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·12 Mei 2026
Antonio Rüdiger als Vizekapitän: Almuth Schult zweifelt laut an Nagelsmanns Wahl

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Almuth Schult hält Antonio Rüdiger als Vizekapitän für fehlbesetzt und stellt auch Nagelsmanns Kommunikation vor der WM infrage.
Almuth Schult hat in einem Interview mit der Plattform Web.de News ausgesprochen, was in den vergangenen Monaten unter der Oberfläche schwelte: Antonio Rüdiger passt aus ihrer Sicht nicht in die Rolle des Vizekapitäns der Nationalmannschaft. Die 35-Jährige, Olympiasiegerin von 2016, beschreibt ihn als „emotionalen Leader, aber aus meiner Sicht teilweise drüber und in manchen Situationen auch unfair". Der Satz ist knapp, aber er trifft den Kern der Debatte, die sich um den 33-Jährigen seit längerem zieht. Ein Führungsspieler, sagt Schult, müsse ein Vorbild sein und die Richtung vorgeben.
Man kann diese Haltung teilen oder nicht, aber sie ist in sich schlüssig. Die Binde am Arm des Stellvertreters ist keine Belohnung für Erfahrung oder Marktwert, sondern eine Zuschreibung von Verantwortung. Wer sie trägt, wird in schwierigen Momenten zur Referenz für die Jüngeren im Kader. Schult geht sogar einen Schritt weiter: Julian Nagelsmann hätte in der Vergangenheit mitunter auf eine Berufung Rüdigers verzichten können. Die Summe der Auffälligkeiten, so ihr Argument, hätte Anlass sein können, ihn auch einmal nicht zu nominieren.
Dass diese Debatte ausgerechnet jetzt Fahrt aufnimmt, liegt an einer sportlichen Entscheidung Nagelsmanns. Mit Blick auf die WM in den USA, Mexiko und Kanada, die vom 11. Juni bis 19. Juli ausgetragen wird, hat der Bundestrainer Rüdiger zuletzt zum ersten Ersatzmann in der Innenverteidigung degradiert. Vor ihm stehen Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck. Das ist, sportlich gelesen, eine Rangordnung. Politisch gelesen ist es ein Signal, das die Frage nach der Vizekapitänsrolle unweigerlich neu aufwirft: Wie trägt man eine Binde, die symbolisch Führung meint, wenn man in der Startelf nicht mehr gesetzt ist?
Schult bleibt dabei nicht bei Rüdiger stehen. Sie sieht auch bei Nagelsmann Entwicklungspotenzial, und zwar in der Kommunikation. „Es kommt vor, dass er Argumente für einen Spieler anführt, die er wenige Wochen oder Monate später in ähnlicher Form gegen denselben oder einen anderen Spieler verwendet. Das ist von außen nicht immer komplett nachvollziehbar", sagt die langjährige Keeperin des VfL Wolfsburg. Das ist ein substantieller Vorwurf, weil er nicht auf einzelne Personalien zielt, sondern auf die Logik, mit der dieser Bundestrainer seine Entscheidungen nach außen verkauft. Wer widersprüchlich begründet, verliert irgendwann die Deutungshoheit über den eigenen Kader.
Dass Schult bei all der Kritik differenziert, spricht für die Qualität ihrer Wortmeldung. Sie lobt, dass Nagelsmann sich bei Deniz Undav entschuldigt hat, nachdem er den Stürmer trotz eines Treffers beim Länderspiel gegen Ghana Ende März öffentlich kritisiert hatte. „Ich finde es grundsätzlich gut, dass Julian Nagelsmann bereit ist, Dinge noch einmal aufzuarbeiten", sagt sie. Das ist die Tonlage, die solche Debatten brauchen: Widerspruch benennen, aber auch anerkennen, wenn jemand zurückrudert.
Bleibt der nüchterne Befund. Ein Vizekapitän, der sportlich zur Nummer drei der Innenverteidigung geworden ist, und ein Bundestrainer, dessen Begründungen sich nicht immer zueinander fügen: Das ist ein halbes Jahr vor einer WM eine Konstellation, die Fragen offenhält. Schult hat sie gestellt. Beantworten müssen sie andere.







































