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·20 juin 2026

Montella fassungslos: 65 Schüsse, 0 Tore! Der Türkei-Coach kann sich das WM-Aus nicht erklären

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Montella nach WM-Aus fassungslos: „So ein Spiel erlebt man vielleicht einmal in 50 Partien“

Die Enttäuschung nach dem frühen WM-Aus der Türkei sitzt tief. Nach der 0:1-Niederlage gegen Paraguay und dem damit verbundenen Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft 2026 stellte sich Nationaltrainer Vincenzo Montella den Medien. Der Italiener zeigte sich dabei sichtlich getroffen und rang nach Erklärungen für ein Turnier, das aus seiner Sicht kaum rational zu erklären ist. Die Türkei verabschiedet sich nach zwei Gruppenspielen ohne eigenen Torerfolg aus dem Wettbewerb. Trotz zahlreicher Chancen, hoher Ballbesitzwerte und insgesamt 65 Abschlüssen gegen Australien und Paraguay blieb die „Milli Takim“ ohne Treffer. Genau das beschäftigt den Nationaltrainer bis heute.

„Normalerweise passiert so etwas einmal in 50 Spielen“

Vincenzo Montella machte unmittelbar nach der Niederlage keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: „Ich bin sehr, sehr traurig. Unser Volk hatte große Erwartungen. Wir selbst hatten ebenfalls große Erwartungen. Auch für den türkischen Fußballverband tut es mir leid. Ich weiß, wie hart dort gearbeitet wird. Ich bin seit 35 Jahren im Profifußball tätig. Normalerweise erlebt man ein solches Spiel vielleicht einmal in 50 Partien. Dass es uns jedoch in zwei Spielen hintereinander passiert, ist überraschend. Wir hatten 65 Schüsse in zwei Spielen. Von den Ballbesitzwerten möchte ich gar nicht erst anfangen. Das Schicksal war nicht auf unserer Seite. Ich habe meinen Spielern gesagt, dass sie auf dem Platz alles gegeben haben und den Kopf oben behalten sollen. Gegen das Schicksal kann man nichts machen.“ Der Italiener verwies dabei auf die statistische Überlegenheit seiner Mannschaft, die sich letztlich nicht auf der Anzeigetafel widerspiegelte.


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Montella stellt sich vor seine Spieler

Während nach dem Ausscheiden vielerorts Kritik laut wurde, wollte Montella seine Spieler ausdrücklich in Schutz nehmen: „Ich habe nicht die Angewohnheit zu sagen, dieser Spieler hätte es besser machen können oder jener hätte anders spielen müssen. Ich schaue immer auf die Einsatzbereitschaft meiner Spieler. In beiden Spielen haben meine Fußballer unglaublichen Kampfgeist und Ehrgeiz gezeigt. Sie werden immer meine Unterstützung haben. Niemand hat sich jemals versteckt. Jeder hat gearbeitet und hart gekämpft, aber es hat nicht gereicht.“ Der 51-Jährige betonte mehrfach, dass ihm die Einstellung seiner Mannschaft keinen Anlass zur Kritik gebe.

„War wirklich der Mittelstürmer in den letzten zehn Minuten das Problem?“

Auf der anschließenden Pressekonferenz wurde Montella auch auf seine Wechsel und taktischen Entscheidungen angesprochen. Dabei verteidigte er seine Maßnahmen: „Wir haben Baris Alper Yilmaz direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit gebracht. Diese Entscheidung habe ich aufgrund des Spielverlaufs getroffen. Sie hatte nichts mit individuellen Leistungen zu tun. Unser Volk hatte Erwartungen an uns. Wir wissen, wie hart unser Verband und unsere Spieler arbeiten. Ich sehe jeden Tag, wie viel Einsatz alle zeigen. Ich kann nur sagen, dass ich sehr traurig bin. Ich bin enttäuscht. Meine Spieler haben auf dem Platz alles versucht. Leider hat unser Gegner mit sehr wenigen Chancen das gewünschte Ergebnis erzielt. In meinen 35 Jahren im Profifußball erlebt man solche Spiele vielleicht einmal in 50 Partien. Dass uns das zweimal hintereinander passiert, ist kaum zu erklären. Wenn ich die Opferbereitschaft meiner Spieler sehe, macht mich das noch trauriger. War wirklich die Frage, ob man in den letzten zehn Minuten noch einen Mittelstürmer bringt oder nicht, das entscheidende Problem?

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Foto: IHA

Debatte um den Mittelstürmer sorgt für Unverständnis

Besonders überrascht zeigte sich Montella über die Diskussion um die Stürmerposition: „Ich bin überrascht, dass immer wieder das Thema Mittelstürmer angesprochen wird. Wir haben 65 Schüsse abgegeben und der Ball will einfach nicht ins Tor. Wir greifen an und treffen nicht. Der Gegner kommt einmal vor unser Tor und trifft. Wenn mir jemand die Logik dahinter erklären kann, bin ich bereit, sie zu lernen.“ Der Nationaltrainer machte damit deutlich, dass er die Ursachen für das Scheitern nicht ausschließlich im Angriffszentrum sieht.

„Die bessere Mannschaft gewinnt nicht immer“

Für Montella liegt die größte Tragik darin, dass seine Mannschaft genügend Chancen herausspielte: „Wenn wir keine Chancen herausgespielt hätten, hätten wir ein echtes Problem. Dann müssten wir sagen, wir kreieren nichts und verlieren deshalb. Wenn man jedoch zwei Spiele hintereinander auf diese Weise erlebt, wirkt jede Erklärung zu einfach. Es fühlt sich an, als wäre das Schicksal nicht auf unserer Seite gewesen. Aufgrund ihrer Leistungen schätze ich meine Spieler heute sogar noch mehr. Sie haben ihr Herz auf dem Platz gelassen. Fußball ist nicht logisch. Genau deshalb ist er so faszinierend. Die bessere Mannschaft gewinnt nicht immer. Das gehört zur Natur dieses Sports. Ich habe sowohl positive als auch negative Szenarien erlebt. Der Ball prallt an beide Pfosten und springt wieder heraus. Solche Situationen hatten wir in beiden Spielen.“

Polats Post-Match-Analyse: Drei gravierende Fehler und Montellas taktischer Starrsinn kosten die Türkei die WM

„Wenn es nicht sein soll, dann soll es nicht sein“

Montella war zudem überzeugt, dass die Türkei gegen Paraguay sogar besser spielte als gegen Australien: „Im ersten Spiel konnten wir erst in der zweiten Halbzeit offensiv Druck entwickeln. Heute waren wir besser. Wir mussten gegen eine tiefstehende Defensive spielen. Im Vergleich zum Australien-Spiel haben wir besser gekämpft. Uns fehlte die Präzision im Abschluss. Viele Dinge haben sich gegen uns entwickelt. Wenn wir aus den beiden Spielen etwas mitnehmen müssen, dann vielleicht, dass wir im ersten Spiel häufiger hinter die Abwehr hätten laufen können. Beim heutigen Spiel fragt man sich hingegen, was wir noch hätten machen sollen. Wenn es nicht sein soll, dann soll es nicht sein.

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Foto: IHA

Regelmäßige Turnierteilnahmen als Schlüssel

Der Italiener sieht auch einen strukturellen Faktor hinter dem frühen Ausscheiden: „Man arbeitet an vielen Dingen. Man versucht, den Spielern Selbstvertrauen zu geben, einen höheren Standard zu etablieren und dafür zu sorgen, dass sie sich auf dem Platz wohler fühlen. Das Wichtigste für uns ist nun, regelmäßig an großen Turnieren teilzunehmen. Weil wir das in der Vergangenheit nicht konstant geschafft haben, könnte dies unsere Spieler – wenn auch unbewusst – beeinflusst haben. Früher hatten wir solche Probleme nicht. Unsere Nationalmannschaft muss regelmäßig bei Turnieren vertreten sein. Danach werden wir noch stärker werden.

„Es wäre zu einfach, jetzt Schuldige zu suchen“

Montella wollte nach dem Ausscheiden niemanden verantwortlich machen: „Es wäre zu einfach, jetzt Schuldige zu suchen. Ich habe an die beste Lösung geglaubt und meine Spieler entsprechend ausgewählt. Wenn wir nicht alles versucht hätten, könnte ich die Kritik verstehen. Mein Ziel war es, die Gruppe erfolgreich zu überstehen. Ihr habt die beiden Spiele gesehen. Manchmal klappt es einfach nicht. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Wir müssen dieses Ergebnis akzeptieren.

Gleichzeitig erinnerte der Coach daran, mit welchen Hoffnungen die Türkei zur Weltmeisterschaft 2026 gereist war: „Wir sind mit großen Erwartungen zur Weltmeisterschaft gekommen. Wir hatten große Ziele und haben das auch auf dem Platz gezeigt. In 35 Jahren Profifußball kann man einmal so ein Spiel verlieren. Zwei solcher Niederlagen hintereinander habe ich in meiner gesamten Karriere noch nie erlebt. Trotzdem müssen wir das Ergebnis akzeptieren.“

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Der Blick richtet sich bereits auf die Zukunft

Trotz des bitteren Ausscheidens glaubt Montella weiterhin an die Entwicklung seiner Mannschaft und insbesondere an die junge Generation im Kader: „Ich versuche immer, alles zu verstehen. Das war schon als Spieler so. Wenn man ein Spiel verliert, sind die beliebtesten Spieler meist diejenigen auf der Bank. Ich habe großen Respekt vor Ozan Kabak. Er war einer der Spieler, die ich hätte nominieren können. Er hatte jedoch Verletzungsprobleme. Bei Innenverteidigern ist es wichtig, dass sie sich ergänzen und konstant spielen. Merih Demiral und Abdülkerim Bardakci haben gut gespielt. Man muss Entscheidungen treffen. Wir haben eine Struktur aufgebaut und diese Struktur hat uns viele gute Ergebnisse gebracht. Diese Mannschaft besteht aus vielen jungen Spielern. Mit der Zeit werden sie sich weiterentwickeln und reifen. Wir wollen diese Spieler fördern und mit ihnen bei zukünftigen Turnieren erfolgreich sein.“

Zum Abschluss richtete Montella noch eine Botschaft an seine Mannschaft und die Fans: „Wir müssen weiterhin den kämpferischen Geist der Türkei zeigen. Wir müssen Leistungen abliefern, auf die man stolz sein kann. Ihr repräsentiert euer Land, das sage ich auch meinen Spielern. Wir alle sind traurig, aber wir müssen die Kabine mit erhobenem Kopf verlassen. Wir müssen diese Eigenschaften auf dem Platz noch stärker vereinen. Dafür müssen wir unseren Geist bewahren. Diese Erfahrung wird uns die Möglichkeit geben, uns weiterzuentwickeln. Zuerst müssen wir lernen, trotz allem mit Stolz den Kopf oben zu behalten.“

Für Vincenzo Montella ist die Weltmeisterschaft 2026 damit eine der bittersten Erfahrungen seiner Trainerkarriere. Trotz aller Enttäuschung sieht der Italiener jedoch keinen Grund, den eingeschlagenen Weg grundsätzlich infrage zu stellen. Stattdessen fordert er Geduld, Zusammenhalt und die Bereitschaft, aus dieser schmerzhaften Lektion die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

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