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·29 juin 2026

Manchester statt Mainz? Der FC verschiebt offenbar seinen Scoutradar und blickt nach England

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Manchester statt Mainz? Der FC verschiebt offenbar seinen Scoutradar und blickt nach England

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Simon Bartsch

29 Juni, 2026

Jahmai Simpson-Pusey war im Winter sicher eine überraschende Neuverpflichtung, entwickelte sich aber zu einem Überraschungstransfer. Nun blickt der FC erneut nach England und das nächste Talent steht im Fokus des 1. FC Köln: Warum England plötzlich so interessant ist.

Jahmai Simpson-Pusey und Chido Obi sind in England alles andere als unbekannte Spieler. „JSP“ hat bereits im Nachwuchsbereich Ehrungen gesammelt, war bei ManCity eine Säule der Juniorenmannschaften. Chido Obi wiederum wurde bereits als „Wunderkind“ vor seiner Zeit bei ManUnited tituliert, erzielte in der U16, in der U18 Tore am Fließband – alleine zehn in einem Duell gegen Liverpool, mal sieben gegen Norwich. Beide Spieler stehen auf einigen Scoutblöcken der Premier League. Beide kommen aus den Nachwuchsabteilungen englischer Schwergewichte – eigentlich sogar der Junioren-Schwergewichte Englands. Nun aber hat der FC den Innenverteidiger von City unter Vertrag genommen und führt über den Stürmer offenbar Gespräche mit dem Rivalen, den Red Devils. Zufall? Möglich. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich dahinter dann doch mehr verbirgt.

Jahmai Simpson-Pusey und Chido Obi (Fotos:  Christof Koepsel/Richard Heathcote/Getty Images)

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Der FC scheint sein Scoutradar zu verschieben und England spielt ganz offensichtlich eine entscheidende Rolle. Über viele Jahre waren die Regalfächer auf dem Transfermarkt schon abgegriffen: Erfahrene Erstligisten, Leistungsträger der 2. Bundesliga, hin und wieder Talente aus unteren Klassen, vor allem aber Spieler, die erschwinglich, vielleicht sogar ablösefrei waren. Verständliche Mechanismen der Branche, gerade wenn das Budget dann überschaubar ist. Doch aktuell scheint sich das Bild ein wenig zu verschieben. Die Spieler auf dem Radar: Jung, in renommierten Nachwuchszentren ausgebildet, entwicklungsfähig und damit im Besitz eines Wiederverkaufswerts. Gerade der englische Markt scheint dort besonders interessant. Spieler, die in den Akademien von Manchester City, Manchester United, Arsenal oder Liverpool ausgebildet werden, erfahren früh ein Training unter herausragenden Bedingungen, spielen internationale Turniere, werden taktisch und technisch auf höchstem Niveau geschult. Doch gerade aufgrund des hohen Leistungstands in England bleibt der Sprung zu den Profis oft verwehrt.

Schlüssel zum lukrativen Markt

Nicht, weil sie nicht gut genug sind, vielmehr, weil sich die Premier League mittlerweile eine eigene Realität geschaffen hat. Die Kader sind überragend besetzt, auf Erfolg gedrillt. Für Youngster bleibt kaum Zeit, sich zu entwickeln, kaum Platz, Spielpraxis zu sammeln. Und darin liegt die Chance der Bundesligisten. Je nach Qualität bieten die Clubs Einsatzzeit, eben Spielpraxis. Der Verein erhält den Gegenwert: Technisch hochausgebildete Spieler, die in der Liga sofort weiterhelfen können, vor allem aber im Besitz eines Marktwertversprechens. Denn, wenn sie funktionieren, fliegen sie nicht nur in Deutschland über dem Radar. Und gerade England macht die Geschäfte dann wieder interessant. Denn jene Akteure bleiben natürlich auf dem englischen Markt, nur werden dort die deutlich besseren Preise bezahlt. Der FC findet also den Schlüssel zu einem Markt, der deutlich lukrativer ist, als der eigene. Simpson-Pusey steht symptomatisch für diesen Effekt. Der Innenverteidiger wird sicherlich irgendwann zurück auf die Insel kehren. Nur zu einem anderen Preis.

Rekrutierungsstrategie England?

Auch Chido Obi kann nun so ein Thema werden, JSP wäre kein Einzelfall mehr und eine Rekrutierungsstrategie könnte sich abzeichnen. Es könnte zumindest die These aufgestellt werden, dass der FC durchaus gezielt in England scoutet. Und das nach Spielern, die eben eine hohe Ausbildung in den Akademien genossen haben, aber keinen Weg aufgezeigt bekommen. Ein Problem, das man auch in Köln natürlich kennt – wenn auch auf anderer Ebene. Und doch bleibt natürlich auch ein Risiko. Es ist nicht gesagt, dass der Spieler sofort funktioniert. Die Kölner können sich zudem nicht nur junge Experimente leisten, müssen auch auf eine einigermaßen sichere Qualität setzen. Die Verpflichtung von Jahmai Simpson-Pusey war nach dessen verkorkster Leihe nach Celtic alles andere als ein Selbstläufer. Neuverpflichtungen kommen, um zu helfen – möglichst sofort. Und genau darin liegt die Herausforderung für Thomas Kessler und Tim Steidten: Entwicklung darf nicht der Selbstzweck werden.

Die Richtung macht für den FC dennoch total Sinn. Wer finanziell vielleicht nicht mit vielen anderen Teams mithalten kann, muss cleverer scouten, muss Spieler finden, bevor sie zu offensichtlich werden. Es geht also vielleicht gar nicht so sehr um das Wunderkind Chido Obi, vielleicht geht es vielmehr darum, eine Brücke in den lukrativsten Markt Europas zu bauen. Der FC scoutet also nicht England, er scoutet die Premier League von morgen.


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