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·29 Juli 2026

Mancinis Rückkehr in Italien: Kein Neuanfang, sondern ein Rückgriff aus Verlegenheit

Gambar artikel:Mancinis Rückkehr in Italien: Kein Neuanfang, sondern ein Rückgriff aus Verlegenheit

Guardiola sagte ab, Ancelotti sagte ab, Pirlo scheiterte an einem Wettanbieter. Was bleibt, ist keine Überzeugung, sondern eine Reihenfolge.

Wer wissen will, wie es um den italienischen Fußball bestellt ist, muss nicht auf Ergebnisse schauen. Es reicht, den Auswahlprozess zu betrachten, an dessen Ende Roberto Mancini wieder auf der Bank sitzt. Pep Guardiola sagte ab, Carlo Ancelotti sagte ab, Andrea Pirlo schien den Posten sicher zu haben und wurde wegen eines Vertrags mit einem russischen Wettanbieter aussortiert. Antonio Conte war im Gespräch, der Verband landete am Ende bei einem 61-Jährigen, den er schon einmal fünf Jahre lang beschäftigt hatte.


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Roberto Mancini ist kein Neuanfang, das ist ein Rückgriff aus Verlegenheit.

Man muss sich diese Kette in Ruhe ansehen, um ihre ganze Wucht zu verstehen. Erst zerschlug sich Pirlo, dann traten die erst wenige Tage zuvor verpflichteten Sportdirektoren Paolo Maldini und Leonardo zurück, und Giorgio Chiellini lehnte die Rolle ebenfalls ab. Am Ende steht nun Claudio Ranieri als Sportdirektor bereit, 74 Jahre alt, bis 2025 bei der AS Rom verantwortlich. Ein Verband, der binnen weniger Tage einen Sportdirektor verschleißt und dann auf einen 74-Jährigen zurückgreift, sortiert nicht, er improvisiert. Kontinuität sieht anders aus.

Dabei ist Mancinis Rückkehr für sich genommen nicht das Problem. Er hat die Squadra Azzurra 2021 zum EM-Titel geführt, dem bislang letzten großen Erfolg dieser Nation. Aber genau dieser Mann trat vor drei Jahren trotz laufenden Vertrages zurück und wechselte nach Saudi-Arabien, wofür er in der Heimat heftig kritisiert wurde. Zuletzt stand er beim katarischen Meister al-Sadd unter Vertrag. Wer damals ging und dafür angefeindet wurde, kehrt nun zurück, weil die Namen, die man lieber gehabt hätte, nicht wollten: Das ist die ehrlichste Beschreibung dieser Personalie.

Der sportliche Befund macht die Sache nicht leichter. Der viermalige Weltmeister fehlte 2018 in Russland, 2022 in Katar und 2026 in den USA, Mexiko und Kanada bei der WM-Endrunde. Drei verpasste Weltmeisterschaften in Folge sind kein Betriebsunfall, sondern ein Zustand. Gennaro Gattuso, Mancinis Vorgänger, trat nach dem Aus in den WM-Playoffs gegen Bosnien-Herzegowina zurück. Wer viermal Weltmeister war und nun gegen Bosnien-Herzegowina scheitert, hat ein strukturelles Problem, das kein einzelner Trainer allein löst.

Verbandschef Giovanni Malago sagte auf der Pressekonferenz am Dienstag: "Ich bin der Meinung, dass er der richtige Mann ist." Das mag stimmen. Doch der Satz gewinnt seine Bedeutung erst durch das, was ihm vorausging. Mancini ist der richtige Mann, nachdem zwei der besten Trainer der Gegenwart abgesagt haben und der Wunschkandidat an einem russischen Wettanbieter scheiterte. Das ist keine Überzeugung, das ist eine Reihenfolge.

Am 25. September steht das erste Länderspiel unter Mancini an, in der Nations League gegen Belgien, das Ziel heißt EM 2028 in Großbritannien und Irland. Man wünscht diesem Trainer den Erfolg, denn eine Fußballnation ohne die Squadra Azzurra bei den großen Turnieren ist ärmer. Aber die eigentliche Baustelle liegt nicht auf der Bank, sondern in einem Verband, der einen Auswahlprozess wie diesen überhaupt zugelassen hat. Mancini soll die sportliche Wende bringen. Die organisatorische muss der Verband bei sich selbst beginnen.

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