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·28 Juli 2026

F95 im Kadercheck: Wird der Ende-Fußball zum Aufstiegsbringer?

Gambar artikel:F95 im Kadercheck: Wird der Ende-Fußball zum Aufstiegsbringer?

Trotz des Abstiegs und seinen gravierenden Folgen ist für die Buchmacher und die Trainer klar: Fortuna Düsseldorf zählt – neben Hansa Rostock – zu den großen Favoriten auf den Aufstieg. Da scheint auch ganz egal, dass historisch betrachtet nur knapp ein Viertel der Zweitliga-Absteiger den direkten Wiederaufstieg erreichte. Ist dieses Ziel für F95 realistisch? liga3-online.de nimmt den Kader unter die Lupe.

Alles ist auf die Vorzüge des Trainers ausgerichtet

Die Entscheidung, mit Trainer Alexander Ende trotz des Abstiegs in die 3. Liga weiterzumachen und ihm damit eine echte Chance zu geben, die Fortuna sportlich zu prägen, war nicht selbstverständlich. So wie es bereits nicht selbstverständlich war, überhaupt einen Fußballlehrer zu verpflichten, der zuvor bei Rivale Preußen Münster nur kurzfristig Erfolge vorweisen konnte und im Frühjahr 2026 nach anhaltender Erfolglosigkeit entlassen worden war. Zweifellos ist auch am Flinger Broich hochspannend, was der 46-Jährige entwickeln kann: Sein 4-4-2 mit Mittelfeldraute scheint unabhängig vom Arbeitgeber in Stein gemeißelt, der Kader exakt (und ausschließlich) darauf ausgerichtet. So fehlen beispielsweise offensive Flügelspieler gänzlich, was temporeiche Gegenstöße unwahrscheinlicher macht.


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Sein Plan A, das Mittelfeld mit Ballbesitz zu dominieren, mit flachem Spielaufbau Gegner zu locken und fast immer zentral die Tiefe zu attackieren, ging beim SC Verl 2024/25 auf, in Münster erwies sich die Idee als zu durchschaubar für die Qualität der 2. Liga. Wie wird es bei der Fortuna gelingen? Für einige starke Transfers genügte das Geld aus dem 7,5-Millionen-Euro-Etat jedenfalls. Damit einher geht der Druck, schnell oben mitspielen zu müssen – denn ambitionsloses Mittelfeld-Geplänkel werden die Fans, die sich mit 19.000 Dauerkarten eingedeckt haben (Drittliga-Rekord), wohl nicht lange akzeptieren.

Torhüter: Neue Stammkraft aus Mainz

Bis auf aktuell fünf Spieler aus dem Abstiegskader präsentiert sich Düsseldorf im völlig neuen Gewand, das Torhüter-Trio ist sogar komplett unverbraucht. Die Aktie Lasse Rieß (25/Mainz 05) ist dabei durchaus spannend, denn die Leihgabe absolvierte in der Vorsaison immerhin vier Bundesliga-Partien – regelmäßige Spielpraxis fehlt dem langjährigen Reservekeeper aber seit drei Jahren. Sowohl Rieß als auch seine Stellvertreter Louis Lord (22/Erzgebirge Aue) und Milan Czako (20) werden sich im Spiel mit Ball am Fuß beweisen müssen, denn unter Ende gehörte der risikoreiche Spielaufbau ab der letzten Reihe zuletzt fest zur Spielidee dazu.

Prominentes Verteidiger-Duo soll Defensive prägen

Der eine kommt auf 220 Bundesliga-Spiele, der andere immerhin auf 133 Einsätze in der 2. Bundesliga: Dominique Heintz (32/1. FC Köln) und der langjährige Fortuna Tim Oberdorf (29) gehen als das nominell stärkste Innenverteidiger-Duett der 3. Liga in die Saison. Herausforderer sind die jungen Felix Meiser (19) und Noah Egouli (20), der aber noch verliehen werden könnte. Um dessen Bruder Elias Egouli (23) gibt es Rätselraten, seit vor gut zwei Wochen dessen Wechsel zu Bundesliga-Neuling Elversberg plötzlich scheiterte. So steht der "ältere Egouli" weiterhin im Kader und macht die Auswahl für Trainer Ende geradezu luxuriös – sollte sich aber noch ein Klub finden, der die Ausstiegsklausel von angeblich einer Million Euro zieht, muss Fortuna nochmals umplanen.

Auf den Flügeln fehlt nominell noch ein Linksverteidiger-Backup hinter Neuzugang Sascha Risch (26/Dynamo Dresden), während Routinier Matthias Zimmermann (34/350 Einsätze in 1. und 2. Liga) in sein neuntes Fortunen-Jahr geht und auf der rechten Seite Sicherheit ausstrahlt. Überhaupt nicht einzuschätzen ist Leih-Rückkehrer Steven van der Sloot (24), der in der Vorbereitung überzeugt hat. Die "Bild" betitelte den Niederländer bereits als "Möchtegern-Abhau-Profi", in der 3. Liga sieht dieser sich offenbar nicht, nachdem er in seinem Heimatland ADO den Haag als Stammkraft zum Aufstieg in die Eredivisie verholfen hat. Das Ende der Geschichte ist offen, zuletzt ging die Tendenz aber eher Richtung Verbleib. In der Breite fehlt Düsseldorf aber sicherlich noch mindestens ein Außenverteidiger. Ob Kaden Amaniampong (22/Fortuna II) eine echte Alternative ist, ist zumindest noch fraglich.

Mittelfeld: Mehr als eine schwarz-weiß-grüne Kopie?

Preußen Münster als Zulieferer von Fortuna Düsseldorf? Als nach Jorrit Hendrix (31) und Yassine Bouchama (29) nun auch noch Marcel Benger (28) ablösefrei vom Zweitliga-Mitabsteiger an den Rhein wechselte, schmunzelte man auf beiden Seiten ein wenig. Erkennbar ist aber: Alexander Ende hat ein Faible für ehemalige Mitstreiter – und Durchsetzungskraft, um Sportchef Samir Arabi diesen Plänen zustimmen zu lassen. Alle drei gelten als ballsichere Strategen und damit passend für die enge Mittelfeld-Raute, verfügen aber nicht über das höchste Tempo und sind auch nicht die größten Zweikämpfer. Stärken und Schwächen sind damit schnell ausgemacht.

Nun gibt es für das Mittelfeld, das laufend aus vier zentralen Akteuren besetzt wird, noch weitere Bewerber. Jomaine Consbruch (24/Greuther Fürth), den Arabi wiederum aus Bielefelder Zeiten noch gut kannte, ist einer davon. Auf die Entwicklung von Miguel Goncalves (21/Homburg 08), bereits Nationalspieler von Luxemburg, sollte geachtet werden. Und auf noch einen weiteren Akteur: Als Sechser punktete das 17-jährige Talent Elias Arden in der Vorbereitung und erhielt immer mehr Spielzeit, mancher nennt ihn bereits ein Juwel. Auf der zehn dürfte der am Dienstag verpflichtet Philipp Förster, der einiges an Erst- und Zweitliga-Erfahrung mitbringt, gesetzt sein.

Weniger gefragt sind der aktuell verletzte Hamza Anhari (22) sowie auch Kilian Sauck (19), der erst im Februar von Mönchengladbach gekommen ist und für einen Ergänzungsspieler ziemlich teuer sein soll. Zumindest die potenzielle erste Elf – z.B. Hendrix, Consbruch, Bouchama & Benger – ist aber nah an Zweitliga-Format.

Fünf Stürmer kämpfen um zwei Plätze

Physisch ist das Profil der Fortuna-Stürmer durchaus ähnlich: Keiner der aktuell fünf Offensiven ist kleiner als 1,85 Meter, die meisten bringen eine gute Grundgeschwindigkeit mit und gelten als Allrounder. Schon klar: Fabian Schleusener (34/Karlsruher SC) ist mit seinen 237 Zweitliga-Einsätzen (55 Tore) der Ankerspieler mit Führungsfunktion. Eric Hottmann (26/Regensburg) gehört zur Marke Sturmtank, ist im direkten Duell schwer zu verteidigen und dürfte mit Jordi Paulina (21) zunächst um das zweite Startelf-Ticket kämpfen. Der etwas schmächtigere Lukas Eixler (22/FSV Zwickau) hat die Rolle des Herausforderers inne, Eigengewächs Mechak Tito (20) könnte ebenso noch verliehen werden. Passiert das, dürfte Fortuna nochmals aktiv werden – dank des Etats von kolportierten 7,5 Millionen Euro sollte man auch auf der begehrten Stürmerposition stets ein Wort um seine Wunschspieler mitreden können.

Auf mindestens sechs bis sieben Positionen wird Fortuna Düsseldorf in der aktuellen Konstellation bereits Aufstiegsansprüchen gerecht. Findet sich das Team schnell und adaptiert den attraktiven Ende-Fußball, ist alles möglich. Haben die Drittligisten das Wissen und die Qualität, Endes Ansatz etwa mit aggressiver Mannverteidigung zu unterbinden, birgt der Fokus auf ein System aber ebenso große Stolpergefahr.

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