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·30 Agustus 2025

Hamburger SV vs. FC St. Pauli 0:2 – Der Herrscher Hamburgs und der sieben Meere

Gambar artikel:Hamburger SV vs. FC St. Pauli 0:2 – Der Herrscher Hamburgs und der sieben Meere

Der FC St. Pauli gewinnt nicht nur die Stadtmeisterschaft, nein, er zeigt dem Hamburger SV sportlich klar die Grenzen auf und sorgt dafür, dass Hamburg Braun-Weiß ist.(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Was für ein Spiel! Was für ein Abend! Der FC St. Pauli gewinnt das Derby gegen den HSV in überragender Manier und muss sich am Ende sogar den Vorwurf gefallen lassen das Spiel nicht noch höher gewonnen zu haben, so deutlich waren die sportlichen Unterschiede.


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Die Aufstellung

Der FC St. Pauli änderte seine Startelf im Vergleich zum 3:3 gegen Borussia Dortmund nicht. Somit startete erneut Adam Dzwigala auf der linken Innenverteidiger-Position, er erhielt den Vorzug vor Lars Ritzka. Donnerstag verpflichtet und einen Tag später (ohne eine Trainingseinheit mit den neuen Kollegen) direkt im Kader stand Angreifer Martijn Kaars. Auch Nick Schmidt stand im Kader und damit zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Bundesligaaufgebot. Scott Banks und der verletzte Abdoulie Ceesay fehlten hingegen im Spieltagskader.

Auf Seiten des Hamburger SV gab es ebenfalls keine Wechsel in der Anfangsformation. Das bedeutete, dass Jean-Luc Dompe und Yussuf Poulsen vorerst auf der Bank platznehmen mussten. Auch beim HSV gab es einen erst kürzlich verpflichteten Spieler, der bereits im Kader stand: Innenverteidiger Luka Vuscovic, Leihgabe aus Tottenham und zumindest familiär mit doch recht klarem HSV-Bezug ausgestattet, stand im Aufgebot

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Aufstellung beim Spiel Hamburger SV gegen FC St. Pauli HSV: Heuer Fernandes – Omari, Elfadli, Torungarigha – Gocholeishvili, Remberg, Capaldo, Muheim – Sahiti, Königsdörffer, Rössing-Lelesiit FCSP: Vasilj – Wahl, Smith, Dzwigala – Pyrka, Sands, Fujita, Oppie – Hountondji, Sinani, Pereira Lage

Variabilität sorgt für Verunsicherung

Beide Teams starteten auch taktisch wie erwartet in die Partie. Der FC St. Pauli agierte im Pressing ähnlich wie gegen Borussia Dortmund: Bei Ballbesitz des HSV zogen sich die Außenverteidiger nach hinten zurück. Auch Hountondji ließ sich auf seiner rechten Seite fallen und hatte es so eher mit (dem immer wieder in den Sechserraum einrückenden) Muheim zu tun oder Rössing-Lelesiit. Innenverteidiger Torunarigha wurde hingegen immer wieder von James Sands angelaufen.

Der Hamburger SV hatte verschiedene Elemente in der Arbeit gegen den Ball. Bei flachem Abstoß des FC St. Pauli agierte das Team von Trainer Polzin konsequent mannorientiert. Wenn der FCSP den Ball in der Innenverteidigung kontrollierte, ordnete sich das Team in einem 5-2-3 an, seltener in einem 5-4-1. Der FC St. Pauli suchte in dieser Formation Lücken – und fand sie mit zunehmender Spieldauer immer öfter.

FC St. Pauli wackelt nur zu Beginn (ein wenig)

Vorerst aber zurück zum Offensivspiel des HSV, weil dieser in der Anfangsphase etwas druckvoller gewesen ist. Das Heimteam versuchte im Aufbau vor allem die linke Seite zu überladen, rotierte dort viel. Auch Königsdörffer ließ sich immer wieder in diesen Raum fallen. Der FCSP hatte auf dieser Seite anfangs leichte Probleme in der Zuordnung (weil es immer etwas dauerte, bis Sands seinen Gegenspieler anlaufen konnte), agierte aber nicht mann- sondern raumorientiert, sodass die Kompaktheit bewahrt werden konnte. Ob dieser fokussierte Spielaufbau über die linke Seite vom HSV auch so geplant gewesen ist, ließ Merlin Polzin auf der PK nach Abpfiff offen. Deutlich wurde aber, dass ihre Spieleröffnung überhaupt nur über diese Seite einigermaßen klappte – und das auch nur in der Anfangsphase.

Womit wir bei Adam Dzwigala angekommen wären. Der Innenverteidiger holte sich nach nicht einmal zehn Minuten bereits die Gelbe Karte ab, wie auch gegen den BVB also bereits sehr früh in der Partie. Drohte also wieder ein so wackeliger Auftritt wie gegen Dortmund? Hauke Wahl ließ diese frühe Verwarnung jedenfalls komplett kalt, denn „Adam ist jemand, auf den man sich zum 100 Prozent verlassen kann.“ Gesagt, getan – Dzwigala wackelte nicht, er war vielmehr ein wichtiger Baustein einer Defensive des FC St. Pauli, die im gesamten Spiel überhaupt nur fünf HSV-Abschlüsse zugelassen hat.

TOR NACH ECKE!

Und während ich noch auf der Pressetribüne Stichworte eines Absatzes runtertippte, die beschrieben, wie problematisch es ist, dass Dzwigala früh verwarnt wurde, kam die Offensive des FC St. Pauli zum ersten Mal in dieser Partie richtig gefährlich auf, es gab Eckball.Dieser wurde als Variante ausgespielt. Sinani flankte nicht, sondern spielte Pereira Lage kurz an, der den Ball von der Grundlinie scharf in Richtung Rückraum passte. Eigentlich war der Ball für Eric Smith bestimmt, Dzwigala sollte vermutlich nur blocken. Aber das tat er nicht. Stattdessen hielt er den Fuß rein und sorgte so für die Führung des FC St. Pauli. Ein Tor nach Ecke – darauf musste der FCSP in der Vorsaison bis tief in die Rückrunde warten. Und was für eine schöne Story ist bitte das für Dzwigala?! Der dienstälteste Profi des FC St. Pauli hat sich spätestens mit diesem Treffer in die Geschichtsbücher der Stadtmeisterschaft an prominenter Stelle eingetragen.

Viele Menschen die Ahnung von Fußball haben erklären in den letzten Jahren immer wieder, wie sehr Tore ein Spiel und einen Spielverlauf verändern können. So passiert auch an diesem Freitagabend im Volksparkstadion. Der Treffer veränderte das Spiel extrem. Fortan war der FC St. Pauli klar spielbestimmend. Der HSV zeigte sich beeindruckt und wirkte zunnehmend unsicherer. Weil der FCSP es auch einfach ab dieser 19. Minute richtig, richtig gut ausspielte.

HSV verunsichert, FC St. Pauli öffnet und bespielt Räume

In den Minuten vor dem Treffer hatte der FC St. Pauli Probleme Lücken in der HSV-Defensive zu finden. Das Polzin-Team agierte sehr kompakt, kompakter als es der FCSP erwartete. So zumindest erklärte es Alexander Blessin nach Abpfiff: „Wir haben anfangs gedacht, dass wir mehr vor die Kette spielen können.“ Man ging davon aus, dass der HSV dort mehr Raum lassen würde. Auch Hauke Wahl erklärte: „Ich hatte das Gefühl, dass wir mehr Räume hinter als vor der letzten Kette des HSV hatten.“ Und als Antwort auf diese nicht vorhandenen Räume vor der letzten HSV-Kette fing der FC St. Pauli an die Räume dahinter zu bespielen.

Auffällig war bereits in den ersten Minuten, dass Andreas Hountondji nahezu konsequent den Raum zwischen Außenverteidiger Muheim und Innenverteidiger Torunarigha besetzte. Genau in diesen Raum spielte der FC St. Pauli nach der Führung immer wieder tiefe Bälle. Das Laufduell zwischen Hountondji und Torunarigha aus der 25. Minute, bei dem (das bestätigte auch der Schiedsrichter nach der Partie) kein Foul des FCSP-Stürmers vorlag, ist ein gutes Beispiel dafür, wie der FC St. Pauli diese Räume bespielte.

Zweiter FCSP-Treffer vor der Pause wäre verdient gewesen

Auch wenn der FC St. Pauli mit diesen tiefen Bällen nicht zum Torerfolg kam: Diese Situationen hinterließen Eindruck beim HSV. Es waren mehr als nur kleine Nadelstiche des FCSP, Situationen, die den Gegner verunsicherten. Das Polzin-Team fiel im Verlauf der ersten Halbzeit nun nämlich oft tiefer mit der letzten Kette. Zu tief. So tief, dass der FCSP dann anfangen konnte die Räume davor zu bespielen. Bis zur Pause waren dann wieder viele Dreiecksbildungen auf den Außenbahnen zu sehen. Einer der beiden Sechser schaltete sich immer mit ein und so stellte der FC St. Pauli den HSV vor Probleme, trat extrem dominant und ballsicher auf. Weil das Team einen guten Mix aus eben jenen Dreiecken und tiefen Bällen fand. Blessin betonte nach Abpfiff, wie wichtig es ist, dass man in dieser Saison das Tempo hat, um vielversprechende tiefe Bälle zu spielen, aber auch die Fähigkeit die Räume davor zu bespielen: „Diese Variabilität hatten wir letzte Saison nicht. Wir können jetzt variabler spielen, können tiefe Bälle spielen, aber den Gegner auch rauslocken.“

Bis zur Pause spielte nur noch der FC St. Pauli. Das Blessin-Team vergab eine Reihe von guten Gelegenheiten auf das 2:0, der HSV wankte bedenklich und sehnte sich nach dem Halbzeitpfiff. Die größte Chance auf den zweiten Treffer gab es wohl in Person von Pereira Lage, der am Ende eines nahezu perfekten Konters (die kamen dann auch noch hinzu) freistehend vor dem Tor den Ball daneben schob (41. Minute). Das Spiel war bis zur FCSP-Führung ausgeglichen, fortan spielte aber nur noch der nun amtierende Stadtmeister. Und der musste sich ärgern zur Pause nicht bereits höher geführt zu haben. Diese Selbstverständlichkeit und die Dominanz, die der FC St. Pauli nicht nur in dieser Phase, sondern über weite Strecken der Partie an den Tag legte – wow!

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Jordan Torunarigha wird die kommenden Nächte sicher richtig schlecht von den Laufduellen mit Andreas Hountondji träumen. Der FC St. Pauli konnte über Hountondji viel Druck auf den HSV erzeugen. // (c) Stefan Groenveld

Chancenwucher des FC St. Pauli wird fast bestraft

Denn wie schnell sich der Wind drehen kann, zeigte sich dann zu Beginn der zweiten Hälfte. Der HSV kam, wie es auch zu erwarten war, mit extrem viel Energie aus der Pause. Und hätte um ein Haar direkt den Ausgleich erzielt. Der Ausdruck „um ein Haar“ ist sogar fast wörtlich zu nehmen, denn Königsdörffer stand tatsächlich nur um Haaresbreite im Abseits, als ein langer Ball des HSV die komplette Restverteidigung des FC St. Pauli aus den Angeln hob. Die Folge: Der Treffer wurde erst vom VAR zurückgenommen. Vorher war aus der lautesten, schlechtesten Disco Deutschlands die volle Kapelle zu hören – es war nur ein kurzes Fest.

Knifflig war es für den FC St. Pauli aber ein wenig länger. Muheim hatte noch eine gute Freistoß-Gelegenheit. Vasilj parierte den Schuss des HSV-Außenverteidigers in der 53. Minute – es sollte der vorletzte Abschluss des Hamburger SV in dieser Partie gewesen sein. Denn der FC St. Pauli übernahm wieder die Partie, erarbeitete sich durch viele Ballgewinne im Mittelfeldpressing wieder ein Übergewicht (herrje, Fujita und Sands – da gehen mir echt die Superlative aus!). Wenige Minuten später sorgte der FC St. Pauli bereits für die Vorentscheidung.

Hountondji schickt HSV in die Seile, Platzverweis bringt ihn endgültig zu Boden

Denn in der 60. Minute kam Fujita links hinten an den Ball. Der erste Kontakt war unsauber, erst im Nachsetzen eroberte er ihn wieder zurück. Was folgte war nicht die Sicherung des Spielgeräts, sondern ein traumhafter langer Pass durch die Ketten des HSV hindurch auf den in die Tiefe gestarteten Hountondji. Der zog an Heuer Fernandes (der vorher unsicher war, ob er rauskommen soll) vorbei und war eigentlich bereits fast auf der Höhe der Torauslinie – doch irgendwie gelang es ihm den Ball aus diesem extrem spitzen Winkel ins Tor zu schieben. 2:0! Komplette Ekstase im Gästeblock.

So ganz war der Deckel noch nicht drauf. Pereira Lage hätte kurz nach dem zweiten bereits den dritten Treffer erzielen können, doch Königsdörffer kam in der 69. Minute noch zu einem Kopfball, den Vasilj aber festhalten konnte. Der HSV setzte nun alles auf eine Karte: Mit der Einwechslung von Philippe und Stange wurde in der 75. Minute auf eine Viererkette umgestellt – die zwei Minuten später aber nur noch eine Dreierkette war.

Der FC St. Pauli hatte bereits nach dem 2:0 einige gute Kontergelegenheiten. Genau so eine gab es auch in der 77. Minute, als Pereira Lage den Ball über die linke Seite gen HSV-Tor trieb. Gocholeishvili, in der ersten Hälfte bereits wegen Meckerns verwarnt, blieb eigentlich nichts anderes übrig als Pereira Lage abzuräumen. Der Platzverweis war die logische Folge – spätestens in diesem Moment war die Stadtmeisterschaft entschieden. Der Wille und die Energie des HSV war gebrochen.

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Eine Leistung, die mehr Treffer verdient gehabt hätte

Einen einzigen Vorwurf muss sich der FC St. Pauli in dieser Partie gefallen lassen. Nein, nicht die etwas wackeligen Phasen jeweils zu Beginn der Hälfte (Wahl: „Es ist nicht möglich den Gegner 90 Minuten vom eigenen Tor fernzuhalten.“). Vielmehr hätte der FC St. Pauli, und daran störte sich auch Alexander Blessin nach Abpfiff, noch ein paar Treffer mehr erzielen können (mein Gott, dass ich sowas Schönes mal nach einem Derby in einen Spielbericht schreibe!). Die letzten Minuten – und es waren dank zehnminütiger Nachspielzeit viele – waren schmerzhaft. Für den HSV. Weil der FC St. Pauli das Spiel und damit den Gegner nach Belieben dominierte.

Der FC St. Pauli gewinnt also das Derby. Ein Derby, welches aus sportlicher Sicht lange nicht mehr so einen verdienten Sieger hatte wie an diesem Freitagabend. Sportlich war der FC St. Pauli nie deutlicher die Nummer 1 der Stadt.Zumindest über Nacht grüßt der FCSP von der Tabellenspitze und darf sich zwar nicht zufrieden zurücklehnen (das würde Blessin aber mal sowas von scheiße finden), jedoch zumindest auf die Schulter klopfen. Für einen gelungenen Saisonstart. Für eine großartige Leistung im Derby. Für die errungene Stadtmeisterschaft.

Immer weiter vor!// Tim

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