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·20 mai 2026
SC Freiburg in Istanbul: Ein Finale, das zu diesem Klub passt

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·20 mai 2026

In Istanbul kämpft der SC Freiburg um den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Über 10.000 Fans sind mitgereist, Trainer Schuster gibt sich gelassen.
Der SC Freiburg steht in Istanbul vor dem ersten Titel seiner Vereinsgeschichte, und der Klub macht keinen Hehl daraus, was dieser Mittwochabend für ihn bedeutet. „Es ist ein sehr, sehr besonderer Moment. Die Vorfreude ist riesengroß", sagt Kapitän Christian Günter vor dem Abschlusstraining im Tüpras Stadyumu. Man möchte am liebsten sofort spielen, das Ding am Schluss in die Höhe halten. Das ist die nüchterne Variante einer Sehnsucht, die in Freiburg eher selten in solchen Sätzen formuliert wird.
Es ist eine Zäsur. Ein Klub, der über Jahre als Beleg dafür herhalten musste, dass man auch ohne Investorengeld und ohne große Versprechen seriös in der Bundesliga bestehen kann, steht im Endspiel der Europa League gegen Aston Villa. Für die Spieler ist das nicht nur ein neuer sportlicher Höhepunkt, sondern für viele die erste reale Aussicht auf eine große Trophäe in ihrer Karriere. „Man kriegt in seiner Karriere nicht so häufig die Möglichkeit", sagt Maximilian Eggestein auf der Pressekonferenz, „deshalb ist das einmalig und wir wollen die Chance nutzen." Wer dafür eine Extramotivation brauche, mit dem stimme etwas nicht.
Der bemerkenswerteste Satz dieser Tage kommt aber vom Trainer. Julian Schuster spricht über das Erlebnis, das ein solches Finale für Mannschaft und Familien sei, schiebt dann aber sofort hinterher: „Aber schöner und größer ist es, die Vitrine daheim zu füllen." Das ist Freiburg in einem Satz. Das Drumherum wird wahrgenommen, das Außergewöhnliche benannt, aber der Fokus bleibt auf dem, was am Ende zählt: ein Pokal, den man in den eigenen Räumen abstellen kann. Es geht eben nicht nur darum, dabeigewesen zu sein.
Schuster spürt nach eigener Aussage „weder Nervosität noch einen großen Druck", er beschreibt ein „großes Selbstvertrauen" in seiner Mannschaft, einen „Riesenglauben und Wunsch, dass wir den letzten Schritt gehen". Das klingt unprätentiös, fast unaufgeregt – und ist doch ungewöhnlich für eine Mannschaft, die noch nie in dieser Lage war. Vielleicht ist es genau diese Tonlage, die den Klub bis hierher getragen hat. In Freiburg arbeitet man sich nicht in Endspiele hinein, indem man sie zur Lebensaufgabe erklärt, sondern indem man sie behandelt wie das nächste Spiel. Nur eben mit der Aussicht, am Ende den Pokal hochzuhalten.
Dass dieser Abend mehr ist als ein Spiel, zeigt sich im Übrigen nicht nur in der Kabine. Weit mehr als 10.000 Anhänger sind mit den Breisgauern in die Türkei gereist – eine Zahl, die für einen Klub dieser Größenordnung viel über das Verhältnis zwischen Mannschaft und Anhang verrät. Günter hat das gesehen und benannt: „Es ist total besonders, dass viele Fans über die ganze Saison hinweg so viel geopfert haben. Für sie ist es ein Hobby oder Leidenschaft, dafür gehen Urlaubstage oder Zeit mit der Familie drauf." Es sei ein Ansporn, wenn man sehe, was sie geopfert hätten. Für sie wolle man alles geben.
Was am Mittwochabend um 21.00 Uhr (RTL) gegen Aston Villa passiert, lässt sich nicht vorhersagen. Aber dass ein Klub wie der SC Freiburg dort steht, mit diesen Sätzen und diesem Anhang im Rücken, ist für sich genommen schon eine bemerkenswerte Geschichte – auch ohne Pokal in der Vitrine. Mit Pokal wäre sie eine andere.
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