FC Bayern München
·24 Januari 2026
Niederlage gegen FCA soll Startschuss für starke Reaktion werden

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·24 Januari 2026

Als am frühen Samstagabend der Abpfiff in der eiskalten Allianz Arena ertönte, hinterließ er einige fragende Gesichter: 1:2 (1:0) gegen den FC Augsburg, die allererste Saisonniederlage in der Bundesliga für den FC Bayern am 19. Spieltag – und die große Frage, wann es zuletzt eine Heimniederlage überhaupt gegeben hatte. Am 8. März 2025 war es gewesen.
Und wie damals gegen den VfL Bochum (2:3) begann auch diesmal die Partie wie gewohnt für den Tabellenführer: Der FC Bayern ließ den Ball zirkulieren, suchte bei Minusgraden vor 75.000 Zuschauern die eine, entscheidende Lücke in der vielbeinigen Gästeabwehr.
Diese fand er nach einem Eckball von Michael Olise in der 23. Spielminute. Dessen hohe Hereingabe – bereits die 14. Torvorlage in dieser Saison des Franzosen – köpfte Hiroki Ito am hinteren Pfosten ins Augsburger Tor. Es war der erste Torschuss der Gastgeber bis dahin, die an einem frostigen Nachmittag Mühe hatten, dem schier erdrückenden Ballbesitz von zeitweise über 75 Prozent auch gefährliche Torszenen hinzuzufügen. Dennoch war es bereits das neunte Tor nach einer Ecke – keine Bundesligamannschaft erzielte mehr Treffer auf diese Weise.
Augsburg beschränkte sich – wie nicht anders zu vermuten war – vor allem aufs aggressive Verteidigen. Die Gäste taten dies mit aufopferungsvoller Laufbereitschaft, sehr disziplinierter Defensivtaktik und kollektivem Dagegenhalten. Räume ergaben sich in etwa so wenige wie auf dem proppenvollen Marienplatz an einem herrlich sonnigen Sommertag. Besonders auf den Münchner Außenbahnen gelang es den Gästen aus Schwaben, dem Zauberduo Luis Díaz und Michael Olise mit einem listigen Gegenzauber viel ihrer Magie zu rauben.
Nach dem Führungstreffer schien Augsburg kurzzeitig verwundbar, doch in der gefährlichsten Szene, einem Flachschuss von Díaz durch die Beine von Finn Dahmen, hatte der Gästekeeper Glück, dass der Ball hinter seinem Rücken noch entscheidend abgefälscht am Pfosten vorbei ins Toraus trudelte (27.).
Offensiv waren die Gäste bis dahin nicht nennenswert in Erscheinung getreten. Einerseits, weil die ausfallgeplagte Defensivreihe der Bayern hellwach agierte – Alphonso Davies feierte als Rechtsverteidiger seinen ersten Startelfeinsatz nach Kreuzbandverletzung nach über neun Monaten. Gegenüber verteidigte diesmal Hiroki Ito.
Andererseits beschränkte sich Augsburg vor allem aufs Zustellen der Räume vor dem eigenen Tor. Einen der wenigen Gästekonter setzte mit dem Pausenpfiff Robin Fellhauer als ernste Warnung ans Lattenkreuz von Jonas Urbig. Der junge Keeper kam zum vierten Mal in dieser Saison in der Liga zum Einsatz. Mehr als nur Mut aber nahm Augsburg dadurch nicht mit in die Kabine: 444:149 Pässe waren ein beeindruckendes Zeugnis der drückenden Überlegenheit der Gastgeber.
Augsburg aber brachte nach Wiederanpfiff das Kunststück fertig, sich nicht etwa müde Beine und einen müden Kopf gelaufen zu haben. Sondern die Gäste trauten sich angesichts des knappen Ergebnisses nun auch vorn mehr zu. Das überraschte die Bayern, die nach einer ersten Drangphase zunehmend Probleme mit der Widerspenstigkeit ihrer Gäste bekamen. „Es gibt Spiele, da spielt der Gegner gut, und wir sind gerade in einer Phase mit fünf Spielen in 13 Tagen. Aus Erfahrung weiß man, dass in solchen Phasen auch mal etwas passieren kann“, sagte Vincent Kompany.
Der Chefcoach des FC Bayern reagierte mit mehreren Auswechslungen, darunter auch dem Heimcomeback von Jamal Musiala mit der Rückennummer „10“ – das letzte Mal hatte man den Münchner Ausnahmekönner am 29. März 2025 in der Allianz Arena bestaunen dürfen. Doch die Kontrolle über das Spiel brachte auch Musiala nicht zurück – nun musste Urbig einige Male beweisen, was in ihm steckt. So auch bei einem gefährlichen Freistoß des auffälligen Alexis Claude-Maurice, den der Bayernkeeper gerade noch so mit den Fingernägeln um den Pfosten lenkte.
Es hatte sich aber doch angekündigt, was kommen musste: Augsburg bestrafte den FC Bayern für zu wenig Dominanz, Energie und Torgefahr in Hälfte zwei und kam mit dem darauffolgenden Eckball irgendwie per Hinterkopf zum Ausgleich (Chaves, 75.). Nur sechs Minuten später schob Han-Noah Massengo zu allem Unglück ziemlich freistehend auch noch zur Gästeführung ein (81.). „Ich glaube, in der zweiten Halbzeit haben wir die Energie nicht mehr auf den Platz gebracht“, fand Kompany. „In der zweiten Hälfte haben wir es nicht geschafft, das Energielevel zu matchen, das der Gegner auf den Platz gebracht hat“, resümierte Jonathan Tah. Das 1:2 war das Ergebnis von bis dahin 1:6 Torschüssen in Hälfte zwei.
Insgesamt ließ der FC Bayern in diesen 90 Minuten 16 Versuche auf sein Gehäuse zu – in einem Pflicht-Heimspiel unter Vincent Kompany waren es zuvor nur einmal so viele: Mitte Mai 2025 gegen Borussia Mönchengladbach (2:0). „Wir hatten nicht Chance um Chance, sondern haben unser Top-Level nicht erreicht“, ärgerte sich Joshua Kimmich. Max Eberl, der Sportvorstand, ergänzte: „Wir müssen in jedem Spiel an unser Limit gehen, das haben wir heute nicht getan.“
In der Schlussphase drückte der FC Bayern zwar noch einmal aufs Augsburger Tor, Kompany löste die Viererkette auf, brachte Afrika-Cup-Sieger Nicolas Jackson ins Spiel und schickte in der Schlussphase sogar Keeper Urbig bei einem Eckball nach vorn – mehr als ein sehenswerter Schlenzer ans Lattenkreuz in der letzten Szene der Partie durch Michael Olise sprang für den FC Bayern aber nicht mehr heraus.
„Wir dürfen jetzt nicht alles infrage stellen, sondern müssen akzeptieren, dass es heute nicht unser Tag war“, forderte Vincent Kompany gleich kämpferisch. Die richtige Reaktion forderte nun im Champions-League-Auswärtsspiel bei PSV Eindhoven am kommenden Mittwoch nicht nur Max Eberl, sondern auch Joshua Kimmich: „Für uns ist es dahingehend vielleicht interessant, weil es im Kopf etwas schwerer wiegt, wenn man verliert. Deswegen freue ich mich schon, eine Reaktion zu zeigen.“ Jonathan Tah, der Verteidiger, sprach gar von Wut: „Die Wut, die jetzt in uns steckt, wollen wir im nächsten Spiel auf den Platz bringen und wieder unsere Qualität und Energie zeigen.“
Erst zum vierten Mal in diesem Jahrtausend hatte der FC Bayern ein Bundesliga-Heimspiel nach Halbzeitführung noch verloren. Das letzte Mal gegen Bochum, am 8. März des Vorjahres. „Dieses Spiel heute“, schloss Kimmich, „wird uns jetzt nicht in eine Krise stürzen.“ Und auch Harry Kane versprach: „Das Wichtigste, was wir tun können, ist zurückzukommen - mit einer Reaktion auf dem Platz. Wir werden jetzt keine Panik bekommen.“
Die Stimmen zum Spiel gegen Augsburg:








































