geredet und länger gewartet haben. Wer das alles für einen Zufall hält, soll sich den Spielplan ansehen: Braunschweig, Magdeburg, Dresden. Drei Gegner, in deren Duellen Kiel nichts mehr beweisen muss außer das, was es längst bewiesen hat. Eine Mannschaft, die ihren Trainer kennt, schlägt eine Mannschaft, die ihren Kader nicht kennt – fast immer.









































