Miasanrot
·3 juin 2026
Ismael Saibari: Der perfekte Backup für den FC Bayern?

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·3 juin 2026

Der FC Bayern soll großes Interesse an Ismael Saibari von der PSV Eindhoven haben. Ist der Marokkaner die perfekte Lösung? Ein Scouting Report.
Die Karriere von Ismael Saibari verlief bisher ein wenig unter dem Radar. Das könnte sich in diesem Sommer aber ändern. Nach einer starken Saison für die PSV Eindhoven steht der 25-Jährige vor dem Sprung zu einem Topklub.
Dieser Stunden wird sogar ein Transfer zum FC Bayern München konkreter. Verschiedene Medien berichten, dass der Marokkaner sich bereits mit dem Bundesliga-Rekordsieger geeinigt habe. Eine Einigung zwischen den Klubs über eine Ablöse stehe noch aus.
Das könnte sich aber bald ändern. Angeblich sei man in München darauf aus, den Deal noch vor der WM unter Dach und Fach zu bringen. Ein zielstrebiges Vorgehen, das darauf schließen lässt, dass man sich schon länger mit Saibari beschäftigt hat und sich nach dem Transfer von Anthony Gordon zum FC Barcelona endgültig dazu entschloss, den offensiven Mittelfeldspieler zu verpflichten.
Doch wer ist Ismael Saibari überhaupt und wo liegen seine Stärken und Schwächen? Passt er ins System von Vincent Kompany? Miasanrot hat sich mehrere Stunden Videomaterial angesehen und den Spieler unter anderem via Wyscout gescoutet.
In der marokkanischen Nationalmannschaft zählt Saibari zu den Stammspielern. Beim Afrika Cup stand er in allen sieben Partien in der Startelf. Seine Ausbeute war mit einem Tor eher durchwachsen. Den Titel nahm er dennoch in wichtiger Rolle mit – und wie alle Marokkaner am grünen Tisch.
Für die PSV Eindhoven war er in knapp 3.000 Minuten laut transfermarkt an 29 Toren direkt beteiligt. Macht also eine Quote von einer Torbeteiligung pro etwas mehr als 100 Minuten. Beim FC Bayern wäre er damit etwas schwächer als Serge Gnabry (knapp unter 100 Minuten pro Scorer) und etwas stärker als Lennart Karl (rund 112 Minuten).
Einerseits spielt er in einem schwächeren Team als die FCB-Stars, andererseits auch in einer schwächeren Liga. Schon oft sind Spieler in den Top-5-Ligen gescheitert, die in Portugal oder den Niederlanden groß aufgespielt haben. Insofern ist eine Einordnung der reinen Scorerzahlen sowie aller Statistiken schwierig.
Und trotzdem ist es sinnvoll, sich damit zu befassen, wie er statistisch abschneidet, um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, was für ein Spielertyp er ist. Saibari kommt überwiegend im offensiven Zentrum zum Einsatz. Dort hat er bereits als angriffslustiger Achter in einem 4-3-3, als klassischer Zehner oder Halbraumzehner sowie als Schattenstürmer beziehungsweise hängende Spitze agiert.
Hin und wieder kam der Rechtsfuß auch auf den Flügeln zum Einsatz, vor allem links. Auch auf der Neun agierte er vereinzelt schon. Am stärksten ist Saibari aber, wenn er hinter der Spitze spielen darf. In einer Vergleichsgruppe* mit einigen der wertvollsten Zehner der Welt sowie den Bayern-Offensivspielern kommt Saibari bei Wyscout mit 0,53 Toren pro 90 Minuten auf den zweitbesten Wert knapp hinter Can Uzun (Eintracht Frankfurt, 0,55) und Luis Díaz (0,53). Wyscout berechnet die Gesamtminuten anders als andere Anbieter, weil dort auch die Nachspielzeiten mit einbezogen werden.
*Die Vergleichsgruppe besteht aus Díaz, Musiala, Olise, Gnabry, Karl, Uzun, F. López, Palmer, Cherki, Yildiz, Trincão, B. Fernandes, Lee Kang-in, Wirtz, Simons, Güler, De Ketelaere, Maza und Saibari – sie soll eine Stichprobe unterschiedlicher Zehnertypen auf unterschiedlichen Top-Niveaus abbilden.
Auffällig beim Vergleich: Saibari landet bei fast allen relevanten Daten innerhalb dieser Gruppe immer im Mittelfeld. Was angesichts der Stärke der Kontrahenten sicher kein zwingender Kritikpunkt sein muss, aber auch zeigt, dass er von den Elitespielern ein gutes Stück entfernt ist – vor allem dann, wenn man die Stärke der unterschiedlichen Ligen mit einbezieht.
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Mit etwas mehr als 3,5 Dribblings pro 90 Minuten lässt er zwar unter anderem Gnabry und auch Florian Wirtz hinter sich, ist aber insgesamt dennoch nur auf dem 13. Rang von insgesamt 19 positioniert. Auch seine Erfolgsquote von 52 Prozent ist weder schlecht, noch besonders herausragend.
Mit 2,7 Abschlüssen pro 90 Minuten kommt er immerhin auf den achten Rang, mit ca. 4,5 erfolgreichen Defensivaktionen pro 90 Minuten ist er auf Platz neun – unter anderem hinter Musiala und Karl. Gerade für das Kompany-System eine nicht unwesentliche Feststellung, dass er defensiv gute Werte vorweisen kann. Dazu aber später mehr.
Beim Blick auf die Werte gibt es dann aber doch eine Sache die herausragt: Nicht nur hat er die zweithöchste Torquote pro 90 Minuten, er hat auch die beste Trefferquote. 20 Prozent seiner Abschlüsse gehen rein – Uzun und Díaz kommen auf rund 19 Prozent, dahinter kommt dann schon ein größerer Sprung auf 16 Prozent (Musiala, Palmer). Olise und Gnabry kommen auf rund 14 Prozent, Karl auf 13. Am Ende der Liste: Simons (8), Güler (7) und Maza (etwas mehr als 6).
Was können wir aus diesem Wert lernen? Es muss nicht zwingend so sein, dass Saibari den besten Abschluss in der Vergleichsgruppe hat. Sein recht hoher Expected-Goals-Wert von 0,39 xG pro 90 Minuten (Rang 3 hinter Díaz und Musiala) deutet darauf hin, dass er einfach sehr oft aus guten Positionen abschließt, während andere Spieler vielleicht häufiger aus der Distanz abziehen.
Dennoch spricht beides natürlich für ihn: Seine hohe Trefferquote sowie der hohe xG-Wert, der untermauert, dass seine vielen Tore kein Zufall sind.
Und wer ihn länger beobachtet hat, wird auch ziemlich schnell feststellen, dass das eine seiner größten Qualitäten ist. Saibari ist schnell, athletisch und physisch enorm stark. Auf den ersten Metern ist er explosiv, dann kann er eine gute Endgeschwindigkeit halten. Wobei es hier nicht über gut hinausgeht – sein Top Speed liegt je nach Quelle irgendwo im Bereich 33 und 34 Km/h.
Im Bayern-Spiel ist dieser aber weniger relevant. Nur selten kommen Offensivspieler in die Situation, dass sie lange Strecken wie einen 50- oder gar 100-Meter-Sprint bewältigen müssen. Viel mehr ist die Explosivität entscheidend und hier kommt Saibari relativ schnell auf eine hohe Geschwindigkeit.
Zumal er eine gewisse Spielintelligenz mitbringt, die sich in seinen klugen Läufen in die Schnittstellen der Abwehr oder bei Dribblings in Richtung der gegnerischen Kette immer wieder zeigt. Sein wuchtiger Körper erlaubt es ihm zudem, Bälle im Zentrum festmachen zu können – auch dann, wenn es eng wird. Saibari ist durchsetzungsfähig und hat trotz seiner physischen Komponenten auch ein feines Ballgefühl.
Er hat eine enge Ballführung und lässt sich nicht allzu sehr unter Druck setzen. Dabei erinnert er ein wenig an Gnabry, der ähnlich direkt in Richtung Tor spielt, explosiv aber nicht besonders endschnell ist und einen guten Abschluss hat. Saibari zeigte seine Qualitäten unter anderem in der Champions League gegen den FC Bayern, als er ein sehenswertes Tor schoss und sich damit wohl auch ganz automatisch auf die Liste des Rekordmeisters.
Eine weitere Stärke des Marokkaners ist sicherlich, dass er auf mehreren Positionen spielen kann. Taktische Flexibilität kann in einer Offensive, in der nicht jede Position eindeutig mit einem klaren Backup besetzt ist, sondern immer wieder auch die Rollen rotiert werden, nicht schaden.
Beim genaueren Blick auf seine wenigen Limitationen fällt aber schnell auf, dass einige dieser Positionen eher Notlösungen sein sollten. Auf den Flügeln hat Saibari oft Probleme gehabt. Je näher er den Seitenauslinien kommt, desto ungefährlicher wirkt sein Spiel. Saibari ist ein Spieler, den man in Tornähe bringen muss, weil er dort auf kurzen Sprintstrecken und mit seinem Pass- und Abschlussspiel überzeugen kann.
Mit 0,8 Pässen pro 90 Minuten, die zu einer klaren Chance seines Teams führen, untermauert er seinen Riecher für gute Pässe im letzten Drittel. Olise (1,4), Fernandes (1,3) und Cherki (1,2) bilden in der obigen Vergleichsgruppe die Spitze. Es folgen De Ketelaere, Díaz (beide 1,1) und Kang-in (1). Saibari bewegt sich derweil auf dem Level von Güler und Yildiz direkt dahinter.
Trotz ordentlicher Defensivwerte kann sein Spiel gegen den Ball auch noch besser werden. Für ihn spricht eine hohe Arbeitsrate. Unter Kompany könnte der Offensivmann der PSV Eindhoven hier nochmal entscheidende Schritte nach vorn machen, wenn es um das richtige Timing des Pressings und die Arbeit nach hinten in tieferen Verteidigungssituationen geht.
Bleibt eine große Frage: Passt Saibari ins System? Sein Spielerprofil ist sehr interessant. Der Kader des FC Bayern hat mit Karl, Díaz, Olise und Musiala bereits sehr feine Füße und Spieler, die die gegnerische Abwehr mit vielen Dribblings beschäftigen. Saibari kann das auch, allerdings auf einem anderen Niveau. Sein Fokus liegt eher auf Wucht und Durchsetzungskraft.
Genau das fehlt dem Kader aktuell aber. Der wohl „wuchtigste“ Dribbler ist im Moment Díaz und auch der Kolumbianer hatte Partien, in denen er unsauber wurde oder sich nicht gegen die Abwehr durchsetzen konnte. Saibari würde Kompany hier eine weitere Option im taktischen Bereich ermöglichen. Die Mischung aus physischer Präsenz und technisch gutem Level sowie Explosivität ist gegen nahezu jede Art von Gegner interessant.
Mit Saibari ließe sich die Rollenverteilung im Kader womöglich auch schärfen. Auch wenn der Marokkaner auf dem Flügel spielen kann, ist er im Zentrum deutlich stärker und gefährlicher. Hier wäre er erstmal Backup von Musiala, könnte aber ausreichend Druck ausüben, um nach mehr zu greifen, sollte der Bayern-Star nicht zu seinem Niveau finden.
Auf den Außenbahnen hätte man dann Gnabry, der ohnehin in der abgelaufenen Saison häufig als Díaz-Ersatz fungierte, und Karl, der hinter Olise weiter Spielzeit sammeln könnte. Im Vergleich zu Nicolas Jackson gibt es für Saibari deutlich mehr Einsatzszenarien – auch auf hohem Niveau.
Fraglich ist dennoch, ob er sein gutes Niveau auf den FC Bayern transferieren kann. Seine Zahlen in der niederländischen Liga sind nicht so herausragend, dass das selbstverständlich wäre. Der Wechsel wäre ein ordentlicher Niveausprung. Sicherlich auch bei den Mitspielern, die ihm helfen könnten, sein Potenzial zu entfalten.
Angeblich fordert Eindhoven derzeit 60 Millionen Euro für Saibari. Das ist eine ordentliche Stange Geld für einen Spieler, der sich auf dem höchsten Level noch beweisen muss. Andererseits ist es die Art Transfer, die der FC Bayern wohl machen muss. Spieler wie Gordon sind oftmals schon zu teuer, wenn sie ihre Qualitäten auf Top-Level angedeutet oder gezeigt haben.
Gleichzeitig sind Summen zwischen 40 und 70 Millionen Euro auch keine Ausgaben, die den Klub vor ein besonders großes Risiko stellen würden. Ist man in der Scoutingabteilung überzeugt, dass dieser Spieler als Nummer fünf oder sechs in der Offensive weiterhelfen kann, dann ist das ein kalkuliertes Risiko.
Saibari ist eher kein Transfer für die Spitze des Kaders, hat aber ausreichend Potenzial, um viele zu überraschen oder zumindest eine richtig gute Option von der Bank in einem Champions-League-K.-o.-Spiel zu sein. Gradlinigkeit, Abschlussqualität und Physis sind etwas, was der Bayern-Offensive manchmal abgeht. All das könnte der potenzielle Neuzugang liefern. Wenn er den Sprung auf dieses Niveau schafft.







































