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·29 avril 2026
HSV verpflichtet Bayern-Managerin aus gutem Grund

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Der Bundesligist macht die Bayern-Managerin zur Sportvorständin – 15 Jahre nach Katja Kraus erstmals wieder eine Frau an der Spitze des Sportressorts.
Die eine Zahl sagt mehr als jede Schlagzeile: 15 Jahre liegen zwischen Katja Kraus' Abschied aus dem HSV-Vorstand im Jahr 2011 und dem Tag, an dem der Bundesligist erneut eine Frau an die Spitze seines Sportressorts rücken will. Wenn stimmt, was der Hofberichterstatter vom Abendblatt schreibt, ändert sich das jetzt. Ausgerechnet in Hamburg. Ausgerechnet bei einem Klub, der sich in den vergangenen Jahren eher durch Selbstbeschäftigung als durch Weitblick hervorgetan hat.
Die erste Leseart lautet: Symbolpolitik. Die zweite, genauere Leseart lautet: Genau richtig! Kathleen Krüger ist keine Quotenkandidatin, sie ist Leiterin Organisation und Infrastruktur beim FC Bayern München – dem Branchenriesen, der sich operative Schlüsselstellen sehr genau anschaut, bevor er sie besetzt. Dass der HSV-Aufsichtsrat laut Bericht mehrheitlich für sie votiert hat, ist keine Charity-Entscheidung. Es ist der Versuch, von der Säbener Straße abzuwerben, was dort als unverzichtbar gilt.
Und genau darin liegt die eigentliche Pointe. Nicht ein Klub mit Marketing-Drang, nicht ein Aufsteiger-PR-Projekt, nicht einer jener Vereine, die ihre Diversity-Folien gern auf Konferenzen zeigen, wagt den Schritt – sondern ein Traditionsverein, der gerade um den Klassenerhalt spielt. Die Entscheidung fällt nicht im Wohlfühlmodus, sondern unter Druck. Das ist der Unterschied zwischen Haltung und Hashtag.
Man muss sich die Ausgangslage in Erinnerung rufen, um zu verstehen, was hier passiert. Stefan Kuntz wurde Anfang des Jahres vom Hof gejagt, die Trennung hallte öffentlich nach, der Finanzvorstand Eric Huwer führt den Vorstand seither faktisch allein. Trainer Merlin Polzin, der den Aufstieg geholt hat, kämpft nun um Punkte, die Tabelle ist unangenehm. In diese Gemengelage soll Krüger kommen: nicht als Gesicht für eine Kampagne, sondern als Vorständin mit Verantwortung für den Sport. Das ist der härteste Job, den die Bundesliga aktuell zu vergeben hat.
Die Gegenseite wird trotzdem kommen. Sie wird fragen, ob Krüger genug Männerbundnetzwerk mitbringt, ob sie Transfers verhandeln kann, ob sie Berateragenturen die Stirn bietet. Es sind die immer gleichen Fragen, die männlichen Kandidaten mit vergleichbarem Profil selten gestellt werden. Ein Mann mit 14 Jahren Bayern im Rücken wäre längst als "Bayern-Gen" gefeiert worden. Bei Krüger wird das Etikett lauten: Bewährungsprobe.
Dabei ist der HSV nicht der Pionier, für den er sich jetzt halten darf. Katja Kraus saß von 2003 bis 2011 im Vorstand desselben Klubs – als erste Frau in der Führungsetage eines Bundesligisten. Dass die Liga in den 15 Jahren danach genau null Sportvorständinnen hervorgebracht hat, ist keine statistische Petitesse. Der HSV holt keine neue Ära, er holt eine alte Rolle zurück, die 17 andere Klubs lange Zeit ignoriert haben.
Entmystifizierung heißt in diesem Fall: Der Posten des Sportvorstands ist kein heiliger Gral, für den man einen bestimmten Biotyp braucht. Es ist ein Managementjob. Er verlangt Urteilsvermögen, Standfestigkeit, Netzwerk, Entscheidungsfreude – keine Chromosomen. Wenn Krüger unterschreibt, ist der Skandal nicht, dass eine Frau diesen Job bekommt. Der Skandal ist, dass es so lange gedauert hat.









































