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·20 mai 2026
War es absehbar? Warum F95 in die 3. Liga abgestürzt ist

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Was für ein Schock für die schillernde Rheinmetropole: Fortuna Düsseldorf spielt in der Saison 2026/27 nur noch drittklassig. Welche Fehlentscheidungen hat der Verein getroffen und was kann die 3. Liga demnächst erwarten? liga3-online.de blickt auf die Trümmer, die kurz nach dem Abstieg verbleiben – und was daraus mittelfristig wieder entstehen kann.
Kein Jahr vergeht in Düsseldorf ohne eine einschneidende sportliche Hiobsbotschaft. 2025 war es der erstmalige Abstieg der Düsseldorfer EG, einst Eishockey-Serienmeister, in die DEL 2 – die nur noch zweithöchste nationale Spielklasse. Noch heftiger aber wirkt das, was sich am vergangenen Sonntag in einem klassischen Herzschlagfinale am Fürther Ronhof ereignet hat: Fortuna Düsseldorf muss zurück in die 3. Liga. Zurück in die Liga, deren Gründungsmitglied 2008/09 sie war. Die Liga, von der die Fortuna hoffte, sie nach dem direkten Aufstieg im Mai 2009 nie mehr wiedersehen zu müssen. Die Liga, in der sie nach diesen 17 Jahren immer noch den Zuschauerrekord für eine einzelne Partie hält, als zum Aufstieg gegen Werder Bremen II 50.095 Besucher in die damalige "LTU-Arena" strömten.
Ist der Abstieg nun verdient oder eine Verkettung unglücklicher Umstände? Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen. Denn die 37 erzielten Punkte hätten in den vergangenen fünf Jahren immer für den direkten Klassenerhalt in der 2. Bundesliga genügt. Doch die Mängel waren ja unübersehbar: Wohl niemand hätte vorab darauf gesetzt, dass der Turn- und Sportverein mit 33 Saisontoren die schwächste Offensive stellen würde – und das, obwohl Cedric Itten mit seinen 15 Treffern zur Liga-Elite zählte. Zweitbester Scorer wurde Florent Muslija mit nur noch neun Torbeteiligungen. Dass sich der Kreativkopf fünf Spieltage vor dem Saisonende das Kreuzband riss, fiel wiederum klar in die Kategorie "Unglück". Doch es passte in eine Saison, in der die Krankenakte zuweilen erschreckende Dimensionen angenommen hatte: Julian Hettwer, Tim Rossmann, Christopher Lenz, Sotiris Alexandropoulos, Tim Breithaupt, Valgeir Lunddal & Kenneth Schmidt fehlten im Saisonverlauf monatelang.
Nicht erklärbar war aber, wie der nach Marktwerten immer noch achtteuerste Kader der 2. Bundesliga – der im Etat sicherlich im oberen Drittel anzusiedeln war – unter drei (!) Trainern seine Konstanz suchte. Der Start in die Saison: ein 1:5 bei Aufsteiger Bielefeld. Die Reaktion auf drei ungeschlagene Partien: ein 0:3 daheim gegen Darmstadt. (Damalige) Kellerklubs wie Braunschweig, Kiel und Düsseldorf freuten sich im Herbst über Punkte-Geschenke. Im Februar schien sich F95 freizuschwimmen, verlor dann aber prompt zwischen dem 26. und 30. Spieltag fünfmal in Folge und war spätestens dann mittendrin im Existenzkampf. Wuchtige Heimsiege über Dresden und Elversberg (jeweils 3:1) schienen das Momentum zu kippen. Dann kam Fürth. Dann kam die 7. Auswärtspleite im 9. Versuch des Kalenderjahrs, und mit ihr der endgültige Niedergang.
Der ersten Trainer-Freistellung, es traf Daniel Thioune, weinen am Flinger Broich heute noch so manche Fans hinterher. Dass sein Nachfolger Markus Anfang überhaupt nicht zu Fortuna passte und er mit 21 Punktspielen eher zu viel Zeit als zu wenig erhielt, darüber herrscht mehr Einigkeit. Es war die letzte umstrittene Entscheidung des Führungsduos Klaus Allofs (Sportvorstand) und Christian Weber (Sportdirektor), von denen sich die Fortuna im Dezember 2025 auch infolge eines verkorksten Transfersommers trennte. Nachfolger Sven Mislintat zauberte schließlich Alexander Ende kurz nach dessen Entlassung bei Schlusslicht Preußen Münster aus dem Hut. Unter ihm zeigte Düsseldorf schnell eine ansteigende Formkurve – jedenfalls bis zum Spiel in Fürth und einem blutleeren, fatal schwachen Auftritt, den auch Ende "so nicht kommen gesehen" hatte.
Es war der finale Beweis für die Selbstüberschätzung fast aller handelnden Hauptfiguren rund um Fortuna im Sportjahr 2025/26. Vielleicht hatte auch der sechste Platz in der Vorsaison 24/25 über eine dort schon erkennbare Abwärtsbewegung hinweggetäuscht – Düsseldorfer Spiele waren schon dort oft nur schwer zu ertragen, Effizienz kaschierte mangelnde Spielideen und eine blasse Mannschaft ohne echte Entscheidungsträger auf dem Platz. So aber setzte sich der Niedergang, der im Moment der Relegations-Niederlage gegen den VfL Bochum im Frühsommer 2024 begann, nahtlos fort. Und endete bezeichnenderweise genau wie damals: mit einem 0:3, mit dem Fortuna Düsseldorf eine hervorragende Ausgangsposition binnen 90 Minuten herschenkte.
Die Folgen des Abstiegs sind schon unmittelbar danach breit skizziert worden. Fortuna verliert rund 15 Millionen Euro an TV-Einnahmen, dazu mindestens ebenso hohe Ablösewerte für Spieler, bei denen man nie auf die Idee kam, ihnen überhaupt einen für die 3. Liga gültigen Vertrag anzubieten. Am größten dürften die Hoffnungen auf einen Verbleib bei den wenigen sein, die dem Klub langjährig verbunden sind – doch auch für Florian Kastenmeier oder Tim Oberdorf wird es kein leichter Schritt, zu Drittliga-Bezügen zu unterschreiben. Mitarbeiter werden gehen, der Neuaufbau beginnt fast bei null. Eine Situation, wie sie zuletzt Arminia Bielefeld 2023 nach dem Doppel-Absturz aus der Bundesliga vorfand, und um ein Haar direkt in die Regionalliga durchgereicht wurde.
Die Fortuna wird sich zumindest auf eine besondere Sponsorenkraft sowie seine Fans verlassen können, die einen Top-Etat garantieren. Überhaupt sind die Landeshauptstädter aus NRW wohl der schillerndste Vertreter, der sich jemals die Drittklassigkeit "antun" musste. Umso spannender wird die Frage nach der künftigen Kader-Zusammenstellung: Passt sich der Klub dem Drittliga-Profil an und setzt auf mehr Arbeiter als Feingeister, oder bleibt er seiner zuletzt erfolglosen Linie treu?
Trainer Alexander Ende soll trotz des Abstiegs die Chance erhalten, ein Team mit seiner Handschrift zu formen – ganz so, wie er es vergangenen Sommer bei Preußen Münster versuchte. Attraktiv und mit hohen Ballbesitzanteilen wird es also zugehen, es bahnt sich der nächste Versuch an, Verler Fußball zu kopieren. Das ist anspruchsvoll, erfordert Zeit zum Einspielen sowie Selbstvertrauen. Kurzum: All das, was Fortuna Düsseldorf derzeit nicht besitzt. Umso spannender wird schon der Saisonstart. Denn Fortuna, so viel ist absehbar, ist bis zum Beweis des Gegenteils Favorit Nummer eins.
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