90PLUS
·20 juillet 2026
Mbappés zweiter Goldener Schuh: Rekord ohne Krönung

In partnership with
Yahoo sports90PLUS
·20 juillet 2026

Kylian Mbappé trifft am Samstag doppelt – in einem Spiel, das Frankreich verliert. Lionel Messi bleibt am Sonntag torlos – in dem Spiel, das alles entschieden hätte. Zwei Abende, ein Fernduell, und am Ende erzählen die Trophäen dieser WM eine Geschichte, die kein Drehbuch besser hinbekommen hätte.
Acht zu acht – so stand es zwischen Mbappé und Messi vor dem Finalwochenende. Dann kam das Spiel um Platz drei, dieses wilde 4:6 gegen England, und Mbappé legte zwei Treffer nach. Zehn Tore. Vorsprung. Messi hätte im Finale gegen Spanien nachziehen können, vielleicht sogar müssen – doch der 39-Jährige blieb erstmals seit zwölf WM-Spielen ohne Tor und ohne Vorlage. Rodris Mittelfeld und die Abwehrarbeit von Youngster Pau Cubarsí nahmen ihn schlicht aus der Partie. Argentinien brachte über 120 Minuten keinen einzigen Schuss aufs spanische Tor.
Die Endabrechnung: Mbappé 10 Tore, 4 Vorlagen. Messi 8 Tore, 4 Vorlagen. Dahinter Jude Bellingham mit sieben Treffern vor Erling Haaland, ebenfalls sieben. Es war die Torjäger-WM der Superstars – und sie endete mit einem Sieger, der am Sonntag gar nicht mehr auf dem Platz stand.
Die eigentliche Dimension steckt in der Historie. Mbappé ist der erste Spieler der WM-Geschichte, der den Goldenen Schuh zweimal gewinnt – und das auch noch in direkter Folge. 2022 in Katar reichten ihm acht Treffer, diesmal sind es zehn. Weder Ronaldo noch Müller, weder Fontaine noch Klose haben das geschafft. Vier Tore 2018, acht Tore 2022, zehn Tore 2026 – die Kurve kennt nur eine Richtung.
Und sie hat eine zweite Pointe. Mit nun 22 WM-Treffern zieht Mbappé an der Spitze der ewigen Torschützenliste an Messi vorbei, der das Turnier mit 21 beendet. Der bisherige Rekordhalter Miroslav Klose (16) ist längst außer Sichtweite. Mbappé ist 27 Jahre alt. Rechnet man konservativ mit zwei weiteren Turnieren, wird diese Bestmarke auf Jahrzehnte hinaus unantastbar – es sei denn, er selbst legt nach.
Kein Tor. Keine Vorlage. Trotzdem der beste Spieler des Turniers – und wer die Zahlen liest, versteht, warum die Technical Study Group der FIFA so entschieden hat. Rodri stellte mit 756 angekommenen Pässen einen WM-Rekord auf, kein Spieler hatte mehr Ballkontakte, keiner spielte mehr Linien brechende Pässe. Seine Sofascore-Durchschnittsnote von 7,76 war die beste aller zentralen Mittelfeldspieler der WM.
Im Finale lieferte der Kapitän dann sein Meisterstück: 101 von 106 Pässen kamen an, 80 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er – und der Silberne-Ball-Gewinner auf der Gegenseite fand schlicht nicht statt. Zwei Jahre nach dem Kreuzbandriss, der ihn 15 Monate kostete, komplettiert Rodri einen Zirkel, dem vor ihm nur Beckenbauer, Gerd Müller und Zidane angehörten: Weltmeister, Europameister, Champions-League-Sieger, Ballon-d’Or-Gewinner. Nach der Ehrung sprach er von einem „perfekten Drehbuch“, mit dem er selbst nicht gerechnet habe.
Messi erhielt den Silbernen Ball, Mbappé den Bronzenen. Man kann das als Trostpreise lesen. Man kann es auch als Rangordnung dieser WM lesen: Der Kontrolleur schlägt die Vollstrecker.
Spanien räumte auch abseits des Pokals ab. Pau Cubarsí (19) wurde bester junger Spieler, und Unai Simón bekam den Goldenen Handschuh – mit einer Bilanz, die das Wort historisch verdient: sieben Zu-null-Spiele in einem einzigen Turnier. Den bisherigen Bestwert von fünf hatten sich laut FIFA sieben Torhüter geteilt, von Zenga über Kahn bis Casillas. Simón kassierte in acht Partien exakt ein Gegentor, beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien. Wie der Keeper von Athletic Bilbao nebenbei auch noch den Uraltrekord von Walter Zenga pulverisierte, haben wir bereits ausführlich analysiert.
Die Frage ist am Ende nicht, wer die beste WM gespielt hat. Das lässt sich messen, und die FIFA hat es gemessen: Rodri, Simón, Cubarsí – drei von vier Einzeltrophäen tragen spanische Namen. Die Frage ist, was von diesem Turnier bleibt. Mbappé hat die Geschichtsbücher umgeschrieben und fährt als Vierter heim. Messi hat alles gegeben und verliert am letzten Abend Titel, Goldenen Ball und die ewige Torjägerkrone. Rekorde sammeln die einen – den Pokal hebt der, der das Spiel kontrolliert. Wer glaubt, dass Tore allein Weltmeisterschaften gewinnen, hat dieses Turnier nicht gesehen.







































