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·17 avril 2026

Nagelsmanns Undav-Aussage offenbart ein problematisches Muster beim Bundestrainer

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Nagelsmann relativierte Undavs Siegtor gegen Ghana öffentlich – die Entschuldigung folgte laut Bundestrainer auf Anstoß seiner Frau. Kritiker sehen ein Muster.

Deniz Undav erzielte in der 88. Minute das Siegtor gegen Ghana – in Stuttgart, vor 52.000 Zuschauern, in seinem Stadion. Was folgte, war keine Umarmung des Bundestrainers, sondern eine öffentliche Fitnessdebatte. Julian Nagelsmann sagte: „Wenn er vorher 70 Minuten marschiert, weiß ich nicht, ob er ihn so reinmacht." Ein Spieler liefert exakt das, was von ihm verlangt wird, und sein Trainer macht daraus einen Vorbehalt. Das ist kein Ausrutscher, das ist ein Muster: Nagelsmann verhandelt seine internen Hierarchie-Entscheidungen über die Mikrofone – und merkt erst hinterher, was er angerichtet hat.


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Dass der Bundestrainer sich entschuldigt hat, rechnet ihm mancher hoch an. Nur: Die Entschuldigung kam nicht aus professioneller Selbstreflexion. Nagelsmann erzählt bei MagentaTV offen, dass seine Frau Lena den Anstoß gab. „Sie ist ein Mensch, der mich super reflektiert, der mir natürlich auch ins Gesicht sagt, wenn irgendwas nicht gut war." Er habe ihr gesagt, er werde Undav anrufen, „und dann hat sie gesagt: Ja, das rate ich dir auch." Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Der Bundestrainer einer Nation, die in wenigen Wochen eine WM spielt, braucht den privaten Spiegel, um zu erkennen, dass er einen Spieler öffentlich beschädigt hat. Wo ist das professionelle Korrektiv im DFB-Apparat?

"War blöd von mir." Julian Nagelsmann

Die Zahlen geben Nagelsmanns Relativierung ohnehin nicht her. Undav kommt in dieser Saison auf 23 Tore und 13 Vorlagen – wettbewerbsübergreifend der beste deutsche Stürmer nach nackten Zahlen. In sieben Länderspielen steuerte er fünf Torbeteiligungen bei, fünfmal davon als Einwechselspieler. Der Mann trifft, egal wann er kommt. Nagelsmann selbst nennt ihn einen „Herausforderer" und betont, Undav habe gezeigt, dass er „als Joker eine gute Rolle spielen kann". Die Jokerrolle ist also gewollt – aber dann muss man den Joker nicht noch öffentlich kleinreden, wenn er sticht.

Nagelsmann gibt zu, sich „in dem Moment einfach ein bisschen triggern lassen" zu haben von wiederholten Journalistenfragen. Das klingt nachvollziehbar, ist aber gerade deshalb beunruhigend. Bei einer WM in der Sommerhitze werden die Fragen nicht weniger, die Drucksituationen nicht milder. Wer sich im März bei einem Freundschaftsspiel provozieren lässt, wie reagiert der im Juli, wenn ein Kaderspieler nach einem Viertelfinale fragt, warum er nicht gespielt hat? Das Muster ist immer dasselbe – erst die zu offene Aussage, dann die Schadensbegrenzung. „Es war ein unnötiger Satz", sagt Nagelsmann selbst. Stimmt. Und der nächste unnötige Satz ist nur eine Pressekonferenz entfernt.

Fairerweise: Nagelsmann hat am nächsten Tag angerufen, Undav hat die Entschuldigung angenommen, „es ist auch alles in bester Ordnung zwischen uns". Der Bundestrainer kann Fehler eingestehen, das unterscheidet ihn von manchen Vorgängern. Sein Vertrag läuft bis 2028, der DFB setzt langfristig auf ihn, und die sportlichen Ergebnisse – 4:3 gegen die Schweiz, 2:1 gegen Ghana – liefern keinen Anlass für Grundsatzkritik.

Aber genau darin liegt das Risiko. Nagelsmanns erfrischende Direktheit und seine fahrlässige Öffentlichkeitsarbeit sind zwei Seiten derselben Eigenschaft. Solange seine Frau Lena das Korrektiv bleibt, funktioniert das vielleicht im frühjahr. Im WM-Sommer, wenn jeder Satz in 30 Sprachen übersetzt wird, reicht ein privates Telefonat am nächsten Morgen nicht mehr.

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