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·4 Juni 2026

FC St. Pauli entlässt Alexander Blessin: Das steckt dahinter

Gambar artikel:FC St. Pauli entlässt Alexander Blessin: Das steckt dahinter

Der FC St. Pauli trennt sich von Trainer Alexander Blessin. Als Nachfolger soll Marcel Rapp feststehen. Die Hintergründe der Entscheidung in der Analyse.

Kaum ein Aufstieg der jüngeren Bundesliga-Geschichte wurde emotionaler gefeiert als der des FC St. Pauli im Sommer 2024. Der Kiezklub, getragen von einer der leidenschaftlichsten Fangemeinden Deutschlands, kehrte nach langer Abstinenz ins Oberhaus zurück – mit einem Trainer, der dafür gesorgt hatte, dass die Mannschaft mehr als die Summe ihrer Teile war. Dass dieselbe Konstellation nur zwei Jahre später vor einem Trümmerhaufen stehen würde, schien damals undenkbar.


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Am 4. Juni 2026 bestätigte der Hamburger Stadtteilklub die Freistellung von Cheftrainer Alexander Blessin. Sportchef Andreas Bornemann begründete den Schritt damit, dass nach intensiven Gesprächen und Analysen die notwendige „100-prozentige Überzeugung“ gefehlt habe, mit der aktuellen Konstellation die sportlichen Ziele zu erreichen. Die Trainerentlassung wirft damit eine zentrale Frage auf. Ist sie das konsequente Ende einer gescheiterten Saison – oder das Eingeständnis, dass der Verein selbst zu lange gezögert hat?

Die Entscheidung: Fehlende Überzeugung als offizieller Grund

Bornemann ließ in seiner Mitteilung keinen Raum für Interpretationen. Nach einer Phase interner Analyse, die sich über rund 19 Tage nach dem Bundesliga-Abstieg erstreckte, sei die Schlussfolgerung klar gewesen. Die Zusammenarbeit mit Blessin biete keine hinreichende Grundlage für den angestrebten sofortigen Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga. Der Sportchef sprach explizit davon, dass ihm die vollständige Überzeugung für eine sportliche Trendwende fehlte.

Besonders aufschlussreich ist dabei der zeitliche Rahmen der Entscheidung. Blessin besaß einen Vertrag bis Sommer 2027 – die Freistellung erfolgte also mit erheblichem finanziellem Aufwand für den Klub, deutlich vor Vertragsende. Das ist kein Reflex, sondern ein kalkulierter Einschnitt.

Erschwerend kam hinzu, dass Blessin in den Wochen nach dem Abstieg öffentlich seine Erschöpfung betonte und ein klares Bekenntnis zum Verein vermissen ließ. Dieses Zögern machte eine Fortsetzung der Zusammenarbeit für die Vereinsführung zunehmend unrealistisch.

Sportliche Talfahrt: Die Zahlen hinter der Entscheidung

Die erste Bundesliga-Saison unter Blessin verlief zunächst bemerkenswert positiv. Der Kiezklub hielt die Klasse trotz limitierter Mittel, gestützt auf eine kompakte Defensive und eine ausgeprägte Mannschaftsgeschlossenheit. Es war ein Ergebnis, das in Hamburg als kleines Wunder gefeiert wurde und Blessins Ruf als Entwicklungstrainer festigte.

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Foto: Getty Images

Die Folgesaison brach mit dieser Stabilität vollständig. Die Defensive, einst das Fundament, verlor ihre Verlässlichkeit; die spielerische Weiterentwicklung stagnierte. Der Absturz auf Tabellenplatz 18 und das 1:3 im entscheidenden Saisonfinale gegen den VfL Wolfsburg besiegelten den direkten Abstieg in die 2. Bundesliga. Aus dem Klassenerhalt als Erfolg war Abstieg als Enttäuschung geworden – ein Kontrast, der die gesamte Ambivalenz der Ära Blessin in St. Pauli zusammenfasst.

Wenn Stärken einer Saison in der Folgesaison vollständig verschwinden, ist das selten ein Zufall. Es deutet auf strukturelle Probleme hin, die über Ergebnisse hinausgehen.

Was die Freistellung von Alexander Blessin über den Klub aussagt

Die Entscheidung, Alexander Blessin zu entlassen, lässt sich auf zwei sehr unterschiedliche Weisen lesen. Die eine Lesart: St. Pauli handelt konsequent und setzt rechtzeitig vor der Vorbereitung ein klares Signal. Der Verein zeigt, dass er den Wiederaufstieg nicht dem Momentum überlassen will, sondern aktiv gestaltet. Bornemann schützt damit die institutionelle Glaubwürdigkeit des Klubs gegenüber Spielern und potenziellen Neuzugängen.

Die andere Lesart ist kritischer. In Fankreisen wird diskutiert, ob der Verein nicht früher – spätestens nach dem offensichtlichen Rückrunden-Einbruch – hätte reagieren müssen. Die zähe Hängepartie nach dem Abstieg, in der weder Blessin noch die Vereinsführung schnell Klarheit schufen, hat Vertrauen gekostet. Eine Fußball-Analyse dieser Saison muss auch die Frage stellen, ob das sportliche Monitoring im Verlauf der Spielzeit funktioniert hat.

Blessins Trainerqualitäten gelten in der Branche als unbestritten. Seine Arbeit bei Union Saint-Gilloise, wo er den belgischen Pokal gewann, und seine Ausbildungsarbeit im Nachwuchsbereich von RB Leipzig stehen für einen Trainer, der Entwicklungspotenzial erkennt und nutzt. Ob die Trennung dem Trainer oder den Umständen anzulasten ist, bleibt eine offene Frage – und wohl auch eine, die von seinem nächsten Engagement beantwortet werden wird.

Wie geht es weiter beim FC St. Pauli?

Die Vorbereitung auf die neue Zweitligasaison beginnt am 26. Juni. Das bedeutet: Bornemann hat wenige Wochen, um einen Nachfolger zu installieren und gemeinsam mit ihm den Kaderumbau einzuleiten, der nach einem Bundesliga-Abstieg unweigerlich folgt. Als designierter Nachfolger für Alexander Blessin wird in übereinstimmenden Medienberichten Marcel Rapp gehandelt. Rapp hatte Holstein Kiel 2024 in die Bundesliga geführt, bevor er im Februar 2026 beim drohenden Absturz in die 3. Liga freigestellt wurde. Weitere kursierende Namen sind Christian Eichner, Horst Steffen und Mitch Kniat.

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(Foto: Getty Images

Rapp brächte Erstligaerfahrung aus einer ähnlichen Ausgangssituation mit – ein Argument, das für ihn spricht. Ob sein Ansatz jedoch zu dem passt, was St. Pauli im Zweitliga-Alltag braucht, ist eine andere Frage.

Ob der FC St. Pauli mit dem neuen Trainer den direkten Wiederaufstieg schafft, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob Bornemann in dieser kurzen Transferphase die richtigen personellen Schlüsse aus einer Saison zieht, die strukturelle Schwächen schonungslos offengelegt hat.

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