Interview: Manuel Neuer über große Europapokalabende | OneFootball

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·6 April 2026

Interview: Manuel Neuer über große Europapokalabende

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Unsere Reise durch Europa geht in die entscheidende Phase. Wie bereitet man sich auf solche Abende vor? Manuel Neuer im Gespräch mit dem FC Bayern-Magazin „51“ über Druck, Erinnerungen und darüber, wie große Mannschaften in großen Spielen entstehen.

Das Interview mit Manuel Neuer

Manuel, du hast dein erstes Champions League-Finale 2004 als Balljunge erlebt – Monaco gegen José Mourinhos FC Porto. Wie erinnerst du dich an diesen Abend? „Ich war damals im Schalker Internat und habe jeden Tag direkt auf die Arena geschaut. Natürlich hatte ich als Jugendlicher große Träume – aber so ein Finale war kaum greifbar. Mit wie vielen Jungs habe ich damals zusammengespielt, und ein Jahr später waren manche schon nicht mehr da, weil im Nachwuchs so viel aussortiert wird. Bei dem Spiel war ich als Balljunge an der Eckfahne der Südkurve eingeteilt. Es war ein besonderes Erlebnis – auch wenn das Spiel selbst vielleicht nicht zu den spektakulärsten Finals gehört hat und man in Gelsenkirchen schon lautere Abende erlebt hat.“


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Du hast in deiner Karriere viele besondere Spiele bestritten: Champions League-Finals, große K.-o.-Duelle, Turnierendspiele. Wie unterscheidet sich die Vorbereitung auf so eine Nacht von einem normalen Spiel? „Ich bin ein Freund davon, so viel Normalität wie möglich zu bewahren. Natürlich gibt es bei einem Finale äußere Vorgaben – feste Termine für Pressekonferenzen, gemeinsame Auftritte mit dem Gegner. Der größte Unterschied liegt aber eher im Drumherum: mehr Familie und Freunde vor Ort, oft ein Spiel im Ausland, nur dieses eine Finale – kein Hin- und Rückspiel. Die mediale Aufmerksamkeit ist enorm, man ist dem Ganzen auch privat stärker ausgesetzt und beschäftigt sich Wochen vorher damit. Der Ablauf bleibt ähnlich, aber die Dimension ist eine andere.“

Es gibt Spiele und Abende, die sich einprägen. 2012 gehört sicher dazu – dein erstes Champions League-Finale. Wie präsent sind die Bilder noch? „Wir mussten viel einstecken – erst einmal mit der Niederlage umgehen und daraus Kraft schöpfen, um es zu drehen. Das haben wir super hingekriegt, auch mit den Fans im Rücken. Die Bilder kennt man noch: wie wir in der Allianz Arena am Boden lagen und dann die Treppe hochgehen mussten, um die Silbermedaille abzuholen. Solche Momente vergisst man nicht.“

Über das Finale ein Jahr später in Wembley hat Philipp Lahm gesagt, du und Javi Martínez hättet die Mannschaft in der Anfangsphase im Spiel gehalten. Wie schafft man es, in solchen großen Spielen in einer Druckphase stabil zu bleiben – gerade nach dem Erlebnis aus dem Jahr davor? „Dortmund war in der Vorsaison Meister und Pokalsieger geworden. Ein deutsches Finale – das war ein ganz anderer Druck. Wenn du gegen Manchester United, Real Madrid oder Barcelona spielst, ist es ein Fifty-fifty-Duell. Gegen Dortmund wurden wir von vielen als Favorit gesehen. Da sagst du dir: Da dürfen wir uns nicht erlauben zu verlieren. So sind wir auch ins Spiel gestartet – wir waren anfangs nicht ganz da, haben unseren Rhythmus nicht gefunden. Da war es entscheidend, dass Javi sein bestes Spiel im Bayern-Trikot gemacht hat – und dass ich in der ersten Halbzeit gut reingekommen bin.“

2020 warst du erstmals Kapitän in einem Champions League-Finale. Was bedeutet es, in so einem Spiel die Binde zu tragen? „Es ist auf jeden Fall ein großartiges Gefühl. Aber als Torwart bist du ohnehin Führungsspieler, solltest deiner Mannschaft Rückhalt geben. Aber es ist natürlich ein besonderer Moment, wenn du als Kapitän für die Mannschaft den Pokal in den Himmel heben darfst.“

Du hast nach dem Schlusspfiff 2020 gesagt: „Es war eine Erleichterung.“ Ist in solchen großen Spielen nach dem Abpfiff oft zuerst die Erleichterung stärker als die Euphorie? „Ja, absolut. Das habe ich schon vorher so erlebt – nicht nur beim ersten Triple, sondern auch bei der WM 2014. Wenn der Schiedsrichter abpfeift, kommt zuerst eine riesige Erleichterung. Gegen PSG mussten wir viele Druckphasen überstehen, sie hatten gute Chancen. Dass wir das Spiel durch Kingsleys Kopfball entscheiden und das 1:0 ins Ziel bringen konnten, war großartig. Aber im Moment des Abpfiffs überwiegt erst einmal das Gefühl: geschafft. Es dauert einen Moment, bis daraus echte Euphorie wird.“

Welche Erinnerungsstücke hast du dir von großen Spielen aufbewahrt – und was bedeuten dir solche Andenken? „Von den Champions League-Finals 2013 und 2020 habe ich Teile der Tornetze mitgenommen – die lagern aktuell noch ordentlich verstaut zusammen mit den getauschten Trikots bei mir zu Hause. Nach meiner Karriere werde ich mir dann die Zeit nehmen und überlegen, wie und wo ich diese Erinnerungen platziere. Aber ich hoffe natürlich, dass noch ein paar besondere Stücke dazukommen.“

Das Interview erschien in der April-Ausgabe des Magazins „51“ – wie auch dieses Interview mit Real-Legende Emilio Butragueño:

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