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·8 avril 2026

Warum Fortuna Köln vor der Rückkehr in die 3. Liga steht

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Nicht nur viele Ehen zerbrechen im ominösen 7. Jahr, bei Fortuna Köln endet die – ungeliebte – Beziehung zur Regionalliga West. Zumindest, wenn im Endspurt nichts mehr schiefläuft. Warum sind die Südstädter in dieser Saison aufstiegsreif und warum könnte es zu einer in Deutschland einmaligen Konstellation kommen? liga3-online analysiert den Erfolg am Rhein.

Neun Punkte Vorsprung

Es gibt untrügliche Zeichen dafür, dass ein Aufstieg kaum mehr zu vermeiden ist. Ganz klassisch ist etwa, dass die Konkurrenz selbst dann mitspielt, wenn die eigenen Kräfte mal nicht abrufbar sind. Bei Fortuna Köln war dies am vergangenen Wochenende der Fall: Selbst wollte auswärts gegen den Drittliga-Absteiger Borussia Dortmund II einfach nichts gelingen, trotz 60-minütiger Überzahl unterlag der Tabellenführer mit 0:1, weil Innenverteidiger David Haider Al-Azzawe den gegnerischen Stürmer so unglücklich anschoss, dass der Ball direkt ins Netz abprallte.


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Doch die erste Niederlage nach fast acht (!) Monaten, und die zweite überhaupt während der laufenden Saison, hatte keine Folgen: Verfolger Rot-Weiß Oberhausen fing sich ein klares 0:3 beim SC Paderborn II ein, rangiert weiterhin neun Zähler hinter Köln (bei einem Spiel weniger). Auch das Torverhältnis ist längst pro Fortuna entschieden. Keiner trifft öfter, keiner kassiert weniger – so kann der logische Aufsteiger eigentlich nur Fortuna Köln heißen.

Sieben Jahre vergehen schnell, vieles hat sich in der 3. Liga verändert. Wie war das damals eigentlich nochmal mit dem SC Fortuna? Fünf Jahre dauerte die erste Stippvisite, die im Jahr 2014 startete und 2019 endete. Noch höher kickten die Rheinländer zuletzt im Jahr 2000, waren zuvor stolze 26 Jahre lang Zweitliga-Teilnehmer und 1973/74 sogar für ein Jahr Bundesligist. Die Drittliga-Zeit war dabei maßgeblich vom Wirken einer heute noch gern im Südstadion gesehenen Person geprägt:

Uwe Koschinat leitete die Mannschaft zwischen 2011 und 2018 für fast 300 Pflichtspiele, führte die Fortuna auf dem Höhepunkt seines dortigen Schaffens im Herbst 2017 phasenweise bis auf einen Zweitliga-Aufstiegsplatz – Platz 8 bedeutete in jener Saison die beste Platzierung. Seinen plötzlichen Abgang zum SV Sandhausen im Herbst 2018 verkraftete Fortuna nicht: Unter seinen Nachfolger Tomasz Kaczmarek und Oliver Zapel stürzte Köln von Platz 11 auf 19 und stieg vorzeitig in die Regionalliga ab.

Aus Cauly und Dahmani werden Garcia und Wirtz

Während Koschinat auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr zugunsten eines Zweitliga-Aufstiegs seines aktuellen Arbeitgebers Rot-Weiss Essen sicherlich gerne verzichten würde, sind auch die prägenden Spieler jener Zeit mittlerweile in ganz anderen Gefilden. Das damalige 19-jährige Talent Cauly Oliveira Souza, das in Köln voll durchstartete und anschließend zum MSV Duisburg wechselte, ist mittlerweile 30 Jahre alt und spielt in seinem Heimatland Brasilien für den FC Sao Paulo (Marktwert: 4 Millionen Euro).

Offensiv-Dauerbrenner Hamdi Dahmani, dazumal gefürchtet von fast allen Drittliga-Defensiven, hat seine Karriere derweil in der 2. Mannschaft der Kölner ausklingen lassen und die Fußballschuhe im Sommer 2024 an den Nagel gehangen, während der frühere Kapitän Daniel Flottmann regelmäßig am Mikrofon von "MagentaSport" zu sehen ist.

Noch nicht am Zenit ihrer Karriere, aber ebenso erfahren sind viele der aktuellen Unterschiedsmacher im Kader: Rafael Garcia (32) ist absolutes Regionalliga-Urgestein mit Drittliga-Vergangenheit beim SV Waldhof, steht bei 17 Scorerpunkten – davon 14 Vorlagen. Auch Stürmer Enzo Wirtz (30/259 RL-Spiele) kennt die West-Staffel bestens, spielt mit zwölf Treffern sowie acht Vorlagen die Saison seines Lebens. Ex-Stuttgarter Hamadi Al-Ghaddioui, Jonas Michelbrink (früher Duisburg) und Tom Geerkens (früher Bielefeld) bringen weitere höherklassige Erfahrung mit, ansonsten definiert sich das Team von Trainer Matthias Mink primär über reichlich Expertise aus der Regionalliga West.

Urgestein Mink und Führungstalent Müller sind das Erfolgsduo

Mink selbst ist bereits seit März 2024 Coach in Köln-Zollstock, der seither erlangte Punkteschnitt von 1,9 in allen Pflichtspielen kann sich sehen lassen. Dabei war sein eigentlicher Auftrag ein anderer: Schon 2022 kam der heute 58-Jährige, um eigentlich die 2. Mannschaft zu trainieren. Wenige Monate darauf wurde er zum Sportlichen Leiter berufen, eine Rolle, die er heute noch in Personalunion mit dem Traineramt betreut. "Ein Fortune durch und durch, das spürt man jeden Tag", sagt Geschäftsführer Niklas Müller – nicht zuletzt, weil Mink bereits als Spieler (1992-1999) sowie in einer vorherigen Trainer-Amtsperiode (2007-2011) viel positiven Eindruck hinterlassen hatte.

Noch bedeutend ungewöhnlicher als die erfolgreiche Rückkehr Minks ist dabei die Geschäftsführer-Personalie Müller, und das aus einfachem Grund: Der erst 29-jährige Müller könnte problemlos der Sohn des Trainers sein. Die Fäden zieht er bei Fortuna Köln, seit er 27 ist – das Ergebnis eines rasanten Aufstiegs, der mit einem simplen Praktikum begonnen hatte. Sein erster Stadionbesuch in Köln führt ihn dabei im Spätsommer 2017 sogar in den Gästeblock:

Der langjährige Dauerkarten-Inhaber des Karlsruher SC sah eine derbe 0:4-Niederlage "seines" KSC, kommt über Kontakte mit einem Spielerberater zum ehemaligen Investor Michael Schwetje. Der Student der Wirtschaftswissenschaften hospitiert unentgeltlich, jobbt nebenbei als Lieferdienst durch Köln, absolviert ein Auslandsjahr in Melbourne und erhält just dort den Anruf, in Köln werde eine Stelle frei – so skizzierte es die "Kölnische Rundschau". Eine Geschichte wie ein Märchen, und ein Ticket für höhere Ambitionen im Profifußball. Noch aber darf sich die Fortuna glücklich schätzen, dieses Talent in ihren Reihen zu wissen.

Sehnsucht nach mehr Fans – und einem innerstädtischen Derby

Viel Neues wird der geneigte Drittliga-Fan bei einer Reise nach Köln unterdessen nicht spüren: Das Südstadion pflegt seinen Charme, was nichts anderes bedeutet, als dass es immer noch größtenteils nicht überdacht, weitläufig und eher zugig ist. Immerhin: Die Zuschauerzahlen bewegen sich auch in der Regionalliga immer öfter an der Schwelle von 3.000 Fans – das entspricht dem Zulauf aus Drittliga-Zeiten. Es ist gleichwohl bei einer Kapazität von fast 15.000 Plätzen noch weit weg von einem Hexenkessel, der Gegnern das Fürchten lehrt.

Allemal gut gefüllt dürfte das Stadion beim ersten Kölner Stadtteil-Derby auf nationaler Liga-Ebene werden: Die linksrheinische Fortuna steht bereit, der rechtsrheinischen Viktoria den Status als städtische Nr. 2 streitig zu machen. Einen Vorgeschmack dafür gibt es bereits am 23. Mai, wenn sich die beiden Rivalen im Mittelrheinpokalfinale begegnen. Bis dahin hat Fortuna Köln noch sechs Spieltage Zeit, den Aufstieg zu besiegeln.

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