Fussballnationalmannschaft.net
·2 Mei 2026
FIFA WM 2026: Ex-Nationalspielerin Sara Doorsoun zu Ihren Erfahrungen in den USA

In partnership with
Yahoo sportsFussballnationalmannschaft.net
·2 Mei 2026

Vor der WM 2026 in den USA rückt die politische Lage im Gastgeberland in den Fokus. Ex-Nationalspielerin Sara Doorsoun sieht den Wettbewerb trotz der Debatte als Chance, fordert aber, dass Profis ihre Stimme nutzen.

Berlind Agusdottir aus Island im Zweikampf mit Sara Doorsoun von der deutschen Frauennationalmannschaft beim UEFA Women’s Nations League-Spiel zwischen Deutschland und Island im Vonovia Ruhrstadion in Bochum am 26. September 2023. (Christof Koepsel / Getty Images Europe via Getty Images)
Im Gespräch mit t-online ordnet die 31-Jährige, die nach einem halben Jahr in Los Angeles wieder für Eintracht Frankfurt spielt, ihre Erfahrungen in Nordamerika ein. Dabei macht sie deutlich, dass sie sich als queere Person dort nicht schlechter gefühlt habe als in Deutschland. Auf die Frage, ob die Entwicklungen unter Donald Trump ihren US-Wechsel beeinflusst hätten, antwortet sie klar: Es sei am Ende ausschließlich eine persönliche und sportliche Entscheidung gewesen. In Los Angeles habe sie sich sehr wohlgefühlt und sei froh und dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben.
Zu den Berichten über ICE-Einsätze und Einreiseverbote für Menschen aus verschiedenen Nationen sagt Doorsoun, sie laufe nicht mit Scheuklappen durch den Alltag und sehe, was weltweit passiere. Das sei traurig. Gleichzeitig betont sie, Fußball könne Menschen verbinden und Zeichen setzen. Sie sieht deshalb vor allem die Möglichkeit, dass sich Menschen unterschiedlicher Nationen über das Turnier näherkommen. Einen Boykott, wie ihn einige fordern, hält sie nicht zwingend für den richtigen Weg. Wenn es für sie womöglich die letzte WM wäre, würde sie sehr genau abwägen, ob sie darauf verzichten wolle.
Auch die Haltung von Joshua Kimmich, sich „nicht mehr an der politischen Diskussion teilnehmen“ zu wollen, kann sie einordnen. Das Wort von Sportlern habe Gewicht, sagt Doorsoun, deshalb solle man seine Stimme grundsätzlich nutzen. Gerade bei einem Turnier mit enormer Aufmerksamkeit sei das wichtig. Ob sich jemand öffentlich positioniere, bleibe aber eine persönliche Entscheidung.
Ihr kurzer Abstecher in die USA war für Doorsoun dennoch besonders. Sie beschreibt den Aufenthalt in Los Angeles als Erfüllung eines Kindheitstraums, der zunächst das Leben in der Stadt und nicht nur den Fußball betraf. Als sie mit einem U-Nationalteam dort war, trainierte sie direkt neben dem Gelände von LA Galaxy. Für das kleine Mädchen, das verrückt nach David Beckham war und „Kick it like Beckham“ nach eigener Aussage etwa 30-mal gesehen hat, sei das überwältigend gewesen. Auch das glamouröse Stadtbild habe sie beeindruckt. Nach der Rückkehr habe sie ihrer Mutter gesagt, dass sie eines Tages in Los Angeles Fußball spielen wolle.
Den Angel City FC, der erst 2020 gegründet wurde, habe sie damals noch nicht gekannt. In Vertragsgesprächen habe sie aber klar gemacht, dass sie sich bei einer Anfrage des Klubs auf jeden Fall anhören würde. Es sei der einzige Verein gewesen, für den sie sich einen vorzeitigen Abschied habe vorstellen können. Eintracht Frankfurt sei in diesem Prozess stets sehr fair gewesen, wofür sie bis heute dankbar sei.
Rückblickend zieht Doorsoun ein positives Fazit für sich persönlich. Die Entscheidung sei die richtige gewesen, weil sie sich sonst immer gefragt hätte, was gewesen wäre. Aus der Zeit in den USA habe sie viel mitgenommen, auch privat. Ihre Mitspielerinnen hätten ihr gespiegelt, dass sie entspannter geworden sei und häufiger akzeptiere, dass sie manche Dinge nicht verändern könne.
Auch sportlich hat der USA-Aufenthalt bei ihr Eindruck hinterlassen. Frauenligen hätten dort in der Vergangenheit oft unter Kurzlebigkeit gelitten, erklärt Doorsoun, doch die 2013 gestartete NWSL mache inzwischen vieles anders. Es gebe viele Sponsoren, die Liga und die Spielerinnen würden stark vermarktet. Es sei keine Nische, sondern reiche weit über den Sport hinaus. Die Stadien seien gut gefüllt, Denver habe kürzlich einen Zuschauerrekord aufgestellt, und auch die Trikots seien sehr gefragt. All das bringe den Klubs und der Liga gutes Geld ein.
Im Vergleich zur Frauen-Bundesliga sieht sie vor allem bei der Vermarktung einen enormen Unterschied. Im Alltag merke man das ebenfalls: In den USA sei es ausdrücklich erwünscht, dass Profis Social Media nutzen. In Deutschland liege der Schwerpunkt stärker auf dem Sportlichen. Für sie sei beides möglich, betont Doorsoun, denn Social Media sei für den Kontakt zu den Fans wichtig. Grenzen gebe es aber auch: Dass US-Amerikanerinnen und Brasilianerinnen in ihren Kabinen vor Länderspielen teilweise TikTok-Videos aufnehmen, würde sie selbst eher nicht machen. Dort sei der Umgang damit jedoch ein anderer.
2025 hatte sich Doorsoun aus der Nationalmannschaft zurückgezogen, ein Comeback schließt sie dennoch nicht absolut aus. Nach einigen Spielen seit ihrer Rückkehr nach Frankfurt habe es bereits den einen oder anderen Spruch gegeben, man müsse sie doch wieder zurückholen. Christian Wück habe aber sehr gute Spielerinnen für ihre Position. Solange keine Ausfälle dazukämen und sie deshalb gebraucht werde, bleibe ihre Entscheidung zu 100 Prozent bestehen.
Zur Entwicklung der DFB-Frauen unter Wück äußert sie sich positiv. Es mache Spaß, den Mädels zuzuschauen, sagt sie. Die Mannschaft sei sehr jung und stark verändert. Spielerinnen wie Janina Minge, Sjoeke Nüsken oder Elisa Senß hätten inzwischen eine größere Rolle übernommen. Aus der Fan-Perspektive könne sie mitfiebern, aber auch kritisch sein. Manchmal sei sie am Bildschirm die Anfeuernde, manchmal die Trainerin, die es immer besser wisse, wie sie lachend ergänzt. Nach dem 5:1 gegen Österreich sei Wück nicht ganz zufrieden gewesen, und genau das finde sie richtig. Wer bei der WM 2027 gegen die Besten bestehen wolle, müsse regelmäßig an die Leistungsgrenze gehen. Vor allem in Offensive und Defensive sieht sie noch Luft nach oben. Daran arbeite Wück auch mit seinen Einordnungen. Insgesamt sei die Mannschaft aber auf einem guten Weg.
Für ihre Klubkollegin Jella Veit traut Doorsoun bei der WM einiges zu, verweist aber zugleich auf die starke Konkurrenz auf ihrer Position. Für Veit gehe es zunächst darum, das Erlebnis zu genießen und möglichst viel mitzunehmen. Die Nationalmannschaft sei für sie aktuell ein schöner Bonus, den sie sich mit guten Leistungen verdient habe.
Ihr Vertrag in Frankfurt läuft noch bis 2028. Ob dann Schluss ist, lässt Doorsoun offen. Der einzige große Wunsch, der in ihrer Laufbahn noch gefehlt habe, sei Los Angeles gewesen, und den habe sie sich erfüllt. Mittlerweile sei Frankfurt ihre fußballerische Heimat, deshalb könne sie sich sehr gut vorstellen, ihre Karriere dort zu beenden. Ob sie noch einmal um ein Jahr verlängert, werde am Ende von ihrer körperlichen Verfassung abhängen.
Langsung


Langsung


Langsung


Langsung


Langsung


Langsung


Langsung


Langsung


Langsung


Langsung


Langsung



















