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·26 Maret 2026

Köln-Torjägerin Sandra Maria Jessen: "Großes Puzzle mit vielen Einzelteilen"

Gambar artikel: Köln-Torjägerin Sandra Maria Jessen: "Großes Puzzle mit vielen Einzelteilen"

Sandra Maria Jessen, die seit Saisonbeginn für den 1. FC Köln in der Google Pixel Frauen-Bundesliga spielt, avancierte sofort zur Leistungsträgerin. Im DFB.de-Interview spricht die 31 Jahre alte isländische Nationalstürmerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über den FC, ihre Rolle als Mutter, die WM in Brasilien und das Duell mit Eintracht Frankfurt am Samstag (ab 17.55 Uhr, live in der ARD sowie bei MagentaSport und DAZN).

DFB.de: Beim 2:1-Auswärtssieg in Nürnberg gelang Ihnen im siebten Ligaspiel des Jahres der erste Treffer. Wie erleichtert waren Sie darüber, Frau Jessen?


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Sandra Maria Jessen: Es ist natürlich immer ein gutes Gefühl, ein Tor zu erzielen und der Mannschaft damit zu helfen. Die Hauptsache waren jedoch die drei Punkte.

DFB.de: Bis zur Winterpause hatten Sie schon neunmal getroffen. Waren Sie schon ein wenig genervt?

Jessen: Andere Leute haben sich darüber mehr einen Kopf gemacht als ich selbst. Ich wusste, dass es irgendwann wieder funktioniert, wenn wir alle weiter hart arbeiten. Ich spüre die Unterstützung des Trainerteams und der Mannschaft. Das ist mir wichtig.

DFB.de: Während Ihrer Torflaute waren aber auch die Ergebnisse des Teams nicht gut. Das ist kein Zufall, oder?

Jessen: Das kann schon sein. (lacht) Es war aber klar, dass auch mal eine schwierige Phase kommen würde. Wir haben aber immer an uns geglaubt und weitergemacht.

DFB.de: Schon zu Saisonbeginn benötigten Sie genau wie die Mannschaft eine Anlaufzeit, ehe es am 4. Spieltag in Essen mit dem ersten Sieg und den ersten Toren klappte. Fühlten Sie sich ein wenig daran erinnert?

Jessen: Schon ein wenig. Allerdings war es damals eine komplett andere Situation. Als ich nach Köln kam, war die Vorbereitung praktisch schon vorbei. Ich hatte genau drei Trainingseinheiten vor dem ersten Spiel. Da mussten wir uns erst einmal richtig kennenlernen. Von daher war es normal, dass nicht sofort alles glatt lief.

DFB.de: Insgesamt sicherten Sie dem FC mit ihren zehn Saisontreffern bereits zwölf Punkte. Würden Sie sich wünschen, dass auch andere Spielerinnen mehr Tore erzielen?

Jessen: Ich freue mich auf jeden Fall über jeden Treffer von uns, unabhängig von der Torschützin. Grundsätzlich ist unser Spielsystem aber darauf ausgerichtet, dass ich meine Stärken vorne besonders gut einbringen kann. Davon profitiere ich natürlich als Stürmerin.

DFB.de: In der Torjägerinnenliste mischen Sie in der Spitzengruppe mit. Es führt Pernille Harder vom FC Bayern München mit 14 Treffern. Rechnen Sie sich noch Chancen aus, sie abfangen zu können?

Jessen: Ich hätte sicherlich nichts dagegen, mache mir aber keinen Druck. Es sind so viele gute Spielerinnen in der Bundesliga, nur eine kann am Ende die Torjägerkanone gewinnen. Ich werde alles geben, um noch den einen oder anderen Treffer zu erzielen. Aber wie gesagt: Der Erfolg der Mannschaft geht immer vor.

DFB.de: Viele Tore wecken oft Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen. Sie haben Ihren Vertrag beim 1. FC Köln jedoch frühzeitig verlängert. Warum?

Jessen: Ich habe mich vom ersten Tag an wohl und gleich zu Hause gefühlt. Außerdem sehe ich das Potenzial, das im Team und im Verein steckt. Daher gab und gibt es überhaupt keinen Grund, über einen Wechsel nachzudenken.

DFB.de: Was schätzen Sie vor allem am Verein und an der Stadt?

Jessen: Ich habe hier alles, was ich benötige, um besser zu werden. Das Trainerteam und die Mannschaft sind klasse, die Rahmenbedingungen wie die Trainingsplätze passen. Durch die große Unterstützung kann ich mich komplett auf den Fußball konzentrieren, was mir sehr wichtig ist.

DFB.de: Sie sind die erste und einzige Mutter im Team. Wie bekommen Sie Fußball und Familie unter einen Hut?

Jessen: Ich sage immer, es ist ein großes Puzzle mit vielen Einzelteilen. Durch die Hilfe meiner Familie, von Freunden und auch vom Verein ist es aber möglich. Das macht mich glücklich.

DFB.de: War Ihnen immer klar, dass Sie nach Ihrer Schwangerschaft wieder auf höchstem Niveau spielen wollen?

Jessen: Auf jeden Fall. Ich wollte mir unbedingt noch einmal den Traum vom Wechsel ins Ausland erfüllen und auch wieder für die isländische Nationalmannschaft spielen. Es ist nicht einfach, nach einer Schwangerschaft zurückzukommen. Ich habe sehr viel dafür gearbeitet.

DFB.de: Ist Ihre Tochter Ella Ylví auch bei den Spielern immer dabei?

Jessen: Sie freut sich genauso so sehr darauf wie ich. (lacht) Sie darf bei den Heimspielen oft auch mit uns auflaufen. Das ist eine tolle Sache.

DFB.de: Viele Jahre musste der FC um den Klassenverbleib kämpfen. In dieser Saison sah es nach der überraschend erfolgreichen Hinrunde sogar so aus, als könnte das Team in das Rennen um den dritten Tabellenplatz eingreifen. Wie schätzen Sie grundsätzlich das Potenzial und die Perspektiven für die nächsten Jahre ein?

Jessen: Unser Blick geht auf jeden Fall nach oben. Wir haben starke Spielerinnen und ein gutes Trainerteam, alle sind hochmotiviert. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in den kommenden Spielzeiten noch weiter nach oben orientieren können.

DFB.de: Was nehmen Sie sich für den Saisonendspurt vor?

Jessen: Wir haben noch fünf Partien, die wir bestmöglich bestreiten und unseren achten Tabellenplatz mindestens halten wollen. Besonders freuen wir uns natürlich auf das Highlightspiel am 2. Mai gegen den SV Werder Bremen im RheinEnergieStadion (hier gibt's Tickets). Vor einer so großen Kulisse zu spielen, wird etwas Besonderes.

DFB.de: Am Samstag kommt mit Eintracht Frankfurt eine Spitzenmannschaft nach Köln. Im Hinspiel sprang ein 1:1 heraus. Ist erneut eine Überraschung drin?

Jessen: Wir werden hochmotiviert in das Spiel gehen. In der Hinrunde hatten wir aus unserer Sicht mehr verdient als einen Punkt. Wir haben in Frankfurt ein hervorragendes Spiel abgeliefert, dann aber leider noch ein ganz spätes Gegentor kassiert. Wenn ich daran denke, ärgere ich mich immer noch. Dementsprechend wollen wir unbedingt punkten (hier gibt's Tickets).

DFB.de: Könnte es ein Vorteil sein, dass die Eintracht in dieser Woche noch im Europacup im Einsatz war?

Jessen: Dass wir mehr Zeit zur Vorbereitung auf das Spiel haben, während die Eintracht die zusätzliche Belastung wegstecken muss, könnte sicherlich eine Rolle spielen. Dafür müssen wir auf dem Platz vor allem schlau sein und unsere Chance suchen.

DFB.de: Sie haben bereits 57 Länderspiele für Island bestritten. Was bedeutet es Ihnen, für Ihr Heimatland aufzulaufen?

Jessen: Es ist immer etwas Besonderes. Da ich schon einige schwere Verletzungen verkraften musste und auch durch die Schwangerschaft einige Zeit raus war, ist es fast noch intensiver geworden. Wenn wir die Nationalhymne singen, bekomme ich Gänsehaut. Dann ist man auch in der Lage, noch ein paar zusätzliche Prozente mehr zu mobilisieren.

DFB.de: Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Team? Ist die WM 2027 in Brasilien ein Traum?

Jessen: Definitiv. Island war zwar bei einigen EM-Turnieren schon dabei, aber noch nie bei einer Frauen-Weltmeisterschaft. Wir haben in unserer Qualifikations-Gruppe mit Titelverteidiger Spanien und Europameister England zwar die stärksten Gegner. Es gibt anschließend aber noch die Chance, Playoff-Spiele um die WM-Teilnahme zu bestreiten. Es wäre als kleines Land traumhaft, den Sommer 2027 in Brasilien zu verbringen.

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