Leipzig vs. FC St. Pauli 2:1 – Niederlage. Ja, aber… | OneFootball

Leipzig vs. FC St. Pauli 2:1 – Niederlage. Ja, aber… | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: MillernTon

MillernTon

·10 mai 2026

Leipzig vs. FC St. Pauli 2:1 – Niederlage. Ja, aber…

Image de l'article :Leipzig vs. FC St. Pauli 2:1 – Niederlage. Ja, aber…

Auch in Leipzig verliert der FC St. Pauli, zeigt sich aber trotz großer Personalsorgen verbessert und muss sich darüber ärgern, nicht gepunktet zu haben.(Titelfoto: Maja Hitij/Getty Images/via OneFootball)

Es ist so eine Sache mit der Hoffnung. Denn natürlich ist sie das Letzte was bleibt, nachdem sich die Rationalität längst verabschiedet hat. Sie kann sicher Berge versetzen und ist damit etwas, was der FC St. Pauli besonders aktuell benötigt, aber manchmal ist sie auch einfach unangebracht. Und da falsche Hoffnung das Herz besonders verletzt, gibt es auch viele, die sich zuletzt bereits vom FCSP abgewandt haben. Viel Hoffnung setzte der FC St. Pauli in das Saisonfinale, doch nach den Spielen gegen Köln, Heidenheim und Mainz herrschte vielerorts bereits Resignation. Die Partie in Leipzig dürfte, obwohl sie verloren wurde, wieder etwas Hoffnung gegeben haben für das Saisonfinale.


Vidéos OneFootball


Die Aufstellung

Dabei gab es vor Anpfiff erstmal einen richtigen Dämpfer. Denn neben den bereits bekannten Ausfällen – James Sands, Ricky-Jade Jones, Manos Saliakas, Mathias Pereira Lage und Karol Mets – fehlten auch David Nemeth und Adam Dźwigała im Kader des FC St. Pauli, Hauke Wahl saß zudem überraschend nur auf der Bank. Später wurde klar, dass ein Magen-Darm-Virus diese Spieler plagt(e). Dźwigała fuhr gar nicht mit nach Leipzig, Nemeth erwischte es in der Nacht vor der Partie im Teamhotel (weshalb der Spieltagskader auch unterbesetzt gewesen ist), Wahl war derart geschwächt, dass er sicher nicht starten konnte. Dass er dann länger als nur für ein paar Minuten ranmusste, lag auch daran, dass Louis Oppie aufgrund vom Magenkrämpfen ausgewechselt werden musste.

Leipzig-Trainer Ole Werner freute sich hingegen über zwei Startelf-Rückkehrer: Kapitän und Linksverteidiger David Raum sowie Innenverteidiger Castello Lukeba kehrten nach überstandenen Blessuren wieder in die Startelf zurück. Zudem fanden sich mit Assan Ouédraogo und Brajan Gruda zwei weitere Spieler in der Startelf, die in der Vorwoche gegen Leverkusen dort noch gefehlt hatten.Das Ziel der Leipziger war völlig klar: Mit einem Heimsieg konnte sich das Team für die Champions League qualifizieren.

Leipzig will dominieren, schafft es aber nicht

Der Wille, diese Partie so zu gestalten, wie es ein zukünftiger CL-Teilnehmer gegen einen Abstiegskandidaten in einem Heimspiel halt macht, war den Leipzigern zu Spielbeginn anzusehen. Das Team schnappte sich den Ball und ließ diesen in aller Ruhe in der Hälfte des FC St. Pauli in den eigenen Reihen zirkulieren. Das sah ganz nett aus, war aber völlig ineffektiv, weil der FCSP sich in seinem tiefen 5-4-1 stabil zeigte, den Leipzigern wenig Raum gab. Einzig wenn es Leipzig gelang, aus Innen- oder Außenverteidigung den Ball zum richtigen Zeitpunkt in die Halbräume rechts hinter Irvine oder links hinter Fujita zu spielen, wackelte der FCSP etwas, sofern die äußeren Innenverteidiger diesen Raum nicht direkt schlossen (was sie jedoch größtenteils hinbekamen – aber schaut euch mal die Chance von Rômulo in der 26. Minute an, da gelang es Leipzig, den Halbraum zu nutzen).

Auch die anderen Vorhaben der Leipziger konnte der FC St. Pauli dank guter Abstimmung verteidigen. Leipzig fokussiert sein Spiel sehr auf dribbelstarke Außen, möchte diese in direkte Duelle bringen. Der FCSP ließ zwar die Pässe auf die Leipziger Außenstürmer Diomande und Gruda auf der Außenbahn zu, gönnte ihnen aber kein 1vs1-Duell. Stattdessen gelang es dem FC St. Pauli sehr gut, in diesen Situationen immer wieder zu doppeln. Die Außenverteidiger Oppie und Pyrka bekamen in diesen Szenen immer Unterstützung von Metcalfe und Houtondji und waren insgesamt ziemlich griffig in den direkten Duellen. So hatten Diomande und Gruda verhältnismäßig wenig Einfluss auf das Spiel.

Image de l'article :Leipzig vs. FC St. Pauli 2:1 – Niederlage. Ja, aber…

Arek Pyrka hatte, wie auch Louis Oppie auf der Gegenseite, seinen Gegenspieler im Griff und sorgte so dafür, dass der FC St. Pauli in Leipzig einen recht stabilen Eindruck hinterließ. Er gewann starke neun von zwölf Zweikämpfen und ließ Gegenspieler Diamonde (bereits 20 Torbeteiligungen diese Saison) nicht ins Spiel kommen.

// Maja Hitij/Getty Images/via OneFootball

FC St. Pauli findet die Stabilität

Gleiches galt für die Leipziger Außenverteidigung, bestehend aus Raum und Baku. Auch diese beiden Spieler haben üblicherweise viel Einfluss auf das Leipziger Spiel. Beiden gelang es aber kaum, Impulse im Aufbau zu setzen. Das hing damit zusammen, dass sich der FC St. Pauli nicht durchgehend im tiefen 5-4-1 formierte. Nach Leipziger Ballgewinnen ordnete sich das Team erstmal etwas höher und in einem 5-2-3 an, welches eher mannorientiert umgesetzt wurde. Dabei liefen die FCSP-Außenverteidiger die Leipziger Außenverteidiger direkt an, die äußeren Innenverteidiger zogen sehr breit und waren bei Gruda und Diomande zu finden. Dieses höhere Pressing kostete Leipzig vor allem Zeit, nahm Tempo aus ihren Aktionen – und gab dem FC St. Pauli so die Gelegenheit, zur defensiven Kompaktheit zu finden.

Aber auch wenn der FC St. Pauli gut gegen Leipzig verteidigte: Wir dürfen nicht vergessen, dass dort ein zukünftiger CL-Teilnehmer gegen ein Team spielt, bei dem noch nicht klar ist, ob es kommende Saison in der ersten oder zweiten Liga spielen wird. Natürlich kam Leipzig also zu Torchancen, das allerdings fast immer nur dann, wenn der FCSP in eigenen Ballbesitzphasen Fehler machte. So zum Beispiel in der achten Minute, als der FC St. Pauli den Ball nicht richtig geklärt bekam und Irvine ihn dann an seinen Gegenspieler verlor. Diomande hatte plötzlich etwas Platz und spielte quer, doch Baumgartner scheiterte aus kurzer Distanz an Vasilj.

How to not play Kontersituationen!

Doch nachdem der FC St. Pauli die Druckwelle der Leipziger in den ersten 15 Minuten überstanden hatte, veränderte sich das Spiel. Wurde der Ball in der Anfangsphase noch recht konsequent einfach nur geklärt, so gelang es dem FCSP nun immer besser, die eigenen Ballgewinne für Umschaltmomente zu nutzen. In ruhigeren Ballbesitzphasen konnte der FC St. Pauli ins letzte Drittel der Leipziger gelangen, weil er konsequent die Linie runterspielte. Noch vielversprechender waren aber Umschaltmomente, wie bereits im Hinspiel. Ein ums andere Mal wurden Kaars oder Hountondji mit Steilpässen in die Tiefe geschickt. In anderen Szenen erspielte sich das Team nach Ballgewinnen mit kurzen Steil-Klatsch-Momenten Situationen, in der es in Gleich-, teilweise sogar in Überzahl auf das Tor der Leipziger zuging. Fast alle dieser Szenen endeten aber leider nicht mit einem Torabschluss des FC St. Pauli, da entweder Passgenauigkeit, Timing oder Laufwege nicht passten, teilweise sogar alles zusammen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der FC St. Pauli auswärts nach einer schwierigen Anfangsphase, die es zu überstehen galt, besser in die Partie kam und den Rest der ersten Hälfte dominierte. Das, was wir am Samstag in Leipzig zu sehen bekamen, gab es so oder so ähnlich vom FCSP in 2026 zum Beispiel auch in Augsburg, in Hoffenheim, bei Union und in Wolfsburg zu sehen. Allerdings gab es einen entscheidenen Unterschied: Der FC St. Pauli vermochte es in Leipzig nicht, in dieser Phase auch einen Treffer zu erzielen. Die ganz sicher größte Gelegenheit dazu hatte Martijn Kaars, der in der 34. Minute von Hountondji bedient wurde und völlig frei im Strafraum aus zentraler Position zum Abschluss kam. Kaars geriet dann aber beim Abschluss leider derart in Rücklage, dass er keinen Flachschuss produzierte, sondern der Ball zu hoch in Richtung Gehäuse kam und nur an die Latte klatschte – es war die mit Abstand größte Torgelegenheit der Partie.

Es kam, was kommen musste…

Es wäre spannend gewesen zu sehen, wie beide Teams mit einer FCSP-Führung umgegangen wären. Ob diese dem FC St. Pauli noch mehr Auftrieb gegeben, ob Leipzig noch offensiver agiert und somit noch mehr Raum für Umschaltmomente preisgegeben hätte. Aber es kam bekanntlich anders: Gegen Ende der ersten Hälfte kamen die Leipziger wieder etwas stärker auf und gingen in der 44. Minute durch einen glücklichen Treffer in Führung: Baumgartner kam nach einem Eckball per Kopf an die Kugel, konnte den Ball aber nicht auf das Tor bringen. Dieser verendete nämlich an den Beinen von Mitspieler Schlager und blieb dann auch genau beim Leipziger Sechser liegen, der den Ball dann unhaltbar ins Tor drosch. Ein Gegentreffer also, wie er eben fallen kann, einer, der nicht zu verteidigen ist. Dazu noch zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt kurz vor der Pause – es ist dann irgendwie auch wieder ein Symptom des Spiels eines Abstiegskandidaten gegen einen CL-Teilnehmer, dass genau so ein Treffer fällt. Scheiße.

Scheiße war auch der Start in die zweite Halbzeit. Leipzig ging erneut dominant zu Werke, was aber weiterhin keinen Erfolg brachte. In der 54. Minute war es dann ein Leipziger Umschaltmoment, der Gefahr erzeugte: Über Baumgartner gelang der Ball zu Diomande, der Vasilj umkurvte, dann aber in schlechter Schussposition war. Seinen Rückpass nutzte Ouédraogo zum Schuss, den er dann an den Pfosten setzte. Der FC St. Pauli konnte die Szene dann auf Kosten eines Eckballs klären. Der führte dann aber leider zum 0:2 und dieses Mal kann die Entstehung nicht als „unglücklich“ bezeichnet werden. Denn wenn ein Team Willi Orbán, einen der torgefährlichsten Innenverteidiger der letzten zehn Bundesligajahre (28 Treffer), so frei zum Kopfball kommen lässt, dann hat es die Standardsituation einfach unzureichend verteidigt.

St. Pauli fällt nicht auseinander – braucht aber (zu) lange, um Druck zu erzeugen

Im Anschluss musste der FC St. Pauli dann aufpassen, nicht komplett unterzugehen. Wir hatten in dieser Saison leider schon einige Spiele, in denen genau das passierte. Leipzig machte direkt nach dem zweiten Treffer auch den Eindruck, nachlegen zu wollen. Dieser Druck ließ aber dann recht schnell nach, was sicher auch daran lag, dass der FCSP wieder zu seinem stabilen Defensivspiel fand. Das aber beim Stand von 0:2, der FCSP verteidigte also den Rückstand – und da die Umschaltmomente nun fehlten (weil Leipzig da nun natürlich besonders drauf achtete), war die Partie für viele Minuten ziemlich tot.

Es brauchte ein Erweckungserlebnis, um dem FC St. Pauli aufzuzeigen, dass hier in Leipzig noch was gehen würde. Dieses gab es in Person von Abdoulie Ceesay, der sich ja bekanntlich wenig scheißt und einfach macht, was strukturell sicher nicht immer ganz einfach ist (wobei es gegen Leipzig auch mit Ceesay als Verteidiger gut klappte), aber der eben fast jedes Mal nach Einwechslung ein belebendes Element der FCSP-Offensive ist. Nun erkannte er in einer Pingpong-Szene rechtzeitig, dass im Rücken links hinter der Leipziger Innenverteidigung Platz war und lief ein, als Irvine dort hin köpfte. Ceesay fackelte nicht lang und schoss den Ball ins lange Eck ein – der FCSP war plötzlich, und auch etwas aus dem Nichts, wieder dran!

Und tatsächlich sollte der FC St. Pauli auch noch die große Chance auf den Ausgleich bekommen: Tief in der Nachspielzeit bediente Ceesay im Strafraum Irvine, der völlig blank zum Abschluss kam. Der FCSP-Kapitän produzierte dann aber leider wieder einen „Irvine-Spezial“ und vergab die Gelegenheit. Somit fand auch sein 48. Abschluss in der Bundesliga (xG: 6,6) nicht den Weg ins Ziel. Hoffentlich hat er sich den Moment seines ersten Bundesligatreffers für den wirklich entscheidenen Zeitpunkt, zum Beispiel in der Nachspielzeit gegen Wolfsburg, aufbewahrt.

Image de l'article :Leipzig vs. FC St. Pauli 2:1 – Niederlage. Ja, aber…

Abdoulie Ceesay war erneut einer der Lichtblicke beim FC St. Pauli, erzielte seinen zweiten Treffer und dürfte damit für noch mehr Spielzeit geworben haben.

// Maja Hitij/Getty Images/via OneFootball

Da ist Hoffnung

Der FC St. Pauli verliert also die Partie in Leipzig mit 1:2. Doch er trotzte einer wirklich bedrückenden Personal-Situation. Diese sorgte sogar dafür, dass es ein paar Lichtblicke gab: Fujita konnte auf der Sechs überzeugen, zeigte sich als einer der stabilisierenden Faktoren des Teams. Metcalfe gab dem Team ein wichtiges Gleichgewicht, ist gegen den Ball auch auf der offensiveren Position einfach wichtig. Erfreulich fand ich vor allem, wie Oppie auf der linken Seite gespielt hat. Einige der Ballgewinne, die der FCSP für gute Umschaltmomente nutzte, gingen auf sein Konto. Zudem gelang es ihm in Zusammenarbeit mit Hountondji, Gruda und auch Baku nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Und er zeigte sich, das ist vermutlich der wichtigste Part, stabiler am Ball als zuletzt.Klar, dass auch Ceesay (schon wieder) ein Lichtblick war. So sehr, dass man sich unweigerlich fragen muss, warum er bisher so wenig Spielzeit in dieser Saison bekam. Er ist zweifelsohne einer der Hoffnungsträger für das Saisonfinale.

Wenn wir ehrlich sind, dann war eine Niederlage gegen Leipzig genau das, was vor der Partie erwartet werden musste. Der Spielverlauf aber, die verhältnismäßig stabile FCSP-Defensive, die nur in zwei Standardsituationen geknackt werden konnte, und die starke Offensivphase in der ersten Hälfte – all das hätte durchaus dazu führen können, dass der FCSP etwas Zählbares aus dieser Partie holt. So ist da zwar leider wieder eine Niederlage, aber immerhin ist da wieder die Erkenntnis, dass der FC St. Pauli auch gegen individuell klar bessere Teams das Spiel ausgeglichen gestalten kann. So nehmen wir also doch etwas Zählbares mit aus Leipzig: Hoffnung.Auf geht’s ins Endspiel!Immer weiter vor!// Tim

Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.

Unsere Kommentare sind nur per Registrierung zugänglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.

MillernTon auf BlueSky // Mastodon // Facebook // Instagram // Threads // WhatsApp // YouTube

// Teile diesen Beitrag mit Deinem Social Media Account (Datenübertragung erfolgt erst nach Klick)

  • teilen 
  • teilen 
  • teilen  
  • teilen  
  • teilen 
À propos de Publisher