FC Bayern München
·30 Januari 2026
Stetiges Lernen & Idol Kompany: Schönes Weg zur Pro-Lizenz

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·30 Januari 2026

Sie steht an diesem Freitag wie so oft sehr früh auf dem Trainingsplatz. Vorbereitungen auf die nächste Einheit der neuen Woche. Es ist ein bekanntes Bild am FC Bayern Campus. Clara Schöne, Co-Trainerin beim FC Bayern, ist in diesem Monat in die Pro-Lizenz gestartet. Mit derselben Konsequenz, Neugier und Haltung, die sie von der Schulzeit mit ersten Trainerscheinen bis an die Seitenlinie geführt haben. Ihr Kurs lebt von Heterogenität und Vertrauen, ihr Alltag von Struktur und dem feinen Blick für Details. Geschärft an der Seite von Cheftrainer José Barcala. Zwischen Videoanalyse und Kabinenfragen, zwischen Blockverhalten und Reiseplänen zeigt Schöne, wie moderne Trainingsarbeit wächst: offen im Diskurs, geschlossen im Team. Ein Gespräch über Rhythmus, Anspruch, das Lernen als Dauerzustand, über Vorbild Vincent Kompany und versteckte Trainertalente im Kader der Münchnerinnen.
Clara, der Entschluss, Trainerin zu werden – war das ein Moment, ein Mensch oder eher ein sanftes Hinübergleiten? Clara Schöne: „Die ersten Trainerscheine habe ich schon in der Schulzeit gemacht – ich war auf einem Fußballgymnasium. Statt Schullandheim ging es für mich zur Lizenz. Meine Lehrgangsleiterin war damals Fritzi Kromp, heute Trainerin in Bremen. Sie sagte am Ende des Lehrgangs zu mir: „Du machst das richtig gut, das wäre was für dich.“ Das war der erste Aha-Moment. Später musste ich meine aktive Karriere wegen meiner Verletzungen etwas früher beenden. Mir war damals recht schnell klar: Ich liebe Mannschaftssport, den täglichen Austausch, das gemeinsame Lösen von Aufgaben. Ich muss im Fußball bleiben. Und natürlich liebe ich es, auf dem Platz zu stehen. Über Jay (Anm. d. Red.: Spitzname von Bianca Rech) kam der Kontakt zu Bayern, kurz darauf wurde ich Co-Trainerin der zweiten Mannschaft unter Nathalie Bischof. Ich habe mir gesagt: Ich probiere es, und wenn es nicht das Richtige ist, suche ich mir etwas anderes. Parallel habe ich Sportwissenschaft studiert und meinen Bachelor gemacht.“
Am 20. Januar bist du in die Pro-Lizenz gestartet, zwei Jahre nach deiner erfolgreich abgeschlossenen A-Lizenz. Kannst du uns ein wenig von der Gruppe erzählen: Was hält sie zusammen, was formt Ton und Takt? „Der Lehrgang lebt ganz klar von den Menschen. Wir sind bewusst heterogen: Trainerinnen und Trainer aus unteren Ligen, Co-Trainer aus der Bundesliga, Champions-League-Co-Trainer, Cheftrainer aus der 3. Liga, ein Cheftrainer aus der 1. Liga – dazu zwei Frauen und Kolleginnen aus dem Frauenfußball. Das Grundprinzip lautet: „offen nach innen, geschlossen nach außen“. Intern schaffen wir einen Vertrauensraum, teilen Dinge. Der erste Block diente dem Kennenlernen: Feedback in Kleingruppen, abends ein kleines Turnier in gemischten Teams – unter anderem mit Darts. Selbst die Kaffeepausen sind so gelegt, dass alle miteinander sprechen. Es war wirklich stark: viele spannende Charaktere, viel Neugier, viel Haltung. Genau davon lebt der Kurs.“
Warum hast du dich genau jetzt für die Pro-Lizenz entschieden – und nicht ein Jahr früher oder später, wie es der Alltag manchmal diktiert? „Die A-Lizenz war ein intensives Jahr, damals als Cheftrainerin der zweiten Mannschaft. Danach bin ich in die Co-Rolle gewechselt, allerdings in der ersten Mannschaft: neuer Cheftrainer, neue Aufgabe, viel neuer Input. Ich wollte die Pro-Lizenz nicht einfach „abhaken“, sondern wirklich alles mitnehmen. Dafür musste ich mich bereit fühlen. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich gemerkt: Es hat sich eingespielt, ich möchte mehr sehen, hören, lernen. Auslöser war auch ein Foto des letzten Pro-Lizenz-Jahrgangs mit Eva (Anm. d. Red.: Eva-Maria Virsinger, Cheftrainerin Frauen TSG Hoffenheim) und Sabrina (Anm. d. Red.: Sabrina Wittmann, Cheftrainerin Herren FC Ingolstadt). Ich kenne sie beide gut, habe mit ihnen gesprochen; die Botschaft war klar: „Mach das unbedingt, es ist ein tolles Jahr.“
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Du hast eben schon die interessanten Charaktere angesprochen. Wer ist noch mit dabei – und welche Themen kommen auf? Auch jene, die sich speziell an den Frauenfußball richten? „Ich kannte vorab Thomas Oostendorf (Anm. d. Red.: Cheftrainer Frauen 1. FC Nürnberg) und Jacqueline Dünker (Co-Trainerin Frauen 1. FC Köln). Dazu sind unter anderem Malik Fathi (Co-Trainer Herren VfB Stuttgart), Cedrick Makiadi (Cheftrainer U19-Junioren Werder Bremen) und Daniel Bauer (Cheftrainer Herren VfL Wolfsburg) dabei. In der Runde entstehen im Prinzip zwei Arten von Fragen. Erstens die ganz praktischen, weil vieles im Männerbereich schlicht nicht präsent ist: „Dürft ihr auch in die Kabine?“ Wie sind Zuständigkeiten geregelt? Zweitens die sehr fachlichen: Wie baut ihr Videoanalysen auf? Wie verzahnt ihr Matchplan und Gegneranalyse? Wie lange dauern Besprechungen, wie teilt ihr Aufgaben im Trainerteam? Sogar Reiseorganisation: Fliegen wir, wenn ja: wann, wie sieht ein Reisetag aus? Besonders positiv war Daniel Bauer: auf dem Papier als Bundesliga-Trainer ganz oben – und trotzdem extrem neugierig, lernbereit, respektvoll. Er wollte genau verstehen, wie wir arbeiten. Es ist ein sehr guter Austausch auf Augenhöhe.“
Wie kann man sich einen Lehrgang konkret vorstellen – für die Pro- wie für die A-Lizenz? „Sehr unterschiedlich. Wir planen Trainingsformen, führen sie durch, filmen Einheiten und nehmen auch unsere Besprechungen und Videoanalysen auf – anschließend reflektieren wir das gemeinsam. Thematisch geht es zum Beispiel um „Blockverhalten“, also das Blocken von Schüssen: Wir definieren Prinzipien und erarbeiten, wie wir sie auf dem Platz umsetzen. Dafür setzen wir uns gezielt mit Spezialcoaches zusammen, etwa mit dem Torwarttrainer, um deren Perspektive zu verstehen. Es kommen auch externe Persönlichkeiten. Der Kurs lebt aber vor allem von der Gruppe.“
Wie schlägt sich der Lehrgang in deinem Kalender nieder – und wie organisierst du Anspruch, wenn der Spielplan eng ist? „Monatlich: Anreise am Sonntag, Abschluss am Mittwoch. Zwischen den Blöcken gibt es Hausaufgaben mit Deadlines – viele kleine Prüfungen, am Ende eine große Abschlussarbeit. Die Herausforderung ist vor allem die Menge, weil der Ligabetrieb dicht ist und freie Tage selten sind. Wenn du im Tool sechs offene Aufgaben siehst und übermorgen ist Spiel, steigt der Druck natürlich ein wenig. Dann hilft Struktur: feste Zeitfenster setzen, Aufgaben priorisieren, eine Stunde wirklich konzentriert arbeiten. Lieber kurz und intensiv als lang und zerstreut. Bislang sind die Termine gut gelegt, meist am Wochenanfang und oft in oder am Rand von Länderspiel- und Sommerpausen. So lässt es sich mit dem Kluballtag besser verbinden.“
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Auch Hospitationen gehören dazu – aber wohin, wenn ihr ohnehin schon eine Englische Woche habt? „International schauen wir bei Vereinen über die Schulter – im Vorjahr war der Kurs beispielsweise drei, vier Tage bei Brighton bei Fabian Hürzeler. Du läufst mit, siehst Trainingsplanung und -durchführung, beobachtest Abläufe vom Morgenmeeting bis zur Nachbereitung und bekommst ein Gefühl für Rhythmus, Sprache, Detailtiefe. Mich reizt besonders der Nationalmannschaftsbereich: völlig andere Zyklen, man sieht sich nur alle drei bis fünf Wochen, plant langfristiger, strukturiert Tage anders, setzt Schwerpunkte kompakter.“
Blicken wir auf deine Arbeit beim FC Bayern: Gemeinsam mit Kjetil Lone bist du Co-Trainerin von José Barcala. Was lernst du von ihm – im Kleinen wie im Großen? „José ist in individueller Taktik und Technik herausragend, besonders in der Entwicklung einzelner Spielerinnen. Er erkennt Details, die den Unterschied machen, und übersetzt sie in klare Trainingsimpulse. Das schärft meinen Blick: Wo braucht es individuelles Coaching, bevor wir an kollektiven Stellschrauben drehen? Gleichzeitig erlebe ich ihn in Abläufen und Ansprache sehr strukturiert. Das hilft mir, meine Inhalte noch präziser zu setzen und die Entwicklung einer Spielerin nicht dem Zufall zu überlassen, sondern planbar zu machen. Darüber hinaus beeindruckt mich sein Umgang mit dem Staff, den Spielerinnen, ja, mit dem gesamten Team. Er ist ein Menschenfänger, der mit seiner positiven Art ansteckt. Ich profitiere enorm von ihm.“
Ein Vorbild von außen? „Vincent Kompany: seine Ruhe, Gelassenheit, die Schutzfunktion für die Mannschaft – und zugleich die Aktivität auf dem Platz. Dass Cheftrainerinnen und Cheftrainer in Trainingsformen mitmachen, wird nicht überall gern gesehen. Kompany zeigt, wie viel das bringen kann: Man nimmt Abstände und Dynamiken auf dem Feld anders wahr. Solange Qualität und Sinn stimmen, gehe ich rein, ich selbst ja auch. Auch wenn ich seit sechs, sieben Jahren raus bin und nur noch selten spiele (lacht).“
Hilft dir deine Spielerinnen-Vita sehr in deiner täglichen Arbeit – du warst ja eher defensiv orientiert? „Ich habe in der Verteidigung angefangen, viel auf der Sechs gespielt, teilweise auf der Zehn und am Flügel – die Perspektivwechsel helfen. Aktuell habe ich witzigerweise die Angreiferinnen in meiner Trainingsgruppe, also nicht die Verteidigerinnen. Das macht mir total Spaß. Es gibt Spielerinnen wie Pernille Harder, die mich sehr fordern – dann will ich liefern und mich reinarbeiten, auch wenn ich die Position nicht selbst gespielt habe. Am Ende ist das Fußballverständnis entscheidend, nicht die Positions-Vita.“
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Wer könnte eines Tages aus dem aktuellen Kader an der Linie stehen – und warum? „Sehr viele. Wenn ich auf die Schnelle drei nennen müsste, wären es Glódís Viggósdóttir, Pernille Harder und Magdalena Eriksson: enormes Fußballwissen, gepaart mit Menschlichkeit, Führung, Ausstrahlung. Wir haben sogar schon gescherzt: Nach einer Ansprache von Glódís beim World Sevens in Portugal haben wir ein Foto gemacht und gesagt – vielleicht ist das 2040 das Trainerteam des FC Bayern (lacht).“
Vielen Dank für deine Zeit, Clara. Und weiterhin viel Erfolg bei deiner Lizenz. „Vielen Dank.“
🏟️💫 Die FC Bayern Frauen bestreiten ihr Champions League-Viertelfinale in der Allianz Arena:
❌ Das Duell der FC Bayern Frauen beim FC Carl Zeiss Jena wurde abgesagt:








































