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·11 Februari 2026
Hannover 96 in der Analyse: Was der Winter mit uns macht

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Die Anfangsphase bis etwa zur 35. Minute dürfte zum Besten gehören, was man in dieser Saison aus dem Lehrbuch des Übungsleiters sehen durfte. Mit hoher Intensität und oft schneller, wacher Mentalität gegen den Ball nahmen die Roten den KSV völlig auseinander. Das resultierte in der ersten Hälfte darin, dass jeder einzelne Rote eine positive Zweikampfquote verzeichnen konnte. Kiel wurde vollständig in der eigenen Hälfte eingeschnürt und wusste sich nur mit Fouls Luft zu verschaffen. Zwei energische Tore durch Källman und Aseko konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 96 mal wieder Chancenwucher betrieb.
Die Macht auf der Acht: Der am letzten Wochenende gescholtene Noel Aseko erlebte einen Sahnetag, ackerte unermüdlich und machte auf seine ganz eigene, unwiderstehliche Art Bälle in der gegnerischen Hälfte fest. Im Vorwärtsgang mutierte der umworbene 19-Jährige zum jederzeit anspielbaren Creator, der die eng und tief gestaffelten Störche immer wieder auseinander riss. Aseko setzte einen derartigen Impact, dass er bereits in der 1. Halbzeit eine extrem seltene 10/10-Bewertung auf „Sofascore“ verzeichnen konnte. Auch der in der 72. Minute für Aseko eingewechselte Stefan Teitur Thórdarson ließ die Kritiker verstummen. Sein dynamisches Box-to-Box-Spiel brachte Entlastung in einer kippligen Phase – und mit dem viel umjubelten 3:1 in der 78. Minute direkt die Entscheidung durch einen echten Mittelstürmer-Move. Von wegen: „Was wollen wir mit einem aus der 2. englischen Liga …?“
Iceman on fire: Unter der Woche veröffentlichte unser Verein auf seiner Homepage ein Interview mit dem selbstbewussten Benjamin Källman. Der Finne gab Auskunft über seine Leistung bei 96 und analysierte sehr treffend, dass der Winter etwas mit jedem Spieler mache – nicht nur wegen der Kälte. Auch die Spielweise von Hannover sei frostiger geworden, Partien würden aktuell knapp über den Schlusspfiff gerettet, weil man aus den späten Gegenschlägen der Hinrunde gelernt habe. Bei der traditionell engen Tabellensituation im neuen Jahr wiege jeder Fehler umso schwerer, und Vorsprünge müssten härter verteidigt werden.
Schöner Spektakelfußball hat momentan also Winterpause – wie man am Sonntag auch an den in der zweiten Halbzeit zunehmend katastrophalen Platzverhältnissen sehen durfte. Unser finnischer „Iceman“ legte indes direkt ab Minute 1 los, die wackligen Kieler unter Druck zu setzen. Er gewann die Hälfte seiner Zweikämpfe und brachte vier Schüsse (inklusive eines Pfostentreffers) aufs Tor. Mit seinem 12. Saisontreffer krönte er sich zum erfolgreichsten finnischen Torschützen in Deutschland – und das schon Anfang Februar! Eisige Temperaturen sind für Benji kein Grund, nicht on fire zu sein.
Ein 2:0 zur Pause ist immer ein gefährliches Ergebnis, und so driftete die Partie im zweiten Durchgang mehr Richtung Ackerkampf ab, in dem Kiel versuchte, über Körperlichkeit Punkte zu sammeln. Einer dieser Wackler rutschte natürlich mal wieder durch und sorgte in der 68. Minute für kollektives Nervenflattern im und ums Niedersachsenstadion. Doch die Roten ließen sich in diesem wichtigen Heimspiel nicht in die Suppe spucken, verbuchten rund 60 % gewonnene Zweikämpfe, schoben mit den Einwechslungen von Taibi, Blank und Thórdarson noch einmal ordentlich an und machten – wie erwähnt – in der 78. Minute verdient den Deckel drauf.
Bei aller Euphorie über drei Siege in Serie und die Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen gilt jedoch: Düsseldorf, Magdeburg und Kiel waren drei kriselnde Aufbaugegner zur richtigen Zeit. Wir mögen den „derzeit besten Lauf einer Mannschaft im Ober- und Unterhaus“ haben – aber die direkte, wiedererstarkte Konkurrenz wartet schon nächsten Samstag im Berliner Olympiastadion. Källman und Co. müssen auch dort weiterhin eiskalt zuschlagen wie der Winter.
Langsung








































