Rund um den Brustring
·12 mars 2026
It ain’t over ‘til it’s over

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·12 mars 2026

Im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League bringt sich der VfB mal wieder selber in die Bredouille, am Ende wiegt das Handicap zweier Aufbaufehler zu schwer, um die Heimniederlage zu verhindern. Vielleicht sind dann immerhin die Sinne im Rückspiel genug geschärft.
Eines vorneweg: Wir spielen ein Achtelfinale im UEFA-Pokal. Das ist keine Normalität. Und auf diesem Level trifft man auf Mannschaften, die alles — wirklich alles — tun, um weiterzukommen. Da kriegst Du, anders als gegen Abstiegskandidaten in der Bundesliga nichts geschenkt. Von daher wäre auch das 1:2 gegen den FC Porto im Neckarstadion nicht so tragisch, wenn, ja wenn der VfB sich nicht schon wieder durch dumme Fehler um den Lohn seines Aufwands gebracht hätte. Über weite Strecken des Spiels stimmte die Intensität bei den Brustringträgern nämlich, anders als noch am Samstag in Mainz. Gerade nach der Pause kämpfte sich der VfB kreuz und quer über den ganzen Platz, hatte aber das Pech, dass der Gegner zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vom Spiel wollte, als dass es endlich abgepfiffen würde.
Denn jeder engagierte Auftritt wird zur Makulatur, wenn man vorher wieder die Basics hat vermissen lassen. Die zwei Gegentoren gegen Porto dürften in der Mannschaft wieder die Angst vor der eigenen Restverteidigung schüren — und damit womöglich auch die Nervosität am Ball. Es ist diese seltsame Mischung aus Angst vor dem nächsten Fehler und Sorglosigkeit, die zu Szenen wie vor den beiden Toren führt. Zunächst schlug Alex Nübel den Ball halb hoch, halb präzise in den gegnerischen Achter-Raum, dann spielte Jeff Chabot einen ungenauen, ziellosen und halb verhungernden Pass auf die rechte Außenbahn, der von seinem Gegenspieler gierig aufgeschnappt wurde. Beides mal war die VfB vom Überfall der Gäste auf den eigenen Strafraum so überrumpelt, dass Alex Nübel nur noch hinter sich greifen konnte.
Besonders frustrierend ist die Tatsache, dass sich der VfB schon zum zigsten Mal alleine in diesem Kalenderjahr ein Tor fängt, dass man gut und gerne als Eigentor deklarieren kann. In der Liga mag das am Ende noch für den einen oder anderen Sieg reichen, in Pokalwettbewerben wird es zunehmend schwieriger, das allein durch Willensstärke zu kompensieren. Wenngleich der VfB genau die bewies, nicht nur im Zweikampfverhalten, sondern auch, als Deniz Undav seinen Gegenspieler an seinem Hinterteil abtropfen ließ und zum Anschluss traf. Oder als Angelo Stiller den Ball über die Torlinie zwang, auch wenn der VAR ihm das Tor wieder klaute. Es fehlte nicht viel, und der VfB wäre mit einer wesentlich besseren Ausgangslage an den Atlantik geflogen.
Und wie schon Lenny Kravitz sang: “It ain’t over ‘til it’s over”! Natürlich darf sich die Mannschaft in Porto keine solch hanebüchenen Fehler erlauben und muss zusätzlich mit der Atmosphäre beim Auswärtsspiel sowie der teilweise grenzwertigen Abgezocktheit des Gegners klarkommen. Genau das gilt es anzunehmen, anstatt sich über die erwartbar schlechte Qualität von UEFA-Schiedsrichtern zu beschweren oder über die kleinen Schmutzigkeiten, mit denen Du auf diesem Niveau leben musst. Das Potenzial dazu hat die Mannschaft in jedem Fall, sie muss es nur abrufen. Ein K.O.-Spiel in einem aufgeheizten, feindseligen Stadion wäre genau die richtige Gelegenheit dazu. Und wenn nicht?
Dann halt nächstes Jahr!
Titelbild: © Alexander Hassenstein/Getty Images









































