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·30 juin 2026
WM 2026 heute: 1011 Tage Nagelsmann – die Chronologie bis zum WM-Aus gegen Paraguay

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·30 juin 2026

1011 Tage im Amt, zwei missglückte Turniere und am Ende das nächste deutsche Endrunden-Drama bei der WM 2026: Julian Nagelsmann erlebt mit dem 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay im WM-Sechzehntelfinale den bitteren Tiefpunkt seiner bislang prägenden DFB-Zeit. Was im September 2023 als ambitioniertes Projekt für die Heim-EM begann, endet in einem krachenden Scheitern.

Neuer Deutscher Bundestrainer: Julian Nagelsmann (Copyright depositphotos.com / vitaliivitleo)
Am 22. September 2023 präsentierte der Deutsche Fußball-Bund den damals jüngsten Bundestrainer seit Otto Nerz im Jahr 1926 als Nachfolger von Hansi Flick und erklärte ihn zum Wunschkandidaten. DFB-Sportchef Rudi Völler, der sich schnell zu Nagelsmanns wichtigstem Verbündeten entwickelte, lobte dessen Feuer für den Fußball als ansteckend. Der Auftrag war klar: Der Titel bei der Heim-EM 2024, der Vertrag lief bis dahin.

Lincoln Financial Field in Philadelphia – hier spielt Deutschland gegen Mexiko am 18.10.2023 (Copyright depositphotos.com)
Nur zwei Wochen später, am 6. Oktober 2023, stellte Nagelsmann für die USA-Reise erstmals einen DFB-Kader zusammen. Mit Bernd Leno, Neuling Kevin Behrens und Niklas Süle ging es in seine Premiere, die mit 3:1 gegen die USA erfolgreich verlief. Auch das 2:2 gegen Mexiko wurde positiv aufgenommen. Nagelsmann sprach anschließend davon, dass er noch keine Mannschaft trainiert habe, die innerhalb einer Woche so viele Dinge umgesetzt habe, und sagte, er glaube zu 100 Prozent an den EM-Erfolg.
Die Euphorie bekam am 21. November 2023 einen Dämpfer. Auf das 2:3 gegen die Türkei folgte ein 0:2 in Wien gegen Österreich. Nagelsmann experimentierte mit Kai Havertz als Linksverteidiger und zog ernüchtert das Fazit: „Wir werden bis Sommer nicht zu Verteidigungsmonstern.“ Zudem fehlten ihm die „Worker“.

Der slowenische Schiedsrichter Slavko Vincic zeigt dem deutschen Mittelfeldspieler Leroy Sane (Nr. 19) während des Fußball-Länderspiels zwischen Österreich und Deutschland in Wien, Österreich, am 21. November 2023 die Rote Karte. (Foto: Joe Klamar / AFP)
Am 14. März 2024 suchte der Bundestrainer nach einem starken Impuls für den Heimturnier-Sommer und fand Toni Kroos. Er holte den Regisseur aus dem DFB-Ruhestand zurück und schickte zugleich Stars wie Mats Hummels, Niklas Süle, Leon Goretzka oder Serge Gnabry zumindest vorübergehend in die Nationalmannschaftsrente. „Der Reiz des Neuen muss da sein“, sagte Nagelsmann, und die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Siege gegen Frankreich mit 2:0 und die Niederlande mit 2:1 zündeten die Fans an.

Deutschlands Mittelfeldspieler (Nr. 08) Toni Kroos (CR) und Frankreichs Stürmer (Nr. 11) Ousmane Dembele (CL) kämpfen um den Ball während des Freundschaftsspiels zwischen Frankreich und Deutschland im Groupama-Stadion in Decines-Charpieu, in der Nähe von Lyon, am 23. März 2024. (Foto: FRANCK FIFE / AFP)
Der Start in die Heim-EM am 14. Juni 2024 ließ ganz Deutschland träumen. Mit einem 5:1 gegen Schottland schoss die DFB-Elf das Eröffnungsspiel in der Münchner Arena deutlich nach Hause. Nagelsmann sprach begeistert davon, dass es super viel Spaß mit der Truppe mache.
Am 5. Juli 2024 folgte jedoch der Nackenschlag. Für das Viertelfinale gegen Spanien veränderte Nagelsmann ohne echte Not die erfolgreiche Startelf, was sich als Fehler erwies. Trotzdem brachte sein Team den späteren Europameister an den Rand einer Niederlage, doch auch die Hand von Marc Cucurella zerstörte den Titeltraum. Nagelsmann sagte danach: „Das tut weh. Und, dass man zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird, das tut auch weh.“ Tags darauf gab er sich mit seiner „Nachbarn“- und „Heckenscheren“-Rede staatsmännisch und hielt die Nation weiter hinter sich.

Der spanische Verteidiger Marc Cucurella (Nr. 24) blockiert einen Schuss des deutschen Mittelfeldspielers Jamal Musiala (Nr. 10) mit der Hand während des Viertelfinalspiels der UEFA Euro 2024 zwischen Spanien und Deutschland in der Stuttgarter Arena am 5. Juli 2024. (Foto: THOMAS KIENZLE / AFP)
Trotz der Enttäuschung bei der Heim-EM 2024 blieb die Aufbruchsstimmung zunächst erhalten. Nagelsmann verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis zur EM 2028, der DFB setzte den eingeschlagenen Weg konsequent fort und auch die Ergebnisse schienen den Kurs zunächst zu bestätigen.
Am 20. März 2025 führte die als Gruppensieger auftretende Nagelsmann-Elf ihre Euphorie in das Viertelfinale der Nations League und schlug den Erzrivalen Italien in Mailand mit 2:1. Das Rückspiel wurde zwar mit 3:3 wild, doch die Hoffnung auf ein Mini-Sommermärchen beim Final Four im Sommer war groß. Kapitän Joshua Kimmich, dessen neu formierte Mannschaft nach den Rücktritten von Manuel Neuer, Toni Kroos, Ilkay Gündogan und Thomas Müller auftrat, nannte den Auftritt „sehr sexy“.
Am 8. Juni 2025 brachte Nagelsmann mit seltsamen Wechseln beim 1:2 gegen Portugal einen Bruch ins Spiel, und das Träumchen vom Titelchen endete wenige Tage später gegen Frankreich mit 0:2 im Spiel um Platz drei in enttäuschender Atmosphäre. Die Bild titelte: „Hilfe, jetzt große Sorgen um unsere WM“.

MÜNCHEN, DEUTSCHLAND – 4. JUNI 2025: Felix Nmecha, Bruno Fernandes – Das Halbfinalspiel der UEFA Nations League 2025 zwischen Deutschland und Portugal in der Allianz Arena. AFP
Am 4. September 2025 begann die Qualifikation mit einem Fehlstart. In Bratislava verlor Deutschland gegen die Slowakei mit 0:2 und kassierte erstmals überhaupt eine Auswärtsniederlage in einem Ausscheidungsspiel zum Weltturnier. Nagelsmann ärgerte sich öffentlich: „Ich kann dieses ewige ‚Qualität, Qualität‘ nicht mehr hören. Wir müssen emotional Fußball spielen! In jedem Spiel!“
Am 17. November 2025 gab es dann doch noch den großen Befreiungsschlag. Ein berauschendes 6:0 gegen die Slowakei in Leipzig sicherte das WM-Ticket. Kimmich, wieder auf die rechte Abwehrseite versetzt und mit schmerzendem Knöchel unterwegs, war der Vorkämpfer, Assan Ouédraogo feierte ein Traum-Debüt, und sogar Leroy Sané überzeugte. Nagelsmann erklärte danach: „Der Geist ist sehr gut.“

Der deutsche Verteidiger Ridle Baku (2. von rechts) feiert mit seinen Teamkollegen das 5:0 seiner Mannschaft während des Fußballspiels der Gruppe A der FIFA-WM-Qualifikation 2026 zwischen Deutschland und der Slowakei am 17. November 2025 in Leipzig, Ostdeutschland. (Foto: Odd ANDERSEN / AFP)
Am 1. März 2026 stellte der Bundestrainer in einem ausführlichen kicker-Interview seinen WM-Plan vor, löste mit unnötiger Einzelkritik aber zahlreiche Irritationen aus und musste später mehrere seiner Ansagen zurücknehmen. Der Eindruck verfestigte sich, dass er seinen Kompass verloren hatte und plötzlich erratisch kommunizierte.
Auch am 30. März 2026 setzte sich dieses Bild fort. Nach dem 4:3 gegen die Schweiz mit viel Wirtz-Zauber gewann die Elf um die neue Nummer 1 Oliver Baumann auch gegen Ghana mit 2:1, doch die Diskussion drehte sich vor allem um Deniz Undav. Nagelsmann äußerte sich unglücklich und entschuldigte sich später auf Anraten seiner Frau Lena beim Stuttgarter. Hinzu kam, dass er den verlässlichen Baumann vor dem Turnier zur „Weltklasse-1b-Lösung“ herabstufte und Manuel Neuer zurückholte.

Leroy Sané bejubelt mit seinen Teamkollegen den Treffer zum 2:0 für die deutsche Nationalmannschaft beim Länderspiel gegen die USA im Soldier Field in Chicago am 6. Juni 2026. Der Offensivspieler dreht sich zu seinen Mitspielern um, während Tom Brown (Nummer 18), Florian Wirtz (Nummer 17) und ein weiterer Akteur die Szene feiern. (Copyright AFP/Alexander Hassenstein)
Am 29. Juni 2026 startete Deutschland in Houston mit einem federleichten 7:1 gegen Curacao so stark, wie es sich alle erhofft hatten. Nach dem Undav-Märchen beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste lebte erneut die Sehnsucht nach einem goldenen Turniersommer. Doch gegen die knochenharten Paraguayer kam das Aus abrupt. Der Traum vom fünften Stern blieb letztlich nur eine Utopie, und auch Nagelsmanns Zukunft stand am Ende wieder infrage.

Aus der Vogelperspektive stehen sich die Mannschaften von Paraguay (dunkle Trikots) und Deutschland (weiße Trikots) während des Elfmeterschießens am Mittelkreis gegenüber. Aufgenommen im Sechzehntelfinale der WM 2026 zwischen Deutschland und Paraguay im Boston Stadium in Foxborough am 29. Juni 2026. (Darrian Traynor / Getty Images)







































