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·16 juillet 2026
Jürgen Klopp erbt eine zerrissene Mannschaft: Die bitteren Wahrheiten hinter dem deutschen WM-Aus

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Jürgen Klopp steuert auf sein neues Amt zu und bekommt dabei noch einmal Lehrmaterial aus der obersten Kategorie geliefert. Beim WM-Finale kann der designierte Bundestrainer als TV-Experte die Stars von Lionel Messi bis Lamine Yamal aus nächster Nähe beobachten. Zugleich zeigt der Blick auf die Turnierverlierer Argentinien und Spanien, wie weit eine Mannschaft mit echtem Wir-Gefühl kommen kann und wie schnell ein Team ohne diesen Kitt auseinanderfällt.

Jürgen Klopp, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger im Gespräch beim WM-2026-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Curaçao am 14. Juni 2026 im Houston Stadium. (Alexander Hassenstein / Getty Images)
Die Nachbetrachtung der WM in Spiegel und Süddeutscher Zeitung zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Verlierer. Begriffe wie „Ich-AGs“, „Ego-Shooter“ und „Bocklose“ lassen Klopp eine klare Warnung erkennen. Aus den Berichten kann er lernen, welche Fehler sein Vorgänger Julian Nagelsmann gemacht hat, und zugleich ableiten, auf welche Kräfte er beim Neustart setzen kann. Dabei ist allerdings zu beachten, dass manche Informationen aus dem Umfeld der Stars bewusst gestreut wurden.
Das Gesamtbild bleibt trotzdem eindeutig. Beschrieben wird ein Coach, der seine Mannschaft verloren hat, Spieler, die unter dem Druck zerbrochen sind, und Funktionäre, die sämtliche Warnzeichen überhört haben. Gereiztheit, unglückliche Kommunikation, falsche Versprechungen, ein System, das nicht zu den Stärken des Kaders passte, ein teils unausgewogener Aufgebotsmix und der personelle Bruch mit dem Ecuador-Spiel prägen die Analyse. Die Fehler Nagelsmanns gelten als bekannt.
Jürgen Klopp neuer Bundestrainer?
Für Klopp ist besonders ein Satz eines DFB-Funktionärs relevant: „Vielleicht hat ihn die Wucht des Amtes erdrückt, vielleicht kam es zu früh.“ Der neue starke Mann im deutschen Fußball ist mehr als 20 Jahre älter als sein Vorgänger, hat sportlich und menschlich alles erlebt, wird sich aber dennoch an seiner Kommunikation messen lassen müssen. Außerdem braucht er verlässliche Helfer an seiner Seite.
„Julian ist der Kompass abhandengekommen“, wird ein Mitglied der WM-Delegation zitiert. Weder Sportdirektor Rudi Völler noch Geschäftsführer Andreas Rettig hätten diesen Kurs korrigiert, vielmehr hätten sie Nagelsmann gewähren lassen. Völler bleibt im Amt, als Nachfolger von Rettig wird Per Mertesacker gehandelt. Das neue Führungstrio dürfte die Zügel straffer anziehen, falls die Berichte stimmen, wonach es im Umfeld eines Spielers auch wegen Familienbesuchen Spannungen gab. „Man hatte den Eindruck: Nur der Fußball hat gestört“, heißt es dazu aus diesem Kreis.
Hinzu kommt laut Insidern ein teils negativer äußerer Einfluss auf die jungen Leistungsträger. Jamal Musiala und Florian Wirtz seien „alles liebe Jungs. Aber an ihnen wird gezerrt, Dokus, Kollektionen, Social Media, all das“, erklärt ein DFB-Mann. Das sei schlicht zu viel. Ein anderer Insider legt nach: „Man merkt, dass aus manchen Talenten Ich-AGs mit tausend Ablenkungen von außen gemacht werden. Da gerät das Spiel an sich aus dem Fokus.“
Noch deutlicher fällt ein weiterer Vorwurf aus. Von „zu vielen Ego-Shootern“ ist die Rede. Joshua Kimmich bekommt diesen Stempel allerdings nicht aufgedrückt. Der Kapitän soll sich trotz Leistenbeschwerden bis ins Sechzehntelfinale für die Mannschaft durchgebissen haben, ein Zeichen seines enormen Ehrgeizes. Für manche war er damit sogar „einen Tick drüber“. Ein ähnlicher Vorwurf trifft Leon Goretzka, dem unterstellt wird, er habe sein eigenes Ding durchgezogen. Aus Frust über seine Degradierung zum Bankspieler soll er sogar einen Elfmeter gegen Paraguay verweigert haben. „Da hat Leon gesagt: kein Bock“, wird ein Eingeweihter zitiert. Eine SID-Quelle bezeichnet diese Darstellung als „Quatsch“.
Während Messi und Yamal auf der größten Bühne glänzen, lassen die deutschen Akteure ihre WM im Urlaub Revue passieren. Florian Wirtz verbringt die freie Zeit am Meer, Kai Havertz zeigt sich mit seinem Söhnchen im DFB-Trikot, und Angelo Stiller tanzt auf Mallorca. Für Klopp bleibt damit die Aufgabe, aus den vielen Einzelteilen wieder eine funktionierende Einheit zu formen.
„Der wird dafür sorgen, dass diese Mannschaft wieder funktioniert“, sagte Mats Hummels bei MagentaTV, „da bin ich felsenfest von überzeugt!“ Was dabei im Argen liegt, kennt Klopp nach den jüngsten Erkenntnissen nun genau.
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