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·16 Juni 2026
Transfer-Stau: Warum die 3. Liga aktuell kaum Spieler verpflichtet

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·16 Juni 2026

Die Fußballwelt schaut dieser Tage wie gebannt nach Nordamerika. Dabei gilt es auch hierzulande, die nächste Saison im Vereinsfußball zu planen. Doch wer aktuell täglich den Transfer-Ticker aktualisiert, mag etwas enttäuscht sein: In der 3. Liga prägen Vorsicht und Zurückhaltung das Geschehen. liga3-online.de schaut auf die Gründe – und wer entgegen des Trends handelt.
Zumindest im Aussortieren haben sich die Drittligisten bis dato wenige Blöße gegeben: Gut 170 Abgänge stehen schon jetzt, Mitte Juni und damit fast zwei Monate vor dem Saisonstart, fest. Viele weitere werden folgen, wenn im Laufe der Sommervorbereitung oder spätestens nach dem Saisonbeginn enttäuschte Profis auf der Suche nach Spielpraxis die Flucht ergreifen. Doch weniger als eine Woche, bevor am 22. Juni mit dem SV Meppen und Viktoria Köln die ersten Klubs ihr umfangreiches Saison-Warmup starten, ist auf dem Transfermarkt in beide Richtungen Ruhe eingekehrt.
Vor allem auf der Zugangsseite, auf der ohnehin erst (Stand 16. Juni) 58 Spieler stehen – Leih-Rückkehrer nicht berücksichtigt. Das macht erst drei neue Gesichter pro Verein. Kurzer Vergleich: Im Sommertransfer-Zeitraum 2025/26 gingen 214 Fußballer ein neues Vertragsverhältnis bei einem Verein der 3. Liga ein. Um diesen Wert zu erreichen, muss jeder Klub im Schnitt noch fast acht Spieler verpflichten.
Nun ist noch massig Zeit, offiziell wird das Transferfenster schließlich erst nach dem 30. Juni auf Durchzug gestellt und am 1. September geschlossen. Und doch wundert die Zurückhaltung: Je später Spieler ihre neuen Vereine finden, desto weniger Zeit bleibt ihnen, sich im neuen Umfeld zu akklimatisieren. Und auch wenn jeder sportlich Verantwortliche schon mal von Spielern gesprochen hat, die "sofort helfen", so tun es in der Realität die wenigsten ohne Anlaufzeit. Doch die Fußball-Weltmeisterschaft verzögert das Treiben selbst bis in die unteren Ligen:
Sommer-Urlaube werden verlängert, schließlich startet die Saison erst am 7. August und damit eine Woche später als sonst. Und weil auch die halbe Bundesliga derzeit in Kanada, Mexiko und den USA weilt, fehlen diese Spieler für Vertragsverhandlungen. So können die berühmt-berüchtigten "Domino-Effekte", bei denen die 3. Liga insbesondere Nachwuchsspieler der Erstligisten wenigstens leihweise abgreift, noch nicht eintreten.
Das Ergebnis sind viele kleine Kapitel, aus der sich die Geschichte eines Transfer-Staus zusammensetzt. Allemal auffällig ist etwa, dass die beiden Absteiger Fortuna Düsseldorf und Preußen Münster erst fünf Spieler verpflichtet haben – zusammenaddiert, wohlgemerkt. Dabei muss gerade Fortuna eine völlig neue Mannschaft zusammenstellen, freilich in einer turbulenten Zeit, in der der Saison-Etat noch längst nicht in Stein gemeißelt ist.
Aber auch andere Klubs, die Bedarf haben, halten sich noch zurück: Der SV Wehen Wiesbaden holte etwa erst einen Spieler (Max Brandt), der FC Ingolstadt noch überhaupt keinen, obgleich der FCI immerhin acht Profis verabschiedet hat. Auch Aufsteiger Würzburg hat knapp zwei Wochen nach dem Triumph noch keine Neuzugänge vermeldet, bei Fortuna Köln ist es einer (David Savic). Nur logisch ist, dass Nachrücker TSV Havelse wenige Tage nach der offiziellen Drittliga-Zulassung für 2026/27 ebenfalls noch keine großen Sprünge machen konnte.
Doch auch unter den Aufstiegskandidaten hat das Wettrüsten noch nicht wirklich Fahrt aufgenommen: Rot-Weiss Essen vermeldete jede Menge Abschiede, darunter Schlüsselspieler wie Kaito Mizuta und Klaus Gjasula. Doch neben den Festverpflichtungen von Franci Bouebari und Jannik Hofmann wurde erst ein komplett neues Gesicht geholt (Janne Sietan). Der MSV Duisburg sammelte neben dem zuvor ausgeliehenen Dominik Kother bislang nur Max Besuschkow aus Ingolstadt ein.
Hansa Rostock kommt neben dem Kauf von Torjäger Emil Holten immerhin auf drei Neue, von denen aber nur Torwart Luca Unbehaun nennenswerte Profi-Erfahrung vorweisen kann. Ob es nun am verlängerten Urlaub mancher Fußballer liegt oder daran, dass die Beraterszene in diesem Jahr besonders intensiv pokert: Das Auflösen der aktuell zähen Transferbewegungen dürfte noch nur wenige Wochen entfernt sein. Zu groß ist die Liste an Spielern, die allein gegen ein kleines Handgeld ablösefrei in diesem Sommer wechseln dürfen:
Mit Namen wie Lars Kehl, Phillip Menzel, Elijah Krahn, Lasse Wilhelm, Adrien Lebeau, Tobias Kraulich, Pascal Fallmann oder Ramien Safi ist diese exquisite Spielerliste aktuell bestückt. Auch am unteren Ende der 2. Bundesliga finden sich Akteure, die eine Etage tiefer zur Premiumware zählen: Romario Rösch, Sascha Risch, Philipp Hercher, Patrick Nkoa, Fabian Schleusener oder Charalambos Makridis – einige dieser Namen werden längst bei ambitionierten Drittligisten gehandelt.
Zugleich muss mancher Kader noch dringend gefüllt werden: Fortuna Düsseldorf kann derzeit nur mit massiver Unterstützung seiner Nachwuchsteams einen Spieltagskader zusammenstellen, benötigt bis zum Vorbereitungsstart in zwei Wochen wohl mindestens eine Handvoll weiterer Akteure für einen geregelten Trainingsbetrieb. RWE steht nominell mit neun Spielern im Minus, Wehen Wiesbaden ebenfalls. Beim SC Verl und dem 1. FC Saarbrücken sind es acht, Alemannia Aachen muss allein acht ausgelaufene Leihen ersetzen.
Trotz der Kader-Verschlankung hat Saarbrücken derweil entgegen des Trends gehandelt: Der jüngst aus Paderborn verpflichtete Linksaußen Anton Bäuerle ist bereits der 6. externe Neuzugang im Ludwigspark. Auf die gleiche Anzahl kommt, ebenfalls bedingt durch einen massiven Umbruch, der Sportclub Verl. Alemannia, Hansa, Waldhof und Viktoria Köln kommen auf vier Neue – und das genügt vier Wochen nach dem Saisonende bereits, um zu den tüchtigsten Einkäufern der Sommerpause 2026/27 zu zählen.
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