Fussballnationalmannschaft.net
·7 Juli 2026
Rudi Völler bleibt beim DFB: Breite Zustimmung von Red Bull, DFB & der Bundesliga

In partnership with
Yahoo sportsFussballnationalmannschaft.net
·7 Juli 2026

Rudi Völler bleibt Sportdirektor beim DFB. Nach einigen Tagen des Nachdenkens hat der Weltmeister von 1990 entschieden, seinen bis 2028 laufenden Vertrag zu erfüllen, auch unter dem neuen Wunsch-Bundestrainer Jürgen Klopp. „Ich mache weiter“, sagte Völler am Dienstag auf dem DFB-Campus in Frankfurt, wo er eine kleine Runde ausgewählter Medienvertreter zu Bilanz und Ausblick geladen hatte. Es war sein erster ausführlicher Auftritt seit dem blamablen WM-Aus in der ersten K.-o.-Runde.

DFB-Sportdirektor Rudi Völler will seinen Vertrag bis 2028 erfüllen, jetzt an der Seite von Wunsch-Bundestrainer Jürgen Klopp. (Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images North America via Getty Images)
Wirklich überraschend kam die Zusage nicht. Anders als Julian Nagelsmann, der für das Scheitern verantwortlich gemacht und von Öffentlichkeit wie Verbandsführung zum Rücktritt gedrängt wurde, hatte den Abschied des allseits beliebten Völler kaum jemand gefordert. Trotzdem rang der 66-Jährige mit sich. „Entscheidend ist der sportliche Erfolg, dem muss ich mich auch stellen. Für mich ging es darum: Macht es noch Sinn? Bin ich noch gewollt?“ Auf diese Fragen habe er in den vergangenen Tagen eindeutige Antworten bekommen.
Den Ausschlag gab am Ende eine breite Rückendeckung aus der Spitze des deutschen Fußballs. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Liga-Boss Hans-Joachim Watzke hätten ihm ebenso gut zugeredet wie mehrere Entscheider aus der Bundesliga, berichtete Völler. Jürgen Klopp selbst habe sich am vergangenen Samstag gemeldet und ein längeres Telefonat mit ihm geführt.
Jürgen Klopp neuer Bundestrainer?
Der wohl bemerkenswerteste Anruf kam aber von anderer Stelle: Als sich mit Oliver Mintzlaff auch der Geschäftsführer von Red Bull und damit der Noch-Arbeitgeber von Wunschkandidat Klopp einschaltete und Völler zum Weitermachen ermutigte, sei die Entscheidung gefallen. „Diese breite Zustimmung war wichtig, dass ich es auch weitermache“, sagte Völler. „Der Job ist wichtig, und ich weiß, dass ich noch helfen kann.“ Allerdings nur wie geplant bis zur EM 2028 in Großbritannien und Irland, „und das ist dann auch endlich“. Diesen Satz, räumte er offen ein, habe er allerdings schon öfter gedacht „und mich dann immer wieder umstimmen lassen“.

Abschlusstraining der deutschen Nationalmannschaft vor dem Länderspielgegen Frankreich 11.09.2023, SIGNAL-IDUNA-PARK Dortmund Sandro Wagner Co Trainer, interimsweise Deutschland Rudi Völler Direktor Nationalmannschaft und Trainer Deutschland Hannes Wolf Co Trainer (Copyright Imago)
In den Tagen nach der Rückkehr aus den USA hat Völler das frühe WM-Aus gegen Paraguay aufgearbeitet. „Es ist selbstverständlich, dass ich mich nach einem solchen Turnier auch selbst hinterfragt habe“, sagte er, konkrete Selbstvorwürfe folgten daraus aber nicht. Beim belanglosen letzten Gruppenspiel gegen Ecuador hätte er zwar eine stärkere Rotation bevorzugt, in Nagelsmanns Entscheidungen habe er aber bewusst nicht eingegriffen: „Man darf Julian nicht die Leichtigkeit nehmen, die er gebraucht hat für den Job. Gerade die jugendliche Unbekümmertheit war doch seine Erfolgsformel.“
Die Kritik an der Wahl des Basecamps in Winston-Salem wies er entschieden zurück. „Auf das Quartier lasse ich nichts kommen. Es war kein Luxusbunker, aber ein ordentliches Hotel, nicht mehr und nicht weniger. Und die Trainingsbedingungen waren sensationell.“ Auch das oft angeführte Klima sei ein Alibi: „Die Norweger waren 30 Minuten von uns entfernt und sind noch im Turnier.“ Unterschätzt habe der Verband dagegen „die Wucht und die Macht der Fotos“. Dass Nagelsmanns Ehefrau Lena Wurzenberger bei einer gemeinsamen Radtour zum Training abgelichtet wurde, „das hat der Sache nicht gutgetan“. Zugleich stellte Völler klar: „Aber deswegen haben wir nicht drei Elfmeter verschossen gegen Paraguay.“
Gescheitert sei Nagelsmann letztlich an der Kommunikation rund um verschiedene Personalien. „Julian hat leider diesen Kredit, den er relativ lange hatte, schon vor der WM und dann auch während der WM nicht mehr gehabt. Das empfand ich als ein bisschen ungerecht.“ Doch die Entscheidungen und die Art, sie zu verkünden, hätten in der Mannschaft zu schlechter Stimmung geführt, am Ende habe es „keine Basis mehr“ für eine Zusammenarbeit gegeben.
Der Blick nach vorn fällt Völler sichtlich leichter. „Jürgen Klopp ist ein Glücksfall, wie Julian vor knapp drei Jahren auch ein Glücksfall war“, sagte er über den Wunschkandidaten. „Er hätte es schon seit vielen Jahren verdient gehabt, den Job zu bekommen.“ Die beiden verbindet dabei eine fast vergessene Episode: In Klopps Zeit als Trainer bei Mainz 05 hatte Völler als Geschäftsführer von Bayer Leverkusen versucht, ihn an den Rhein zu lotsen. Klopp entschied sich damals jedoch für das Angebot aus Dortmund.

Jürgen Klopp und Salah sind wieder Tabellenführer (Foto aFP)
Nun kommen die beiden erstmals auf Arbeitsebene zusammen, und Völlers Rolle wird eine andere sein als neben dem 21 Jahre jüngeren Nagelsmann. Er wird nicht mehr, wie zuletzt nach der Ecuador-Enttäuschung, den Verteidigungsminister geben müssen, um dem jüngsten Trainer des Turniers den Rücken freizuhalten. An der Seite des erfahrenen 59-Jährigen kann sich der Sportdirektor stärker um die strukturelle Arbeit kümmern.
Nebenbei will Völler jüngere Kräfte für die Führungsarbeit beim DFB gewinnen und anlernen. Konkret denkt er dabei an die Weltmeister von 2014: Thomas Müller, Per Mertesacker, Mats Hummels oder Sami Khedira. Sie seien langsam in einem Alter, in dem einst auch seine eigene Quereinsteiger-Karriere beim Verband als Teamchef begann.
Bei aller Zuversicht benannte Völler aber auch die sportliche Realität. Das dritte frühe WM-Aus in Serie sei „kein Zufall“: „Auf gewissen Positionen sind wir auch nicht mehr absolut top, absolute Weltklasse. Da muss man dran arbeiten.“ Genau das ist von nun an seine Aufgabe, gemeinsam mit Jürgen Klopp und mit dem Ziel, die Nationalmannschaft bis zur Heim-EM 2028 wieder an die Spitze zu führen.
Langsung


Langsung


Langsung



































