MillernTon
·14 janvier 2026
VfL Wolfsburg vs. FC St. Pauli 2:1 – Unlucky Punch

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·14 janvier 2026

Aufgrund eines späten Gegentreffers verliert der FC St. Pauli ein ausgeglichenes Spiel in Wolfsburg, zeigte sich aber offensiv gefährlicher als zuletzt.(Titelfoto: Stuart Franklin/Getty Images/via OneFootball)
Den Start ins Fußballjahr 2026 hatte sich der FC St. Pauli sicher anders vorgestellt. Vor allem ergebnistechnisch. Denn die 1:2-Niederlage beim VfL Wolfsburg ist vor allem ärgerlich. Sie ist nicht zustandegekommen, weil Wolfsburg das bessere Team war. Nicht, weil der FCSP offensiv harmlos und defensiv anfällig war. Nein, der FC St. Pauli verlor diese Partie unglücklich, was aber eben auch bedeutet, dass man erneut mit leeren Händen dasteht.
Auf den Ausfall von Jackson Irvine reagierte der FC St. Pauli mit dem Vorziehen von Eric Smith. Der Vize-Kapitän des FCSP kam somit nach längerer Zeit mal wieder auf der Position zum Einsatz, auf der er nach eigener Aussage am liebsten spielt. Kurzfristig nicht mit im Kader war der laut Vereinsangaben angeschlagene Connor Metcalfe, den man auch als Irvine-Ersatz hätte erwarten können.
Dieser personelle Wechsel veränderte ein wenig die grundsätzliche Formation des FC St. Pauli: Zum Ende des Jahres 2025 agierte das Team mit dem Ball oft mit zwei Achtern (Fujita und Irvine). Nun war es eher eine Doppelsechs (Smith und Sands), die man auf dem Platz beobachten konnte. Fujita hielt seine Position weiter vorne im Mittelfeld konsequent, agierte im Pressing teilweise auch von der zentralen Offensivposition aus.
Der VfL Wolfsburg veränderte seine Startelf im Vergleich zum heftigen 1:8 beim FC Bayern München auf zwei Positionen: Kilian Fischer und Mattias Svanberg blieben auf der Bank, Aaron Zehnter und Yannick Gerhardt kamen stattdessen auf den Platz. An der Formation änderte sich nichts, Wolfsburg agierte in einem recht klaren 4-2-3-1 gegen den FCSP.
Man war ja schon einiges an offensiver Armut gewohnt vom FC St. Pauli in dieser Saison bei Auswärtsspielen. Der klare Fokus darauf, die Spiele erstmal mit einer vornehmlich defensiv ausgerichteten Haltung zu beginnen, sorgte in den Spielen vor Jahreswechsel dafür, dass das Team von Alexander Blessin zwar recht stabil gegen den Ball agierte, offensiv aber völlig harmlos blieb. Das war in Wolfsburg nicht der Fall, zumindest nicht durchgehend. Stattdessen starteten beide Teams recht intensiv und auch mit viel Tempo in ihre Offensivaktionen.
Die ersten Ausrufezeichen setzte zwar der VfL Wolfsburg, aber dem FC St. Pauli gelang es mit zunehmender Spieldauer immer besser, das 5-2-3 kompakt zu halten, ohne jedoch dauerhaft zu tief zu fallen. Die Wolfsburger Offensive zu kontrollieren, mag angesichts der Tabellensituation nicht allzu schwer erscheinen. Doch es ist wichtig zu betonen, dass der VfL zuletzt am 7. Spieltag ein Bundesligaspiel ohne eigenen Treffer beendete. Zum Leidwesen des FC St. Pauli hat diese Wolfsburger Tor-Serie auch jetzt nach Abpfiff noch Bestand. Doch der FCSP machte es dem Heimteam sehr schwer. Weil es ihm gelang, die Stärken der Wolfsburger nicht zur Geltung kommen zu lassen. Das klingt nach einer total abgedroschenen Fußball-Phrase, aber das Offensiv-Trio Eriksen-Majer-Wimmer muss man als gegnerisches Team auch erst einmal kontrollieren können.
Das gelang dem FC St. Pauli nicht in einem Maße, dass man nun voller Freude die Defensiv-Leistung in die Weltklasse schreiben müsste. Aber aus strukturierten Aufbausituationen klappte für den VfL wirklich wenig. Wenn es mal gefährlich wurde, dann meist als Produkt von Einzelaktionen. Lediglich über die rechte Seite des FCSP, an der Schnittstelle zwischen Pyrka und Dźwigała wurde es einige Male etwas kribbelig, weil die Abstimmung nicht so richtig passte (vielleicht hat dort auch Smith seine Finger mit im Spiel gehabt, das kann ich nicht genau sagen).
Mit Ball gelang dem FC St. Pauli mehr als in vielen Auswärtsspielen zuvor – das war jetzt nicht gerade eine Herkulesaufgabe, aber es ist wichtig, dass man das feststellt. Denkt mal bitte daran, wie wenig dem FCSP in den Spielen in Köln und Mainz gelang. Dieses Mal war da schon deutlich mehr, der FC St. Pauli erspielte sich einige Chancen, war offensiv präsent. Allerdings war es nach Blessins Geschmack noch zu wenig. Er monierte nach Abpfiff, dass man nach Ballgewinnen zu selten in die Verlagerung gekommen sei, zu sehr die Linie heruntergespielt habe. Trotzdem gelang es dem FC St. Pauli nicht nur, die Umschaltmomente etwas besser auszuspielen und somit öfter das letzte Drittel des Gegners zu erreichen, sondern das Team generierte auch wichtige Entlastungsmomente für die Defensivarbeit in Form von längeren Ballbesitzphasen.
Kurz nachdem der FC St. Pauli seine erste richtig gute Gelegenheit hatte – Pereira Lage ließ ein Geschoss los, welches im wahrsten Sinne des Wortes knapp am Wolfsburger Tor vorbeizischte – sorgte Wolfsburg dann aber leider dafür, dass sich das Spiel für einige Zeit auf eine Seite verschob. In Form des 1:0 nämlich. Eriksen traf per Elfmeter und darf sich nun als erst zweiter Spieler damit rühmen, in der Bundesliga so gegen Nikola Vasilj getroffen zu haben. (Auch der erste trug damals das Trikot des VfL Wolfsburg – Vasilj kann also alles. Außer Wolfsburg). Das Zustandekommen dieses Elfmeters ist dann sicher unglücklich, weil der Ball erst gegen die Hand von Hauke Wahl ging, nachdem er abgefälscht wurde. Aber die Hand von Wahl hat in dieser Position (abgespreizt vom Körper, wie man im fürchterlichen Schiedsrichter-Jargon sagt) im eigenen Strafraum leider auch nichts zu suchen. Selbst mit tief braun-weiß eingefärbter Brille muss ich da feststellen: Der Elfmeterpfiff ist unstrittig. Hätte es in einer solchen Situation mit vertauschten Rollen keinen Elfmeter für den FC St. Pauli gegeben, hätte ich vermutlich versucht, das bis zum internationalen Sportgerichtshof durchzuklagen.
Der Gegentreffer sorgte dann merklich dafür, dass der FC St. Pauli in alte Muster zurückfiel. Nach vorne ging nun erstmal gar nichts mehr und das ansonsten stabile 5-2-3 wackelte einige Male, das Team stand in den Momenten nach dem 0:1 viel zu tief und schien den Faden verloren zu haben. So wankte ein bis zum Gegentreffer eigentlich guter FC St. Pauli bedrohlich. Allerdings konnte der VfL Wolfsburg aus dieser Phase nichts herausholen – und musste rund zehn Minuten nach der Führung dabei zuschauen, wie sich die Gäste am eigenen Schopf wieder aus dieser Situation herauszogen.
Die folgende Szene als eine Art Erweckungserlebnis zu bezeichnen, ist schon etwas wild. Immerhin lag ich jaulend bäuchlings auf dem Boden vor dem Fernseher, Sekunden nachdem Jones den Ball am Wolfsburger Tor vorbeischob. Der FC St. Pauli hatte in der 35. Minute einen Umschaltmoment ziemlich gut ausgespielt. Pyrka bediente Fujita im Zentrum, der innerhalb kürzester Zeit Welt- und Kreisklasse unter einen Hut brachte, indem er erst zwei Wolfsburger Spieler kurz hintereinander tunnelte, dann aber beim versuchten Torschuss ein kräftiges Luftloch schlug. Doch Fujita blieb in dieser Szene „online“ (so beschreibt Blessin es immer, wenn Spieler sich nicht von Ereignissen ablenken lassen), spielte Sekundenbruchteile später einen Querpass wenige Meter vor das Wolfsburger Tor. Dort scheiterte Jones aus kurzer Distanz an VfL-Keeper Grabara. Der Ball prallte zurück zum FCSP-Angreifer, der dann reaktionsschnell zwar noch den zweiten Anschluss hinbekam, diesen aber leider neben das Tor setzte. Was ne Chance!
Der FC St. Pauli spielte in den zehn Minuten nach dieser Großchance ganz anders als in den zehn Minuten zuvor. Das Team war plötzlich klar am Drücker. Die Wolfsburger stellten ihre bis dahin oft hohen Pressingbemühungen nun nahezu ein, der FCSP war bis zur Pause Dauergast in der Wolfsburger Hälfte. Und diese Präsenz wurde belohnt: Sehr ballsicher agierte der FC St. Pauli auf der rechten Seite, Pereira Lage legte den Ball zurück zu Dźwigała, der direkt in den Strafraum zu Smith weiterleitete. Der fackelte nicht lange, sondern setzte direkt nach Ballannahme zum Torschuss an. Durch die Beine von VfL-Kapitän Arnold fand der Ball den Weg ins lange Eck des Wolfsburger Tores. Da sind wir sowas von back gewesen!

Ricky-Jade Jones scheiterte in der 35. Minute erst an Wolfsburgs Torhüter Grabara und schob den Nachschuss knapp am Tor vorbei. Trotzdem war diese Großchance eine Art Startschuss für eine richtig gute Phase des FC St. Pauli.
(Stuart Franklin/Getty Images/via OneFootball)
Und mit der gleichen Energie und den gleichen Kräfteverhältnissen startete auch die zweite Hälfte. Der VfL Wolfsburg fand nach Wiederanpfiff lange Zeit aus dem Spiel heraus offensiv nahezu gar nicht mehr statt. Stattdessen näherte sich der FC St. Pauli gleich dreimal in Person von Fujita dem Wolfsburger Tor an. Doch seine Versuche waren alle zu ungenau und entsprechend auch zu ungefährlich. Sowieso waren diese Szenen irgendwie symptomatisch für das FCSP-Spiel (und nicht jene, als Pereira Lage eine Flanke – oder sollte es ein Schuss sein? – völlig misslang): Auf Augenhöhe mit dem Gegner, aber wenn es dann offensiv mal kribbelig wurde, passte dann doch immer wieder was nicht.
Das Spiel wurde aber insgesamt zäher. Der FC St. Pauli vermochte es etwa ab Minute 70 nicht mehr, so druckvoll vor das Wolfsburger Tor zu kommen. Das Heimteam hingegen brachte insgesamt fünf frische Spieler hinein (der FCSP übrigens nur drei, aber wen hättet ihr zusätzlich eingewechselt?) – und da Wolfsburg eben eine recht tiefe Schatulle hat sind das dann so Spieler wie Paredes, Amoura und Daghim gewesen. Letzterer setzte dann auch das erste echte offensive Ausrufezeichen der Wolfsburger im zweiten Abschnitt, doch seinen Abschluss in der 75. Minute parierte Vasilj sicher.
Eine richtige Schlussoffensive startete Wolfsburg nicht. Komisch eigentlich, hätte man doch denken können, dass sie sich im Heimspiel gegen den FCSP etwas mehr vorgenommen hatten als ein Unentschieden. Es wirkte bis zur 88. Minute so, als wenn beide Teams nicht ins Risiko gehen wollten. Aus Sicht des FC St. Pauli durchaus okay, schließlich wäre ein Punktgewinn in Wolfsburg durchaus beachtenswert gewesen. Aber Konjunktiv… ich hasse dich!
Jedenfalls waren die Wolfsburger in der 88. Minute dann doch etwas glücklicher in ihren Aktionen und Entscheidungen als die Spieler des FC St. Pauli. Einen tiefen Pass von Pejcinovic fing Adam Dźwigała ab, er entschied sich aber dazu, diesen nicht bis an den Harzrand zu dreschen, sondern nur halbgar raus auf die linke Seite zu schieben. Dort nahm Daghim den Ball auf, dribbelte gegen Oppie erfolgreich an und flankte ins Zentrum, wo sich Pejcinovic am Fünfer zwar zwischen mehreren FCSP-Spielern befand, jedoch mutterseelenallein zum Kopfball hochsteigen durfte. Hauke Wahl erklärte später, dass er das Gefühl hatte, Pejcivonic habe sich den Ball an die Hand geköpft, doch der Treffer zählte und egal, ob Hand oder nicht, dieser Gegentreffer darf so natürlich nicht fallen. Vor allem nicht, nachdem der FC St. Pauli die Wolfsburger Offensive eigentlich ganz gut im Griff hatte.

Da war die Welt des FC St. Pauli in Wolfsburg noch in Ordnung: Eric Smith jubelt nach seinem Treffer zum 1:1.
(Stuart Franklin/Getty Images/via OneFootball)
Somit verliert der FC St. Pauli das Auswärtsspiel in Wolfsburg mit 1:2. Sicher nicht verdient, sicher unglücklich, aber null Punkte sind eben null Punkte. Entsprechend schmerzhaft ist der späte Gegentreffer. Doch bei all dem verständlichen Frust über die erneute Niederlage muss auch die Leistung des FC St. Pauli anerkannt werden. Denn wie würden wir dieses Spiel wohl ohne diese eine Szene in der 88. Minute bewerten? Fußball ist ein Ergebnissport, ja. Aber eben auch oft ein Produkt des Zufalls. Der FCSP hat in Wolfsburg ein Spiel gezeigt, welches völlig ohne Zweifel auch genau andersrum hätte enden können, hat Wolfsburg vor Probleme gestellt, zeigte, dass er in seinem 5-2-3 ganz ungemütlich für die Gegner ist – und zeigte eben auch endlich wieder mehr Offensivgefahr.
Ja, das ist alles nicht ausreichend, um nach Wolfsburg zu fahren und dort locker-flockig drei Punkte einzufahren. Es hat aber dazu gereicht, um gegen (allerdings auch alles andere als sattelfesten) Wolfsburger ein Spiel zu erzeugen, welches als „50/50“ eingruppiert werden kann. Das ist nicht überragend, aber es ist eben auch weit weg vom ersten Impuls, der sich in Form eines „WER SO EINE SCHEISSE SPIELT, STEIGT AB!!!“ Bahn bricht. Es ist doch viel eher so: Hätte der FC St. Pauli die gesamte Hinrunde über solche Leistungen zustande gebracht, wie am Mittwoch in Wolfsburg, dann wäre das Punktekonto sicher voller, als es jetzt ist. Konjunktiv… ich hasse dich!
Immer weiter vor!// Tim
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