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·18 mars 2026
VfL Wolfsburg: Wenn der Fußball nicht sich selbst gehört, sondern einem Krisenkonzern

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·18 mars 2026

Der VfL steht auf Platz 17, VW fährt das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren ein. Konzernchef Blume kündigt Prüfung des Klubs am Saisonende an.
Diego Benaglio kennt den VfL Wolfsburg wie kaum ein Zweiter. Neun Jahre im Tor, Meister 2009, Pokalsieger 2015 – und jetzt sitzt er im Aufsichtsrat eines Klubs, dem erstmals in seiner Geschichte der Abstieg aus der Bundesliga droht. Sein Satz in der Sport Bild klingt nach Beruhigung: „Der Fußball gehört zum Konzern." Doch genau dieser Satz offenbart das Problem. Denn wenn der Fußball zum Konzern gehört, dann gehört die Krise des Konzerns automatisch auch zum Fußball.
Die Fakten sind eindeutig. Der VfL steht nach 26 Spieltagen auf Platz 17 mit 21 Punkten, drei Niederlagen und zwei Unentschieden aus den letzten fünf Spielen. Gleichzeitig fährt die Volkswagen AG das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren ein: Der operative Gewinn brach 2025 um über 50 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro ein, das Konzernergebnis nach Steuern sackte um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro ab. Und VW-Chef Oliver Blume spricht öffentlich davon, auch beim VfL „Optimierungen anzugehen" und am Saisonende „alles auf den Prüfstand" zu stellen. Seien wir ehrlich: Das ist keine Beruhigung. Das ist eine Ansage.
Der VfL Wolfsburg ist eine hundertprozentige Tochter der Volkswagen AG. Es gibt keinen zweiten Bundesligisten, der so vollständig von einem einzigen Unternehmen abhängt. Der Aufsichtsrat wird von Konzernvertretern dominiert, der Vorsitzende Sebastian Rudolph ist zugleich VW-Kommunikationschef. Das bedeutet: Sportliche Entscheidungen und wirtschaftliche Konzerninteressen lassen sich in Wolfsburg nicht trennen – sie sind institutionell verschmolzen. Wenn Blume 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030 streichen will, davon 35.000 bei der Kernmarke, dann steht der Fußballklub nicht außerhalb dieser Logik. Er steht mittendrin.
Benaglio versucht, die Blume-Aussagen weich zu übersetzen. Er habe sie „so verstanden, dass man sich anschauen werde, was man besser machen kann". Das sei nach einer solchen Saison „normal und sehr verständlich". Und ja, sportlich gibt es durchaus Ansätze: Das 1:1 beim Tabellendritten Hoffenheim unter dem neuen Trainer Dieter Hecking war immerhin ein Punkt an einem Ort, an dem viele Teams leer ausgehen. Hecking, der den VfL in seiner ersten Amtszeit zur Vizemeisterschaft, zum Pokalsieg und zum Supercup führte, bringt Erfahrung und Ruhe mit. Die Frage ist nur, ob das reicht, wenn gleichzeitig der Konzern im Nacken sitzt.
Der Fall Wolfsburg zeigt exemplarisch, was passiert, wenn ein Fußballklub kein eigenständiges wirtschaftliches Fundament besitzt. Es gibt keine breite Mitgliederbasis, die Druck aufbauen könnte. Es gibt keine diversifizierte Einnahmestruktur, die Unabhängigkeit sichert. Es gibt nur den Konzern. Und der Konzern hat gerade andere Prioritäten. Benaglios Wagenburg-Mentalität – „jetzt erst recht" – mag den Spielern helfen. Aber eine Wagenburg schützt nicht vor dem eigenen Burgherrn.
Am Freitag empfängt Wolfsburg Werder Bremen, und die Mission Klassenerhalt geht in die entscheidende Phase. Dieter Hecking wird alles versuchen, den erstmaligen Abstieg zu verhindern. Doch selbst wenn das gelingt, bleibt die unbeantwortete Frage: Wer setzt in Wolfsburg die Prioritäten – der Sport oder die Bilanz eines Automobilherstellers, der selbst ums Überleben seiner alten Größe kämpft? Diego Benaglio sagt, der Fußball gehöre zum Konzern. Genau das ist das Problem: Er gehört nicht sich selbst.
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