Rund um den Brustring
·11 Mei 2026
Noch ein Schritt

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·11 Mei 2026

Beim immens wichtigen Heimsieg gegen Leverkusen bringt der VfB endlich wieder die Eigenschaften auf den Platz, die ihn so stark machen und erkämpft sich damit die große Chance, mit einem Sieg in Frankfurt in die Champions League einzuziehen.
Es geht doch: Ermedin Demirovic trifft, Deniz Undav trifft, Maxi Mittelstädt versenkt mit der kältesten aller Schnauzen einen Elfmeter mit dem Halbzeitpfiff und alle drei lassen gemeinsam mit ihren Mannschaftskollegen den Gästen aus Leverkusen so wenig Chancen im direkten Duell um Platz 4, dass Alex Nübel sich kaum richtig auszeichnen kann und am Samstag nachmittag vor allem einigermaßen harmlose Flanken aus dem Stuttgarter Frühlingshimmel pflückt. Kurz: Der VfB hat geliefert und damit die zuletzt teilweise schwachen Auftritte gegen Freiburg, Bremen und Hoffenheim korrigiert. Vielleicht war es am Ende wirklich der Tatsache geschuldet, dass wir vergangenes Wochenende durch das Remis in Hoffenheim und den deutlichen Leverkusener Sieg aus den Champions-League-Plätzen rutschten und damit die Qualifikation für diesen Wettbewerb etwas aus der Hand gegeben hatten. Es wäre übertrieben zu sagen, die Mannschaft hätte am Samstag mit dem Rücken zur Wand gestanden, aber der Druck war definitiv da. Und wir hielten stand und machten aus dem Heimspiel mal wieder einen dieser besonderen weiß-roten Feiertage im Neckarstadion.
Und das obwohl Ramon Hendriks mit seinem Ballverlust im Mittelkreis das nächste sehr vermeidbare Gegentor einleitete, welches den VfB früh in Rückstand brachte. Ich hatte ja schon befürchtet, dass so etwas nur der Auftakt zur Fortsetzung der Patrik-Schick-Festspiele sein würde, aber der Stürmer der Gäste blieb auch dank einer im Anschluss hochkonzentrierten Abwehrleistung von Chabot und Co. nahezu unsichtbar, leitete gar mit einem Fehler das vorentscheidende 3:1 ein. Stattdessen glänzte jemand anders. Ermedin Demirovic, der angeblich so gar nicht ins System passt, erzielte seinen zwölften Saisontreffer, schmiss sich vorne in jede Flanke, holte einen Elfmeter raus und gab der Leverkusener Clownstruppe auch bei der Rudelbildung kurz vor Abpfiff noch ordentlich Contra. Nicht umsonst widmen die Kollegen vom Vertikalpass ihm einen eigenen Artikel und konstatieren: “Die Scorer sprachen schon immer für Demirovic, welchen Wert er als Mentalitätsspieler für die Mannschaft haben kann, haben wir gegen Leverkusen gesehen. Dass er gerne rudelt und sich nichts bieten lässt wussten wir schon immer. Und vorne drin mit seinem Kumpel Deniz Undav vor ihm auf der Zehn fühlt er sich am wohlsten – Demirovic muss nur richtig eingesetzt werden.” Die Bezeichnung Mentalitätsspieler trifft es ziemlich gut, er war aber damit an diesem Tag nicht der Einzige.
Wichtig auch, dass Deniz Undav wieder traf — wunderbar eingeleitet von Demirovic und einer Flanke von Jamie Leweling — und damit seinen Wert für die Mannschaft auch mit etwas Zählbarem unterstrich. Am Samstag klickte einfach alles beim VfB, der auch von einem nach dem Spiel in der Vorwoche überraschend schwachen Auftritt der Gäste profitierte. Gleichzeitig ensteht eine Bilanz von 20 zu 6 Torschüssen aber auch nicht per Zufall, sondern weil die Mannschaft im Brustring zeigte, dass sie den Ernst der Tabellensituation erkannt hat und nach längerer Zeit mal wieder an ihr Limit ging — mehr war gegen dieses Leverkusen auch gar nicht nötig, weniger wäre aber nicht gut gegangen. Durch die etwas überraschende Niederlage eines Europapokalfinalisten aus dem Breisgau wird auch genau diese Leistung auch am letzten Spieltag vonnöten sein, denn für die Frankfurter Eintracht und insbesondere ihren Trainer geht um nicht viel weniger, als darum, ihre Saison mit dem Einzug in die Conference League noch halbwegs zu retten. Ohnehin wäre es fatal, jetzt den Fuß vom Gas zu nehmen, durch die Tabellensituation sollten die Sinne aber zusätzlich noch einmal geschärft sein.
Wenn es uns gelingt, nochmal für 90 Minuten die gleiche Energieleischdung (Hoeneß-Voice) auf den Platz zu bringen wie gegen Leverkusen, wird aus einer guten eine herausragende Saison für den VfB — ganz egal wie das Pokalfinale ausgeht. Übrigens nicht nur für die Bundesliga-Mannschaft. Am vergangenen Wochenende haben die Frauen die Zweitliga-Meisterschaft und den Aufstieg in die erste Liga klargemacht und auch die A- und die B‑Jugend können diese Saison mit einem Titel abschließen — die U17 mit der Deutschen Meisterschaft, die U19 mit dem Pokalsieg. Und selbst für den hoffentlich unwahrscheinlichen Fall, dass es mit der Champions League nichts wird, muss man zwischendurch einmal festhalten, in welch guter Situation sich unser VfB und damit auch wir als Fans befinden. Das darf natürlich nicht zu Selbstzufriedenheit führen, sondern sollte alle anspornen, auch noch den nächsten, für diese Saison letzten Schritt zu machen. Aber wir sind schon sehr weit gekommen.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass warnt vor dem Finale von “Wer wird Millionär”: “Der VfB hat noch nichts erreicht, sollte die Eintracht nicht unterschätzen und das Pokalfinale gegen München muss erst recht aus den Köpfen.” Stuttgart.international feiert “Wildsau” Demirovic und stellt fest: “Allein mit Hacke-Spitze erreicht man im Fußball aber nichts. Dafür braucht es Spieler, die rempeln und grätschen.”
Titelbild: © Adam Pretty/Getty Images
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