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·4 février 2026
Taktik- und Datenanalyse: El Pressico? FC Bayern vor Schlüsselduell mit der TSG Hoffenheim

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·4 février 2026

Am Sonntag kommt es zu einem für den FC Bayern München immens wichtigen Aufeinandertreffen mit der TSG Hoffenheim in der Bundesliga. Miasanrot analysiert, was den FCB erwartet.
Nach der Niederlage gegen den FC Augsburg und dem 2:2 in Hamburg hat der FC Bayern München Teile seines komfortablen Vorsprungs in der Bundesliga eingebüßt.
Borussia Dortmund sitzt dem FCB im Nacken. Sechs Punkte trennen die beiden Klubs nur noch. Auch die TSG Hoffenheim ist in Reichweite. Die Kraichgauer haben sich mit einer beeindruckenden Serie von sieben ungeschlagenen Spielen (nur ein Unentschieden) auf den dritten Rang vorgearbeitet. Auf den Rekordmeister sind es nur noch neun Zähler.
Umso brisanter ist die Konstellation am kommenden Wochenende: Bereits am Samstag kann der BVB den Druck auf die Bayern deutlich erhöhen. Gewinnen sie in Wolfsburg, sind es nur noch drei Punkte. Am Sonntag kommt es dann zum Topspiel zwischen den Münchnern und Hoffenheim. Im schlechtesten Fall kommen also beide Kontrahenten deutlich näher. Im besten Fall wiederum kann der FCB eine deutliche Reaktion auf die Formschwäche der vergangenen Wochen zeigen.
Miasanrot analysiert, was den FC Bayern gegen die TSG erwartet und warum die Hoffenheimer aktuell so stark sind.
Fakt ist: Die TSG Hoffenheim ist das formstärkste Team der Liga. In einer Tabelle, die nur seit dem 17. Oktober gilt, stehen sie aktuell auf dem ersten Platz. In den 14 Partien seitdem holten sie elf Siege, zwei Unentschieden und verloren nur einmal gegen den BVB. Bayern steht mit zwei Punkten weniger auf dem zweiten Rang, Dortmund dahinter mit nochmal zwei Zählern weniger.
In dieser Phase kommt die TSG auf 34 zu elf Tore – Bayern auf 49:15, Dortmund auf 29:15. Allerdings gibt es in den Advanced Stats auch Auffälligkeiten, die dafür sprechen, dass diese Formkurve nicht zwingend von Dauer sein muss. So überperformt das Team von Trainer Christian Ilzer derzeit sowohl seine Expected Goals, als auch die Expected Goals der Gegner.
Für eine tiefere Datenanalyse haben wir uns die Werte in der Scoutingplattform Wyscout angesehen. Im Schnitt kommt die TSG auf 1,71 zu 1,43 Expected Goals in Bundesliga und DFB-Pokal. Gleichzeitig erzielt sie mit 2,23 Toren pro Partie deutlich mehr Tore als erwartbar sind und kassiert zudem erheblich weniger Gegentreffer, als erwartbar wäre – nämlich 1,14 pro Spiel. Wobei die defensive Überperformance aus Sicht der Hoffenheimer bedenklicher ist.
Offensiv ist es nicht unüblich, dass Teams phasenweise auch mal deutlich über ihren erwarteten Toren liegen. Die Bayern stehen hier bei 3,38 Toren pro 90 Minuten in allen Wettbewerben, kommen aber „nur“ auf 2,72 xG. Defensiv zeichnet sich Stabilität schon eher dadurch aus, auch bei den zugelassenen Chancen möglichst niedrig zu liegen. Bayern steht hier bei einem Gegentor pro Partie und 1,02 Expected Goals against.
Die offensive Effizienz der Hoffenheimer ist indes beeindruckend. 10,66 Abschlüsse pro 90 Minuten sind in der Bundesliga nur der achte Platz. Die Münchner stehen mit 15,8 an der Spitze. Mit 0,14 xG pro Abschluss kommt Hoffenheim aber auf eine hohe Qualität – ebenso wie die Bayern mit 0,15 xG pro Schuss. Ein Schlüssel dafür ist ihr extrem aggressives Spiel.
Im Hinspiel agierte die TSG mit einem 4-4-2-Pressing gegen Bayern, das in der Höhe sehr flexibel interpretiert wurde, den Fokus aber klar auf zwei Aspekte legte:
Hoffenheim probierte es daher mit einer etwas breiteren Viererkette hinten, die die Flügelspieler der Bayern im Griff haben sollte und einer etwas engeren Staffelung davor, die das Zentrum abdeckte und dennoch schnell auf die Flügel verschieben konnte.

Bayern tat sich indes sehr schwer damit, die Flügel entsprechend mit echtem Raumgewinn freizuspielen, sondern agierte sehr behäbig mit Querpässen und vorhersehbarer Ballzirkulation. Wenn der Ball auf die Außen eröffnet wurde, verschob die TSG kollektiv und schnell auf den Flügel.
Eine Herangehensweise, die zuletzt unter anderem auch der FC Augsburg erfolgreich nutzte: Zentrum schließen, außen attackieren und Bälle erobern. Doch auch im Spiel mit dem Ball zeigte Hoffenheim damals schon, wie man den Münchnern beikommen kann, wenn alles zusammenpasst. Zwei Mittel lassen sich dafür hervorheben:
Damals reichte es dennoch nicht annähernd für einen Erfolg. Ein Grund dafür war, dass Hoffenheim aus einer guten ersten Halbzeit zu wenig machte. Im Angriffsdrittel spielten sie oft zu harmlos und ungenau. Grundsätzlich funktionierte die Taktik aber gegen ein durchrotiertes Bayern. Der zweite und offensichtliche Grund: Bayern wechselte sein Stammpersonal ein und gewann am Ende deutlich.
Diesmal sind die Vorzeichen aber etwas anders. Hoffenheim hat an Selbstvertrauen gewonnen, während die Münchner Probleme zu haben scheinen – und zwar exakt mit der Art und Weise, wie sie die TSG aktuell auf den Rasen bringt.
Erwartet werden kann ein hochintensives Spiel, in dem beide Teams aggressiv pressen werden. Hoffenheims forderndes Pressing lässt sich auch mit Zahlen nachweisen. Die Statistik „Passes per defensive Action“ (PPDA) beschränkt sich auf die aus der eigenen Sicht vorderen 60 Prozent des Spielfelds und misst dort, wie viele Pässe der Gegner im Schnitt spielen darf, bis eine Defensivaktion erfolgt.
Ein niedriger Wert deutet auf ein sehr aggressives und in der Regel auch hohes Pressing hin, ein hoher Wert deutet eher auf eine zurückhaltendere Spielweise hin. Hoffenheim führt die Liga mit dem niedrigsten Wert derzeit an und kommt auf 8,94 PPDA.
Die Bayern folgen mit 9,81. Interessant zudem: Wyscout misst die „Challenge intensity“, indem sie alle Zweikämpfe, Tacklings und abgefangenen Pässe pro Minute gegnerischem Ballbesitz berechnen. Auch hier sind die beiden Teams an der Spitze der Bundesliga: Hoffenheim mit 6,2 und die Bayern mit 5,9. Dortmund liegt bei 5,2 (Platz vier), der FC St. Pauli hat mit 4,2 den niedrigsten Wert.
Angesichts der starken Offensivreihen und dem aggressivem Anlaufverhalten beider Teams ist also mindestens in Phasen mit einer wilden Partie zu rechnen. Zumal auch beide einen vertikalen Stil mit Ball pflegen. Die Bayern spielen 17,6 Pässe pro Minute Ballbesitz (erster Platz in der Liga), Hoffenheim 15 (Platz sechs).
Es wird für Bayern vor allem darum gehen, die Kontrolle zu übernehmen. Hier sollte der hohe Sieg im Hinspiel nicht täuschen: Die Lösungen, die die Münchner damals gegen das Pressing der TSG hatten, waren unzulänglich. Am Ende brauchten sie vor allem Standardsituationen für den Sieg.
Kompany dürfte diesmal allerdings seine bestmögliche Mannschaft auf den Rasen schicken, was die Dynamik des Spiels verändern sollte. Im Mittelfeldzentrum ist mit Pavlović und Joshua Kimmich zu rechnen, was dem Spielaufbau Stabilität gibt. Auch die Innenverteidigung dürften wie gegen Eindhoven wieder Jonathan Tah und Dayot Upamecano bilden. Eine gute Basis für mehr Stabilität im Aufbau.
Große Fragezeichen gibt es indes auf der Außenbahn. Konrad Laimer fällt weiter aus, Josip Stanišić musste das Training am Dienstag angeschlagen abbrechen. Die Links- und Rechtsverteidigerposition wird jedenfalls großen Einfluss auf den Spielverlauf haben. Raphaël Guerreiro mag defensiv anfällig sein, sollte jedoch mit Ballsicherheit punkten können, was gegen das Anlaufen der Hoffenheimer immens wichtig sein kann.
Links wird Alphonso Davies einen weiteren Schritt nach vorn machen müssen. Die Dribblings des Kanadiers können jedoch ein gutes Mittel sein, um Lücken hinter und zwischen den Pressinglinien der Gäste zu finden. Und nicht zuletzt wird auch Harry Kane wieder eine große Rolle spielen. Der Engländer kann, sollte er bis zum Wochenende von seiner Krankheit genesen, mit abkippenden Bewegungen Dynamik reinbringen und Gegner aus ihren Positionen ziehen.
Bayern muss das Spiel möglichst häufig in das Angriffsdrittel verlagern. Denn dort ist Hoffenheim anfällig. Die TSG fühlt sich weniger wohl, wenn sie über längere Zeit tief verteidigen muss und nicht in ihr aggressives Pressing und in ihre Umschaltsituationen kommt.
Für Bayern gibt es hier zwei Schlüssel:
Freilaufverhalten und Angebote für die Außenspieler sind ebenso wichtig wie die richtige Balance aus Tempo und Kontrolle im Ballvortrag. Hier haben die Bayern zuletzt etwas zu ungenau gespielt. In Phasen der Kontrolle fehlte ihnen der Zug zum Tor, in Phasen des Drucks kassierten sie zu viele Konter. Das war im Saisonverlauf schon mal besser.
Je weniger das eigene hohe Pressing und Gegenpressing notwendig sind, desto besser wird es für die Bayern sein, weil das bedeutet, dass man sich den Gegner zurechtlegen kann. Außerdem kann so die Energie für die wenigen Pressingmomente besser gebündelt werden. Hoffenheim hat mit 112,04 Ballverlusten pro 90 Minuten den zweithöchsten Wert der Liga, ist also durchaus anfällig bei Druck.
Das Spiel ist weit davon entfernt, vorentscheidend für die Meisterschaft zu sein. Aber es geht zumindest darum, die Konkurrenz nicht weiter hoffen zu lassen. Ein Sieg würde die Verhältnisse zunächst mal wieder klar rücken – ein deutlicher Sieg wäre zudem eine Bayern-typische Ansage, die es in der Vergangenheit in solchen Momenten oft gab. Doch Vorsicht ist geboten: Die TSG kommt nicht nur mit herausragender Form, sondern auch guten taktischen Ideen, die dem FCB richtig wehtun können.








































