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·22 février 2026
Wenn sogar der Gegner den Elfmeter zugibt, hat der VAR ein Problem

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·22 février 2026

Beim 2:2 zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund bleibt ein möglicher Elfmeter an Adeyemi in der 89. Minute ungeahndet. Selbst Leipzigs Baumgartner räumt ein Foul ein.
Niko Kovac greift tief in die Trickkiste seiner Vergangenheit, um eine Schiedsrichterentscheidung zu erklären. Innensichel, Außensichel – der frühere Judoka weiß, wovon er spricht, wenn ein Gegenspieler den Fuß so platziert, dass der Stürmer fallen muss. Ich finde diese Bildsprache erfrischend ehrlich, weil sie das Problem auf den Punkt bringt: Karim Adeyemi wurde in der 89. Minute im Strafraum zu Fall gebracht, Schiedsrichter Benjamin Brand pfiff nicht, der VAR schwieg. Eine Szene, die das Spiel, das 2:2 bei RB Leipzig, hätte drehen können.
Was mich an diesem Fall beschäftigt, ist nicht die Frage, ob Kovac recht hat. Natürlich vertritt ein Trainer in Diensten von Borussia Dortmund die Interessen seines Klubs. Interessanter ist, dass selbst Christoph Baumgartner, der an diesem Abend beide Leipziger Tore erzielt hatte, einräumte: Mit gelbem Trikot würde er sich beschweren, für ihn sei es ein Elfmeter gewesen. Wenn der gegnerische Torschütze so offen spricht, dann stimmt etwas nicht mit der Entscheidungsfindung an diesem Abend.
Sebastian Kehl verwies auf die Hintertorkamera, die gezeigt habe, dass Castello Lukeba den Ball nicht berührt habe. Die Frage drängt sich auf: Wozu existiert der Videoassistent, wenn er in solchen Momenten nicht eingreift? Kovac selbst nahm den Feldschiedsrichter in Schutz – in der Geschwindigkeit, aus seiner Position, könne man das vielleicht nicht sehen. Aber genau dafür wurde der VAR eingeführt. Genau für diese Situationen, in denen das menschliche Auge an seine Grenzen stößt.
Das Remis in Leipzig kostet Dortmund mehr als zwei Punkte. Der Rückstand auf Bayern München beträgt nun acht Zähler. Am kommenden Wochenende treffen beide Teams direkt aufeinander. Kehl will davon noch nichts hören, er richtet den Blick auf das Champions-League-Rückspiel gegen Atalanta Bergamo. Verständlich, denn nach einem 2:0-Vorsprung sollte sich niemand in Sicherheit wiegen.
Doch ich sehe das größere Bild: Der BVB kämpft an mehreren Fronten, und jede strittige Entscheidung wiegt schwerer, wenn die Abstände an der Tabellenspitze so gering sind. Ein Elfmeter in der 89. Minute hätte aus einem Remis einen Sieg machen können. Hätte, könnte, würde – das sind die Konjunktive, die Trainer und Sportdirektoren in den Wahnsinn treiben.
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob der VAR versagt hat. Die Frage lautet, ob ein System, das für Klarheit sorgen sollte, nicht längst selbst zum Problem geworden ist. Wenn alle Beteiligten – Trainer, Sportdirektor, sogar der gegnerische Torschütze – eine Szene gleich bewerten, der Videoassistent aber schweigt, dann funktioniert etwas Grundsätzliches nicht. Dortmund muss jetzt mit acht Punkten Rückstand in den Gipfel gegen Bayern gehen. Ob das gerecht ist, wird niemand mehr klären. Aber ob der VAR seinen Zweck erfüllt, diese Debatte muss geführt werden.
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