MillernTon
·25 April 2026
Der Glaube muss zurückkehren

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·25 April 2026

Nach der Niederlage in Heidenheim liegt der FC St. Pauli am Boden – er muss schnell wieder aufstehen, wenn der Klassenerhalt noch gelingen soll.(Titelfoto: Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)
Ein Kommentar von Tim
Manchmal fällt es mir extrem schwer journalistische Sorgfalt und die eigenen Emotionen unter einen Hut zu bringen. Es ist ein großes Privileg diesen wunderschönen Verein journalistisch begleiten zu dürfen und zeitgleich nicht verheimlichen zu müssen, dass diese Arbeit mehr als nur ein Beruf ist. Sie ist eine Passion, weil sowohl Journalismus, aber vor allem der FC St. Pauli einen großen Platz in meinem Herzen einnehmen. Und manchmal gewinnen dann die Emotionen gegenüber dem Versuch die Dinge nüchtern und analytisch zu betrachten. Daher dieser Kommentar.
Der FC St. Pauli ist aktuell das schlechteste Team der Bundesliga, spielt seit Wochen wie ein Absteiger. Diese Aussage, die ich, wie viele andere vermutlich auch, manchmal nach Niederlagen voller Frust herausschreien möchte, ist eigentlich keine aus den Emotionen heraus geborene, sondern fußt auf brutaler Objektivität. Sie ist eine zwar schonungslose, aber eben auch anhand von unzähligen Metriken solide belastbare Analyse.
Seit sieben Spielen wartet der FC St. Pauli auf einen Treffer aus dem Spiel heraus. Hat man sich vor Monaten noch daran gestört, dass Innenverteidiger Robert Andrich sich die Dreistigkeit erlaubte und nach dem Spiel gegen den FCSP erklärte, dass dieser einfach nicht die Qualität habe um Leverkusen gefährlich zu werden, so muss man sich allerspätestens nach der Niederlage in Heidenheim eingestehen: Auch Andrich hat die Situation nur ehrlich analysiert und ist zu einem schonungslosen, aber richtigen Ergebnis gekommen.Die offensive Harmlosigkeit des FC St. Pauli zeigte sich nun auch in Heidenheim. Dem FCSP kommt die zweifelhafte Ehre zu, dass er der erste Club in dieser Saison gewesen ist, dem es nicht gelang gegen Heidenheim einen Treffer zu erzielen.
Das mit der schwachen Offensive kennen wir bereits aus der Vorsaison. Da reichte es nur zu 28 Ligatreffern, der FCSP steht nun „schon“ bei 26 Treffern. Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass sich das Team diese Saison sehr viel weniger Gelegenheiten erspielt, der xG-Wert der Vorsaison (etwa 39) dürfte kaum mehr zu erreichen sein (aktuell etwa 30). Das zeigt: Die Harmlosigkeit in der Offensive ist diese Saison größer. Nur durch die größere Standard-Gefahr kommt der FC St. Pauli in die Nähe der erzielten Treffer der Vorsaison. Es ist nur schwer zu ertragen immer wieder mit anzusehen zu müssen, wie das Team vorne einfach keine Lösungen findet. Aber erst in Kombination mit anderen Schwächen wird die schwächste Offensive der Bundesliga zum Problem für den Klassenerhalt. Denn es gibt zwei große Unterschiede zur Vorsaison.
Nein, viele Verletzungen sind es nicht, die gab es letzte Saison auch. Der erste Unterschied: Der FC St. Pauli ist defensiv einfach zu anfällig. Es gelingt viel zu oft nicht über eine gesamte Spieldauer stabil zu stehen. Das war in der Vorsaison anders, oft konnte damit die schwächelnde Offensive kaschiert werden. Mehr noch: Der Erfolg bei der Konzentration auf die Defensive gab dem gesamten Vorhaben Recht. Dieser bleibt nun aber zumeist aus. Der FCSP agiert somit an beiden Enden des Spielfelds mangelhaft.
Der zweite Unterschied dürfte der schmerzhaftere für die Fan-Seele sein: Zu oft gab es in dieser Saison Situationen, in denen das Team spürbar mental nicht auf einem Level war, um erfolgreichen Bundesligafußball zu spielen. Hohe Niederlagen sind das eine Symptom davon, sie entstehen, wenn das Team auseinanderfällt (was in der Vorsaison quasi nie passiert ist). Das andere Symptom wiegt noch etwas schwerer. Denn es gibt immer wieder Phasen in denen es dem FC St. Pauli spürbar an Selbstvertrauen fehlt. Wurden in der Vorsaison Gegentreffer hingenommen, ohne vom eigenen Vorhaben abzurücken, so werden sie in dieser Spielzeit oft zu Niederschlägen (wie nun in Heidenheim). Oder es scheint so, als wenn die Sorge vor Gegentreffern jeglichen Mut aus dem eigenen Spiel nimmt (wie im Derby-Rückspiel). Ein Aufbäumen, und sei es in Form von mehr Aggressivität auf dem Platz, ist leider zu oft in dieser Spielzeit nicht zu erkennen.
Das ist nichtmal unbedingt als Vorwurf zu verstehen. Denn natürlich ist fraglich, woher das Selbstvertrauen kommen soll, wenn man kurz nach dem besten Saisonstart aller Zeiten mal eben neun Ligaspiele in Folge verliert. Aber es tut weh das anzusehen. Es tut weh mit anzusehen, wie es dem FC St. Pauli nicht gelingt gegen keineswegs übermächtige Gegner (dreifach) zu punkten, weil er zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint. Je länger diese Saison andauert, umso deutlicher wird, dass dieser schier unerschütterliche Glauben an die eigene Stärke, und sei die Chance noch so gering, in der Vorsaison der große Schlüssel zum Klassenerhalt war – und dass dieser nun zu oft fehlt.
Nahezu alle Fans des FCSP können den Zusammenhang zwischen tiefen Geldbeuteln und sportlichem Erfolg erkennen. Und entsprechend wissen auch die meisten: Ein Abstieg des FC St. Pauli wäre keine Überraschung. Nicht vor der Saison, nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Was in dieser Situation aber frustriert ist der Eindruck, dass da mehr gehen würde, trotz dieser finanziellen Voraussetzungen. Wenn denn die Unsicherheit nicht den Fußball auffressen würde.Die nun erlittene Niederlage in Heidenheim ist ein weiterer Tiefschlag gewesen beim Vorhaben Klassenerhalt. Aber die Tabelle zeigt etwas anderes als mein/unser Gefühl: Der FC St. Pauli steht weiterhin auf dem Relegationsrang, kann den Klassenerhalt auch weiterhin aus eigener Kraft schaffen. Dafür braucht es aber unbedingt den Glauben daran, dass dieser auch möglich ist. Doch der scheint aktuell zu fehlen, die Dynamik ist extrem negativ. Das muss ganz schnell geändert werden. Die gesamte Scheiße dieser Saison, die ganzen Niederschläge, sie müssen irgendwie abgeschüttelt werden. Denn auch wenn man nach der Niederlage in Heidenheim nun am Boden liegt, es kann auch immer noch alles gut werden. Aber es muss dringend aufgestanden und stehengeblieben werden.Immer weiter vor!// Tim
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