DFB-Frauen
·6 Maret 2026
Turbine-Kapitänin Kirschstein: "Nach wie vor Topbedingungen"

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Obwohl Merle Kirschstein erst vor Saisonbeginn zum 1. FFC Turbine Potsdam zurückgekehrt war, wurde die 23 Jahre alte Innenverteidigerin bereits zur Kapitänin ernannt. Den sechsmaligen Deutschen Meister will die Jurastudentin in dieser Saison zum Verbleib in der 2. Frauen-Bundesliga führen. Im DFB.de-Interview spricht Kirschstein mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihre Rückkehr und ihre Ziele.
DFB.de: Welchen Stellenwert hat die bevorstehende Nachholpartie am Sonntag ab 14 Uhr gegen Borussia Mönchengladbach, Frau Kirschstein?
Merle Kirschstein: Es ist ein sehr wichtiges Spiel für uns. Mit einem Sieg können wir uns ein Stück von den unteren Tabellenplätzen absetzen.
DFB.de: Könnte es schon ein entscheidender Schritt in Richtung Klassenverbleib werden?
Kirschstein: Klar ist, dass wir gerade in den Duellen mit den direkten Konkurrenten punkten wollen und müssen. Am Ziel wären wir aber auch bei einem Sieg in diesem Sechs-Punkte-Spiel noch nicht.
DFB.de: Das Hinspiel ging 2:3 verloren. Worauf wird es ankommen, um diesmal die drei Punkte im Karl-Liebknecht-Stadion zu behalten?
Kirschstein: Zuletzt ist es uns beim 0:0 in Bochum gelungen, dank einer guten Defensivleistung die Null zu halten. Wenn wir daran anknüpfen können, bin ich sehr zuversichtlich, dass uns ein Heimsieg gelingt.
DFB.de: Wegen des Internationalen Frauentages startet der 1. FFC Turbine am Spieltag einige Aktionen, um ein Zeichen für die wachsende Bedeutung des Frauenfußballs zu setzen. Wie finden Sie das?
Kirschstein: Das ist eine coole Sache. Gerade als Traditions- und reiner Frauenfußballverein ist es wichtig, die Aufmerksamkeit weiter zu erhöhen.
DFB.de: Sie wurden von 2014 bis 2021 in Potsdam ausgebildet. Warum hatten Sie sich im Sommer für eine Rückkehr entschieden, obwohl Sie gerade mit Ihrem Heimatverein in die Google Pixel Frauen-Bundesliga aufgestiegen waren?
Kirschstein: Die Gespräche mit Turbine sind sehr gut verlaufen. Die angedachte Rolle als Führungsspielerin im Team passt zu mir. Hinzu kam, dass meine Einsatzzeiten beim HSV zuletzt immer geringer wurden. Ich möchte aber so viel wie möglich auf dem Platz stehen.
DFB.de: Haben sich Ihre Erwartungen im bisherigen Saisonverlauf erfüllt?
Kirschstein: Auf jeden Fall. Ich stand bislang in allen Ligaspielen in der Startformation, konnte mich so gut ins Team einfinden und weiterentwickeln.
DFB.de: Während Ihrer ersten Zeit in Potsdam war Turbine noch ein Spitzenklub der höchsten deutschen Spielklasse. Was hat sich seitdem verändert?
Kirschstein: Hier hat sich eigentlich gar nicht so verändert. Wir haben nach wie vor Topbedingungen, können uns sehr gut auf unsere sportlichen Aufgaben konzentrieren. Verändert hat sich eher die Konkurrenz, vor allem durch zahlreiche aufstrebende Lizenzvereine. Dort wurden und werden dank der Unterstützung der Profiabteilungen der Männer ebenfalls professionelle Strukturen geschaffen. Dadurch ist es für einen Klub wie Turbine wesentlich schwieriger geworden.
DFB.de: Hatten Sie damit gerechnet, dass es in dieser Saison vor allem um den Verbleib in der 2. Frauen-Bundesliga geht?
Kirschstein: Wir waren recht offen in die Saison gestartet, hatten nicht das klare Ziel direkter Wiederaufstieg ausgegeben. Allerdings muss ich schon zugeben, dass es nicht unser Anspruch ist, um den Klassenverbleib bangen zu müssen.
DFB.de: Sehen Sie zumindest mittelfristig die Perspektive, an frühere Zeiten anzuknüpfen?
Kirschstein: Durch unser neues Trainerteam um Steen Gravgaard ist viel frischer Schwung ins Team gekommen. Er hat in Dänemark schon bewiesen, dass er Vereine zum Aufstieg führen kann. Wenn sich die positive Entwicklung fortsetzt, bin ich optimistisch, dass wir in den nächsten Jahren wieder oben angreifen können.
DFB.de: Seit Beginn der Rückserie tragen Sie als noch recht neue Spielerin bereits die Kapitänsbinde. Was bedeutet Ihnen das?
Kirschstein: Das Vertrauen des Vereins macht mich schon stolz. Da ich früher bereits sieben Jahre lang für Turbine gespielt habe, ist meine Identifikation mit dem Klub sehr groß.
DFB.de: Wie würden Sie Ihre Rolle innerhalb des Teams beschreiben?
Kirschstein: Ich bin eine Spielerin, die gerne vorangeht. Durch meine eher extrovertierte Art versuche ich, meine Teamkolleginnen zu pushen und positive Energie reinzubringen. Dabei kann es auch schon mal laut werden, was aber auch zu meiner Position als Innenverteidigerin dazugehört.
DFB.de: Zwischen 2021 und Januar 2024 standen Sie beim AC Milan in Italien und beim SK Sturm Graz in Österreich unter Vertrag. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Kirschstein: Es waren wertvolle Erfahrungen, die mich auch als Mensch haben wachsen lassen. Vor allem Italien war dabei wegen der Sprachbarriere zunächst eine große Herausforderung. Hinzu kam erhebliches Verletzungspech, so dass ich bei Milan zunächst rund sechs Monate komplett raus war und dann vor allem für die U 21 gespielt habe. Dennoch war es etwas ganz Besonderes, bei einem so großen Verein zu sein. In Graz lief es sportlich deutlich besser, unter anderem haben wir auch Qualifikationsspiele zur Champions League bestritten. Diese internationalen Partien bleiben besonders in Erinnerung.
DFB.de: Würden Sie auch anderen jungen Spielerinnen einen solchen Schritt empfehlen?
Kirschstein: Definitiv. Ich hatte damals den Vorteil, dass ich zuvor schon sieben Jahre im Internat gelebt hatte und deshalb mit 18 Jahren schon sehr selbstständig war. Wer die Möglichkeit bekommt, sollte es auf jeden Fall versuchen. Eine Rückkehr ist später immer noch möglich.
DFB.de: Was nehmen Sie sich jetzt für den Saisonendspurt vor und wie lauten Ihre persönlichen Ziele für die Zukunft?
Kirschstein: Der klare Fokus liegt jetzt erst einmal auf dieser Spielzeit, in der wir noch die maximal mögliche Punktzahl und einen gesicherten Mittelfeldplatz erreichen wollen. In der nächsten Saison soll es dann weiter nach oben gehen.









































