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·10 mai 2026

Kompanys bemerkenswerte Nachsicht: Wer schützt eigentlich den Elfmeterpunkt?

Image de l'article :Kompanys bemerkenswerte Nachsicht: Wer schützt eigentlich den Elfmeterpunkt?

Belocian manipuliert den Elfmeterpunkt, Kane verschießt. Bayern-Coach Kompany zeigt Verständnis und nimmt die eigenen Profis in die Pflicht.

Es ist eine dieser Szenen, die man erst beim zweiten Hinsehen versteht. Wolfsburgs Verteidiger Jeanuel Belocian bearbeitet in der 36. Minute den Elfmeterpunkt, Harry Kane läuft an, rutscht leicht weg und schießt rechts neben das Tor. Für den Engländer ist es der erste verschossene Elfmeter überhaupt in der Bundesliga. Die TV-Bilder machen die Manipulation sichtbar, und damit beginnt eine Diskussion, die über das 0:1 aus Wolfsburger Sicht hinausreicht.


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Am interessantesten ist, wer sich da zu Wort meldet. Vincent Kompany, Trainer des frischgebackenen Meisters, hätte Grund gehabt, bei Sky verärgert zu reagieren. Stattdessen äußert er Verständnis. "Was erwarten Sie, was die machen? Einfach klatschen, wenn wir ein Tor machen, und sagen: Das war gut gespielt?" Und weiter: "Was sollen die Spieler von Wolfsburg machen? Einfach absteigen, ohne alles zu versuchen? Das geht nicht."

Das ist eine bemerkenswerte Einordnung, weil sie den Elfer-Trick nicht verharmlost, aber in den Kontext stellt, in dem er stattfindet. Wolfsburg kämpft am letzten Spieltag im direkten Duell mit dem punktgleichen FC St. Pauli um Relegationsrang 16. Wer da unten steht, so lässt sich Kompany verstehen, rechnet anders als der Tabellenführer. Patrick Wimmer formuliert es aus Wolfsburger Perspektive deutlicher: "Das sind natürlich dreckige Spielchen, die man vielleicht auch anwenden muss, wenn man da unten drinsteht." Man muss die Wortwahl nicht mögen, aber sie ist ehrlich.

Dagegen steht die Position von Tom Bischof, die man genauso ernst nehmen sollte. "Ich weiß, dass Wolfsburg darum kämpft, in der Bundesliga zu bleiben. Trotzdem finde ich es eine unnötige Aktion. Fairplay macht man trotzdem, auch wenn es um viel geht." Das ist der Einspruch eines Profis, der darauf beharrt, dass Regeln und Anstand nicht an den Tabellenplatz gekoppelt sein dürfen. Beide Sichtweisen lassen sich nicht einfach auflösen, und sie stehen hier unkommentiert nebeneinander — zwei Bayern-Vertreter, zwei Antworten.

Interessant ist, dass Kompany die Debatte nicht bei den Wolfsburgern abschließt, sondern sie zu seinen eigenen Spielern zurückdreht. "Wenn es am Mittwoch gegen Paris gewesen wäre, hätten wir schon zwei, drei Leute an diesem Elfmeterpunkt gehabt. Das ist leider das kleine Detail, das in so einem Spiel den Unterschied machen kann. Du darfst nie etwas herschenken." Das ist Coaching-Logik, keine Moralpredigt. Der Trainer nimmt die eigenen Profis in die Pflicht, einen Elfmeterpunkt zu schützen, den sein Torjäger gleich darauf nutzen will. Die Verantwortung liegt aus dieser Sicht nicht nur bei dem, der manipuliert, sondern auch bei dem, der es zulässt.

Am Ende gewinnen die Bayern durch ein Traumtor von Michael Olise in der 56. Minute, das erste Erfolgserlebnis nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain. Am kommenden Samstag bekommt der Meister nach dem letzten Saisonspiel gegen den 1. FC Köln die Schale überreicht, während Wolfsburg parallel gegen St. Pauli um den Relegationsplatz spielt. Die Debatte über den Elfmeterpunkt wird dann vermutlich schon wieder vorbei sein. Was bleibt, ist ein Satz von Kompany, der in seiner Nüchternheit irritiert: Auch die Gegenseite hat ein Recht darauf, alles zu versuchen. So ein Bekenntnis strahlt meisterhafte Souveränität aus.

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