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·6 April 2026

Borussia Mönchengladbach: Wie Eugen Polanski vom Interimstrainer zum Chefcoach wurde

Gambar artikel:Borussia Mönchengladbach: Wie Eugen Polanski vom Interimstrainer zum Chefcoach wurde

Nach Seoanes Entlassung im September 2025 übernahm Ex-U23-Trainer Polanski. Drei Siege im November sicherten ihm einen Vertrag bis 2028 – Gladbach kämpft weiter gegen den Abstieg.

Als Borussia Mönchengladbach am 15. September 2025 Gerardo Seoane entließ – nach nur drei Spieltagen, der schnellsten Trainerentlassung der Vereinsgeschichte –, übernahm ein Mann, der den Klub seit seinem achten Lebensjahr kennt. Eugen Polanski, bis dahin U23-Trainer, rückte ins Borussia-Mönchengladbach-Trainerteam auf, zunächst „bis auf Weiteres". Was als Notlösung begann, wurde zu einer Geschichte über Identität, Krise und die Frage, ob ein Verein sich aus sich selbst heraus erneuern kann.


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Sieben Monate später, Anfang April 2026, steht Gladbach mit 30 Punkten auf Rang 13. Das Polster auf die Abstiegsränge beträgt sechs Zähler. „Wir wissen, dass wir um den Klassenerhalt spielen, schon die ganze Zeit", sagte Polanski nach dem 2:2 gegen Schlusslicht Heidenheim vor 52.129 Zuschauern im Borussia-Park. Die Lage ist stabil genug zum Überleben, zu instabil für Entwarnung.

Was ist bei Borussia Mönchengladbach passiert und welche Rolle spielt Eugen Polanski?

Der Saisonstart 2025/26 unter Gerardo Seoane war desaströs. Ein Punkt, null Tore, Tabellenplatz 16 – schlechter war Gladbach in 58 Jahren Bundesliga nur 2015/16 gestartet. Saisonübergreifend zählte der Klub zehn Ligaspiele ohne Sieg. Geschäftsführer Sport Roland Virkus formulierte es nüchtern: „Nach nun saisonübergreifend zehn Bundesligaspielen ohne Sieg ist bei uns der Glaube geschwunden, dass der Umschwung mit Gerardo gelingen kann." Hinter der Formulierung stand laut „Bild" ein tieferer Riss: Seoane habe Teile des Kaders gegen sich gehabt, seine Kommunikation sei als karg empfunden worden, das Leistungsprinzip habe aus Sicht vieler Profis nicht gegolten.

Polanski übernahm am 16. September 2025. Sein erstes Spiel: ein 1:1 bei Bayer Leverkusen, Gladbachs erstes Saisontor durch Haris Tabaković per Elfmeter in der 93. Minute. Es folgte ein 4:6 gegen Eintracht Frankfurt nach 0:6-Rückstand – ein Katastrophen-Auftritt, der wiederum den Rücktritt von Virkus beschleunigte. Der Geschäftsführer Sport legte am 30. September sein Amt nieder. „Ich habe immer gesagt, dass der Verein über allem steht", sagte Virkus zum Abschied.

Fünf Spiele ohne Sieg unter Polanski, ein kopfloser Verein ohne Sportchef – die Lage wirkte ausweglos. Dann kam Rouven Schröder. Am 14. Oktober 2025 stellte Gladbach den 49-Jährigen als neuen „Head of Sport" vor, abgeworben von RB Salzburg gegen eine Ablösesumme. CEO Stefan Stegemann begründete die Wahl mit Schröders „kommunikativen Fähigkeiten" und seiner Erfahrung. Schröder war der erste Sportdirektor seit 17 Jahren, der nicht aus dem eigenen Haus kam.

Die Wende kam im November. Polanski gewann sein sechstes Spiel als Trainer mit 4:0 gegen St. Pauli, es folgten ein 3:1 gegen Holstein Kiel und ein 3:1 im Rheinderby gegen den 1. FC Köln. Drei Siege in Serie, Platz 12 nach neun Spieltagen, Abstiegszone verlassen. Am 18. November 2025 unterschrieb Polanski einen Vertrag bis 2028. „Being head coach at Borussia gives me immense pleasure and fills me with pride", sagte er bei der Bekanntgabe.

Wer ist Eugen Polanski – Karriere, Trainerweg und Profil?

Bogusław Eugeniusz Polański, geboren am 17. März 1986 im polnischen Sosnowiec, kam als Kleinkind nach Deutschland. Mit acht Jahren trat er in die Jugendabteilung von Borussia Mönchengladbach ein. Am 12. Februar 2005 debütierte er in der Bundesliga für den Klub, der ihn ausgebildet hatte. Es war der Beginn einer Profikarriere, die 254 Bundesligaspiele und 14 Tore umfassen sollte – verteilt auf zwölf Saisons bei Gladbach, Mainz 05 und 1899 Hoffenheim.

Nach seinem Vertragsende bei Gladbach im Juni 2008 wechselte Polanski in die La Liga zu Getafe, wo er eine Saison lang Stammspieler war. Im Juni 2009 folgte eine Leihe zu Mainz 05, die in einen festen Transfer mündete. Am 25. Januar 2013 ging er zu Hoffenheim. Als defensiver Mittelfeldspieler war Polanski kein Spektakel-Fußballer, sondern ein Spieler, der Räume las, Bälle eroberte und die Struktur einer Mannschaft zusammenhielt.

International entschied sich Polanski, der als Jugendlicher für Deutschland gespielt hatte, für die polnische Nationalmannschaft. Bei der UEFA Euro 2012, dem Heimturnier Polens, stand er in drei Gruppenphasenspielen auf dem Platz. Das Turnier endete mit dem Ausscheiden nach der Vorrunde.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn kehrte Polanski als Trainer zu Borussia Mönchengladbach zurück und übernahm die U23. Der Weg vom Jugendspieler über den Profi zum Nachwuchstrainer und schließlich zum Cheftrainer desselben Vereins ist im deutschen Profifußball selten. Polanski war 39 Jahre alt, als er den Vertrag bis 2028 unterschrieb. Er kannte die Strukturen des Klubs, die Trainingsplätze, die Abläufe – er kannte den Verein von innen. Genau das war nach den Turbulenzen des Herbstes 2025 ein Argument für seine Beförderung.

Schröder bestätigte das indirekt bei der Vertragsverlängerung: Die Gespräche seien „offen, konstruktiv und wertschätzend" verlaufen. Polanski selbst machte kein Geheimnis daraus, was ihm der Job bedeute. „I have never made a secret of what this job at my home club means to me", sagte er. Diese emotionale Bindung ist ein Faktor, kein Urteil – sie kann tragen oder belasten.

Warum setzt Gladbach auf einen Umbruch im Trainerteam und was steckt strukturell dahinter?

Die Entlassung Seoanes war kein isolierter Akt, sondern der Auftakt zu einer Kettenreaktion, die den gesamten sportlichen Führungsapparat des Vereins erfasste. Innerhalb von vier Wochen verlor Gladbach seinen Cheftrainer und seinen Geschäftsführer Sport. Der Umbau im Trainerteam war damit kein geplanter Prozess, sondern eine erzwungene Neuaufstellung unter Druck.

Die Zahlen unter Seoane liefern den Hintergrund. In 71 Ligaspielen erreichte der Schweizer einen Punkteschnitt von 1,13 – zu wenig für einen Verein, der sich nach der ersehnten Europacup-Teilnahme streckte. Seine Premierensaison endete auf Platz 14, die zweite auf Rang 10. Von einem Aufwärtstrend ließ sich nur mit viel gutem Willen sprechen. Der Saisonstart 2025/26 mit null Toren in drei Spielen machte die Erosion sichtbar. Seoane selbst sagte rückblickend: „Bei Gladbach kam es ziemlich überraschend für mich. So früh in der Meisterschaft."

Unter Virkus hatte Gladbach dreimal den zehnten Tabellenplatz belegt und einmal Rang 14. Der Geschäftsführer Sport war seit Jahren in der Kritik, sein Rücktritt nach dem 4:6 gegen Frankfurt wirkte wie ein überfälliges Eingeständnis. Die Verpflichtung Schröders als Nachfolger markierte einen Richtungswechsel: Erstmals seit 17 Jahren holte der Verein einen Sportdirektor von außen.

Schröder installierte Polanski nicht sofort als Dauerlösung. Er beobachtete zunächst, ließ den Interimstrainer arbeiten und wartete auf Ergebnisse. Erst die drei Siege im November – gegen St. Pauli, Kiel und Köln – führten zur Vertragsverlängerung. Die Entscheidung fiel also nicht aus Bequemlichkeit, sondern nach einer Phase, in der Polanski den Kader stabilisierte und Gladbach aus den Abstiegsrängen führte. Die sechs Spiele ohne Niederlage zum Jahresende 2025, darunter ein 3:0 in Heidenheim, untermauerten den Trend.

Der Gladbach-Umbau in der Bundesliga-Saison 2025/26 folgt damit einem Muster, das im deutschen Fußball immer häufiger zu beobachten ist: Ein Verein in der Krise greift auf einen internen Kandidaten zurück, der die Kultur kennt, und kombiniert ihn mit einem externen Sportchef, der neue Impulse setzen soll. Ob dieses Konstrukt langfristig trägt, hängt weniger von der Struktur als von den Ergebnissen ab.

Wie geht es weiter – was bedeutet die Entscheidung für die Rückrunde und die kommende Saison?

Die Euphorie der drei November-Siege ist verflogen. Zum Jahresende 2025 verlor Gladbach gegen Wolfsburg (1:3) und in Dortmund (0:2). Im Februar 2026 meldete die Rheinische Post, der Verein beschäftige sich im Hintergrund mit möglichen Nachfolgern für Polanski – Thomas Reis, ein Vertrauter Schröders, und Dieter Hecking wurden als Namen genannt. Zu diesem Zeitpunkt war Gladbach sieben Spiele in Folge sieglos.

Stand April 2026 hat sich die Lage nicht wesentlich entspannt. Das 2:2 gegen Heidenheim am 4. April vor heimischer Kulisse war ein Punktgewinn, der sich wie ein Verlust anfühlte – gegen das Tabellenschlusslicht reichte es nicht zum Sieg. Polanski verwies danach auf die Realität: „Wir hätten heute gerne gewonnen." 30 Punkte, Rang 13, sechs Zähler Vorsprung auf Platz 16 – das ist die arithmetische Wahrheit.

Der Druck auf das Trainerteam von Borussia Mönchengladbach ist konkret und messbar. Die Gladbach News der vergangenen Wochen drehen sich um eine zentrale Frage: Reicht das, was Polanski der Mannschaft geben kann, für den Klassenerhalt? Sein Vertrag läuft bis 2028, aber im Profifußball sind Verträge Absichtserklärungen, keine Garantien. Die Berichte über mögliche Nachfolger zeigen, dass Schröder Szenarien durchspielt.

Gleichzeitig hat Polanski dem Verein etwas gegeben, das schwer zu quantifizieren ist. Die Mannschaft, die unter Seoane zehn Spiele sieglos blieb, gewann unter ihm drei Spiele in Serie und blieb sechs Partien unbesiegt. Er führte den Kader aus den Abstiegsrängen heraus und verschaffte Gladbach Luft in einer Phase, in der der Verein auf allen Ebenen implodierte. Ob das für die Bundesliga-Saison 2025/26 und darüber hinaus reicht, ist offen.

Die verbleibenden Spieltage der Rückrunde werden zur Bewährungsprobe für Polanski und für Schröders Urteilsvermögen. Sechs Punkte Polster klingen nach Sicherheit, können aber in zwei schlechten Wochen schmelzen. Was feststeht: Gladbach hat in dieser Saison bereits einen Cheftrainer, einen Geschäftsführer Sport und seine sportliche Identität verloren. Eugen Polanski im Trainerteam von Borussia Mönchengladbach ist der Versuch, aus den Trümmern etwas Neues zu bauen – mit jemandem, der weiß, wo die Fundamente liegen.

Häufige Fragen

Welche Position übernimmt Eugen Polanski bei Borussia Mönchengladbach?

Eugen Polanski ist seit dem 16. September 2025 Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach. Zunächst als Interimslösung nach der Entlassung von Gerardo Seoane eingesetzt, unterschrieb der frühere U23-Trainer am 18. November 2025 einen festen Vertrag bis 2028.

Wer waren die bisherigen Co-Trainer bzw. Assistenten bei Gladbach und warum wurden sie ersetzt?

Der Umbau im Trainerteam ging mit der Entlassung von Cheftrainer Gerardo Seoane am 15. September 2025 einher. Auslöser war eine Serie von saisonübergreifend zehn Bundesligaspielen ohne Sieg, ein Punkteschnitt von 1,13 in 71 Ligaspielen und ein Saisonstart mit nur einem Punkt aus drei Partien. Zusätzlich trat Geschäftsführer Sport Roland Virkus am 30. September zurück; mit Rouven Schröder folgte erstmals seit 17 Jahren ein externer Sportdirektor.

Welche Auswirkungen hat der Trainerstab-Umbau auf die Bundesliga-Saison 2025/26 von Gladbach?

Gladbach stabilisierte sich unter Polanski nach einer Krise und verließ im November 2025 die Abstiegsränge. Aktuell steht der Verein mit 30 Punkten auf Rang 13, sechs Zähler vor dem Relegationsplatz. Die Saison bleibt ein Kampf um den Klassenerhalt – Berichte über mögliche Trainernachfolger zeigen, dass die sportliche Führung parallel Szenarien vorbereitet.

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