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·2 Februari 2026

Kommentar: Steffen ist weg – das Kernproblem heißt aber Clemens Fritz

Gambar artikel:Kommentar: Steffen ist weg – das Kernproblem heißt aber Clemens Fritz

Eigentlich klang zu Beginn alles so gut. Horst Steffen sollte Werder Bremen mit seinem attraktiven Offensivfußball wieder nach Europa führen. Dort war Werder unter Ole Werner in der letzten Saison auch fast, doch der etwas pragmatische Stil passte den Entscheidern um Clemens Fritz nicht mehr. Es sollte endlich mehr Spektakel im Weserstadion sein.

Diese Aufgabe sollte Steffen übernehmen, der mit der SV Elversberg in der vergangenen Spielzeit die 2. Bundesliga im Sturm eroberte und erst in der Relegation am 1. FC Heidenheim scheiterte.


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Horst Steffen hielt bei Werder nur knapp sieben Monate durch / picture alliance/GettyImages

Seit dem letzten Sonntag ist auch Horst Steffen in Bremen gescheitert. Der 56-Jährige wurde nach dem 1:1 im Sechs-Punkte-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach entlassen. Eine Entscheidung, die angesichts der Serie von zehn sieglosen Spielen in Folge nachvollziehbar ist. Allerdings bleibt ein großer Makel.

Steffen erfolglos – aber auch mit einem Handicap

Und das ist Clemens Fritz. Denn eigentlich hätte im Zuge der Steffen-Entlassung auch der 45-Jährige gefeuert werden müssen. Ja, Steffen lieferte nicht die Ergebnisse, die gewünscht waren und geriet zuletzt mit den Grün-Weißen wieder in den Abstiegskampf. Und ja, einige seiner Aufstellungsentscheidungen waren auch mehr als fragwürdig. Man denke beispielsweise nur an die Posse um Samuel Mbangula, den Steffen zu einem Schienenspieler umfunktionieren wollte.

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Horst Steffen fand für Samuel Mbangula nie die richtige Position / DeFodi Images/GettyImages

Allerdings konnte der Coach auch nur mit dem arbeiten, das Fritz ihm zur Verfügung stellte – und das war sehr wenig. Der Sportdirektor verantwortete eine chaotische Transferperiode im Sommer, in der er im Sturm alles auf die Karte Victor Boniface setzte, viele Leihspieler erst kurz vor dem oder am Deadline Day kamen und Kadermängel schon früh offenkundig waren.

Insofern muss man Steffen hier etwas in Schutz nehmen. Er hatte erst seine komplette Mannschaft beisammen, als die Bundesliga schon mehrere Wochen lief und der nominell beste Stürmer fehlte quasi dauerverletzt. Fritz hat Steffen durch sein Missmanagement ins offene Messer laufen lassen.

Ein amateurhaftes Verhalten

Was die Sache nicht besser machte: Das Geständnis von Fritz, dass er erst über eine Recherche bei transfermarkt.de erfuhr, dass er im Winter noch sechs weitere Spieler ausleihen kann – so eine Offenbarung habe ich noch nicht erlebt.

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Clemens Fritz' Kaderplanung ließ deutlich zu wünschen übrig / Jürgen Fromme - firo sportphoto/GettyImages

Damit blamierte Fritz nicht nur den Verein bis auf die Knochen sondern auch sich und seine Kredibilität. Man muss es so klar sagen: So ein Verhalten ist amateurhaft und lässt ernsthafte Zweifel an Fritz' Eignung als Sportdirektor.

Eine realitätsferne Kaderplanung

Als Kirsche auf der Torte kam dann das aktuelle Transferfenster. Wir erinnern uns: Schon seit Dezember war klar, dass Victor Boniface aufgrund seiner Knieverletzung in dieser Saison nicht mehr für Bremen auflaufen wird. Und wen holte Bremen mit all diesem Vorlauf an Zeit als Ersatz? Jovan Milosevic – ein Stürmer, der zuvor in der serbischen Liga gut gespielt hatte, aber so gut wie keine Bundesliga-Erfahrung hatte.

Dieser 20-Jährige war die große Lösung von Fritz – und die einzige. Ein weiterer Stürmer kam nämlich nicht, Fritz sehe Werder mit Milosevic im Angriff "gut aufgestellt". Diese Ansichtsweise ist einfach abenteuerlich und freundlich ausgedrückt realitätsfern. Man kann nicht die Sturm-Hoffnungen des ganzen Vereins auf die Schultern eines 20-Jährigen laden, der noch kaum Bundesliga-Erfahrung besitzt.

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Jovan Milosevic kam per Leihe vom VfB Stuttgart / picture alliance/GettyImages

Es hätte noch einen erfahrenen Routinier gebraucht, denn so ist Werder im Sturm jetzt genauso dünn aufgestellt wie vor der Boniface-Entscheidung. Fritz hat es verpasst, die größte Problemzone aufzupolstern, was eigentlich so dringend nötig war.

Und das man mit begrenzten Mitteln ja auch gut arbeiten kann, zeigt ausgerechnet der Rivale aus Hamburg. Auch der HSV ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, allerdings saßen so gut wie alle Transfers, die die Hanseaten machten. Albert Sambi-Lokonga, Nicolai Remberg oder Fabio Vieira sind nur drei Beispiele der guten Arbeit von Fritz' Kollegen Claus Costa.

Werder mittendrin im Abstiegskampf

Durch sein Verhalten auf dem Transfermarkt gibt er in Kombination mit seinen falschen Einschätzungen bezüglich des Kaders und seiner Offenbarung bezüglich weiterer Leihen ein katastrophales Bild ab – das Werder am Ende teuer zu stehen kommen könnte.

Schließlich muss Fritz jetzt den neuen Trainer finden. Und dieser Schuss muss sitzen, ansonsten könnte am Ende der Saison der Gang in die zweite Liga anstehen. Denn auch Heidenheim und St. Pauli wittern aktuell wieder Morgenluft. Und Mainz und der HSV tun das nach dem Sieg in Leipzig bzw. dem Unentschieden gegen Bayern München sowieso.

Es braucht einen Neuanfang im Sommer

Sollte sich Bremen irgendwie in der Liga halten, wonach es aktuell kaum aussieht, dann muss Fritz entlassen werden. Der Sportdirektor hat die schlimmste Saison seit dem Wiederaufstieg zu verantworten und gab dazu ein katastrophales Bild in der Außendarstellung ab.

Deshalb müssen die Grün-Weißen im Sommer einen klaren Schnitt machen und einen Sportdirektor holen, der anders als Fritz nicht überfordert ist in dem, was er tut und den Verein mit seinen Transfers und seiner Kaderplanung dorthin führt, wo er nämlich eigentlich gehört: Ins gesicherte Bundesliga-Mittelfeld und eigentlich auch nach Europa.

Davon können sie sich in Bremen allerdings erstmal verabschieden – udn das vor allem dank der Entscheidungen von Clemens Fritz. Im Sommer muss man die Scherben aufkehren, die er in dieser Saison hinterlassen hat.

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