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·27 Juni 2026
Havertz, Wirtz, Musiala: DFB-Künstler mit viel Luft nach oben

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·27 Juni 2026

Nach einem formvollendeten Doppelsalto ohne große Spritzer steigt Florian Wirtz lachend aus dem Hotelpool. Später dribbelt er selbst beim Fahrradfahren, wie auch immer das geht. Jamal Musiala lässt nebenan elegant den Basketball tanzen. Na, im Camp können sie ja doch noch zaubern, die Magier in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft – nur auf dem Platz ist davon bisher viel zu wenig zu sehen.
Als funkensprühender Super-Dreizack sollen „Wusiala“ und Kai Havertz in Amerika eigentlich ihre Slalomstangen-Gegner schwindlig zocken, auch gegen Paraguay am Montag (22.30 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) in Foxborough. Stattdessen, schimpfte Julian Nagelsmann nach dem 1:2 gegen Ecuador, verwirren die drei Straßenkünstler mit ihren Wechselspielchen längst das eigene Team. „Zu viel Freestyle nach der Führung“, schrieb der Bundestrainer ihnen ins Zeugnis, er sprach sogar von „Harakiri bei der Positionierung“.
Sein Vorwurf: Wenn irgendwann „keiner mehr weiß, wo er steht, wird es sehr schwer, das im Kollektiv aufzufangen, wenn sich die Ballverlustrate von null auf zehn steigert“. Er verordnete Havertz, Wirtz und Musiala eine deutlich höhere Positionstreue – und das Unterdrücken der Gier, „in jeder Aktion ein Tor schießen zu wollen“. Kurz gesagt: Weniger Gekicke, mehr Kreativität zur rechten Zeit. Auch mal den Fuß auf den Ball stellen, im Sinne der Mannschaft. Sonst wird es vogelwild.
Das hat auch Jürgen Klopp beobachtet. Der Fußball-Chef des Red-Bull-Imperiums befindet sich in der kuriosen Lage, für MagentaTV die Auftritte einer Mannschaft zu zerpflücken, die er, so die Spekulation, im Falle eines frühen WM-Scheiterns bald selbst übernehmen könnte. Die Positionierung der Offensive löse sich in Chaos auf, kritisierte er: „Wirtz und Musiala waren überall – aber bei jedem Ballverlust war niemand nirgendwo.“ Thomas Müller, Weltmeister von 2014, diagnostizierte „Naivität“.
Wenn Lothar Matthäus in seiner Sky-Kolumne nun eine neuerlich-ungeheuerliche Rückversetzung von Joshua Kimmich ins defensive Mittelfeld fordert, dann denkt er dabei auch nach vorne: Die vielen jungen Spieler und diejenigen, die ihrer Form hinterherlaufen, bräuchten „Hilfe und Unterstützung. Florian Wirtz ist jung, Jamal Musiala ist jung, Aleksandar Pavlovic ist jung. Was können sie Fußball spielen und zaubern!“, schrieb der Weltmeisterkapitän von 1990. „Aber sie brauchen Führung.“
Dabei hat der deutsche Dreizack gar nicht mal zutiefst enttäuscht. Gegen Curacao trafen Havertz (2) und Musiala (1), aber dieses 7:1 ist inzwischen stark relativiert worden. Gegen die Elfenbeinküste (2:1) schien Musiala zu alter Stärke zu finden, er verschwand danach aber wieder im Wurmloch, Wirtz hatte mehrfach gute Ansätze, ohne bisher entscheidend zum Abschluss zu kommen.
Was schmerzt, ist der Gedanke an das Potenzial. Havertz, Wirtz, Musiala, das wäre in jeweiliger Bestform eine Weltklasse-Offensive, die sich selbst vor den sensationell besetzten Franzosen (Dembélé, Mbappé, Olise, Doué) nicht verstecken müsste. So aber ist es eine Ansammlung Hochbegabter, die nicht richtig zündet, eine Feuerwerksrakete mit nasser Lunte: Der Dreizack ist stumpf. „Die Spieler, die eigentlich die Qualität haben, die lassen noch ein bisschen zu wünschen übrig“, sagte Lukas Podolski.
„Ab und zu“, berichtet Wirtz immerhin über das Zusammenspiel mit Musiala, „haben wir ganz gute Kombinationen.“ Aber es sei schwierig, gemeinsam ins Laufen zu kommen. „Wir haben beide meistens direkt jemanden im Rücken.“ Sehr interessant wird es beim Thema Positionen: „Da muss es noch besser werden“, betonte Wirtz, „insgesamt mit allen in der Mitte mehr zu rotieren und gegenseitig Platz zu schaffen.“ Mehr Rotation? Nagelsmann verlangt genau davon weniger.
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