Miasanrot
·17 April 2026
Gelbe Karten zerstören die Champions League: Reformbedarf bei der UEFA

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·17 April 2026

Trotz der Gelbsperre von Vincent Kompany kam der FC Bayern bei vier weiteren vorbelasteten Spielern in der Champions League noch glimpflich davon. Es ist dennoch Zeit für eine UEFA-Reform.
Vincent Kompany wird beim Hinspiel des Champions-League-Halbfinals gegen Paris St. Germain seine Spieler nicht betreuen und anfeuern können – zumindest nicht an der Seitenlinie. Denn der Trainer des FC Bayern München sah gestern gegen Real Madrid seine dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb, was in den UEFA-Wettbewerben eine Sperre nach sich zieht.
Bereits in der Pressekonferenz vor dem Viertelfinalrückspiel gegen Madrid kritisierte der Belgier diese Regel für ihn ungewohnt direkt als „zu aggressiv“, da neben dem Trainer der Münchner zu dem Zeitpunkt auch noch vier Bayernprofis gelb vorbelastet waren.
Zwar kam der Rekordmeister glimpflich ohne weitere Sperre davon, für die Zukunft herrscht dennoch ein dringender Reformbedarf bei der UEFA, unter anderem weil der Verband seinen Wettbewerb vor zwei Jahren grundlegend veränderte.
In der Champions League gilt die Regel: Sobald ein Spieler seine dritte Gelbe Karte erhalten hat sowie nach jeder nachfolgenden Verwarnung mit ungerader Zahl (fünfte, siebte, neunte usw. Gelbe Karte), folgt eine automatische Sperre für eine Partie des Wettbewerbs.
Die Zählung dafür beginnt mit dem Start der Gruppenphase. Voraussetzung für die Sperre ist außerdem, dass die Verwarnungen nicht innerhalb eines Spiels zu einem Platzverweis geführt haben, da eine Gelb-Rote Karte ohnehin eine Sperre von einer Partie zur Folge hat.
Dieses Kontingent wird dann nach dem Viertelfinale gelöscht, um die Gelbsperre eines Profis für das Finale zu vermeiden. Eine Sperre für das Endspiel kann somit nur noch erfolgen, wenn ein Spieler im Halbfinalrückspiel eine Gelb-Rote Karte sieht oder aufgrund einer Roten Karte für mehrere Spiele gesperrt wird.
Diese Regeln gelten seit der Einführung von Verwarnungen für die Offiziellen einer Mannschaft im Jahr 2018 auch für Übungsleiter und Betreuer, wie Kompany nun am eigenen Leib erfahren muss. Der Belgier hatte sich nach Meinung von Schiedsrichter Slavko Vinčić nach dem zwischenzeitlichen 3:2 von Kylian Mbappe zu energisch über ein Foulspiel von Antonio Rüdiger an Josip Stanišić im Vorfeld beschwert.
Ironischerweise hat es nun also Kompany selbst erwischt, nachdem er die Regel erst am Tag zuvor kritisiert hatte. Damit hat der Belgier während der Partie in Paris keinen direkten Einfluss auf das Spielgeschehen, was seine Mannschaft jedoch höchstens in geringem Maße stören dürfte.
Der Bayern-Coach selbst betonte bei der AZ darauf angesprochen, dass ohnehin seine Spieler die Partien entscheiden würden. Und von diesen Spielern muss nun kein einziger eine Gelbsperre im Halbfinale absitzen. Schließlich waren (neben Manuel Neuer) mit Dayot Upamecano, Jonathan Tah und Konrad Laimer fast die komplette Viererkette betroffen, die es das gesamte Spiel mit Reals Tempo-Offensive um Mbappé, Vinicius Jr. und Co. zu tun bekam. Ein Drahtseilakt, der gutging.
Die Regel ist vom Grundgedanken her natürlich richtig. Gelbe Karten, die ja beispielsweise auch für härtere Foulspiele oder Unsportlichkeiten vergeben werden können, sollten neben der Verwarnung an sich auch für eine Wiederholung in Zukunft abschrecken. Spieler sollten nicht ohne Konsequenz mit einer hohen Frequenz an Verwarnungen davonkommen.
Doch abseits dieses Grundgedankens bringt die Sperren-Regel massive Probleme mit sich – spätestens nach der Champions-League-Reform vor zwei Jahren. Bereits vor der Änderung des Wettbewerbs kann die Anzahl von nur drei Gelben Karten bis zur Sperre in bis zu zehnt Partien als zu hart betrachtet werden.
Schließlich können bei einer solch niedrigen Anzahl auch Fehlentscheidungen eines Schiedsrichters eine Rolle spielen, die womöglich im ersten Gruppenspiel viele Monate vor der eigentlichen Sperre getroffen wurden.
Mit der Reform hat sich nun auch noch die Anzahl der Spiele stark erhöht. Statt sechs Partien in der Gruppenphase sind es nun acht Spiele in der Ligaphase. Dass für die Hälfte der Teams im Achtelfinale außerdem noch zwei weitere Playoff-Partien dazukommen, erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Sperre von Schlüsselspielern massiv.
Und drei Gelbe Karten in bis zu 14 Spielen sind auch weit von unsportlichem Verhalten entfernt. Vor allem für Defensivspieler, die in zahlreichen Zweikämpfen nicht um die eine oder andere Verwarnung herumkommen. „Ich finde es ganz schwierig, ohne Sperre durch die Champions League zu kommen. Es sind mehr Spiele als früher, trotzdem ist man nach drei Gelben Karten gesperrt“, findet Kompany.
Auch Profis des FC Bayern hat es in der laufenden Saison bereits erwischt. Konrad Laimer musste schon in der Ligaphase gegen Union St. Gilloise zuschauen, Joshua Kimmich und Michael Olise verpassten das Rückspiel im Achtelfinale gegen Atalanta gelbgesperrt.
Böse Zungen würden behaupten, die beiden hätten sich die Verwarnung wegen Zeitspiels aufgrund des deutlichen Spielstandes und der aufreizenden Art absichtlich geholt. Doch bei der aktuellen Regel braucht es eben auch manchmal solche leicht unsportlichen „Tricks“, um seine Schlüsselspieler in den wichtigsten Partien des Wettbewerbs einsetzen zu können.
Es tut auch der Attraktivität des Fußballs sicherlich nicht gut, wenn die besten Spieler der jeweiligen Teams fehlen. In einem Halbfinale sollen schließlich „die Meister“, „die Besten“ und „les grandes équipes“ aufeinandertreffen, wie es in der ikonischen Hymne des Flaggschiff-Wettbewerbs der UEFA so schön heißt.
Auch wenn die Anzahl der Verwarnungen für eine Gelbsperre seit der Gründung der Champions League nicht verändert wurde, gab es dennoch bereits eine Reform der Regel. Seit der Saison 2014/15 werden die Kontingente der Gelben Karten nach dem Viertelfinale gelöscht, um Sperren fürs Finale zu vermeiden.
Anlass dafür war unter anderem das „Finale dahoam“, als ganze sieben Spieler der beiden teilnehmenden Vereine ausgerechnet im Endspiel eine Gelbsperre absitzen mussten. Bei den Bayern waren mit David Alaba, Holger Badstuber und Luiz Gustavo damals drei Stammspieler betroffen, die folglich schmerzhaft vermisst wurden.
Um eine ähnliche Situation für die Viertelfinal- oder Halbfinalhinspiele in Zukunft zu vermeiden oder zumindest unwahrscheinlicher zu machen, sollte die UEFA besser heute als morgen über eine weitere Reform nachdenken. Auch für Kompany sei es ein Thema bereits „für die nächste Saison“.
Eine Möglichkeit zur Anpassung der Regel wäre, die (erste) Sperre höher bei vier oder fünf Verwarnungen anzusetzen. Damit würde man zumindest auf die aufgestockte Anzahl der Spiele eingehen. Eine andere oder vielleicht sogar zusätzliche Option könnte sein, eine weitere Löschung des Kontingents früher im Wettbewerb vorzunehmen, beispielsweise bereits im Achtelfinale. Oder die Löschung nach vorn zu verschieben und die Anzahl an notwendigen Karten für eine Sperre gleichzeitig zu erhöhen
Ob sich so schnell an der Regel etwas ändert, darf jedoch erstmal bezweifelt werden. Einen Kommentar oder eine Erklärung seitens der UEFA gibt es diesbezüglich zumindest nicht. Doch ein prominenter Präzedenzfall in den nächsten Jahren oder vermehrte Kritik von den Vereinen könnten den Verband in Zukunft ins Grübeln bringen.
Langsung









































