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·22 April 2026

Unser Weg zurück nach Berlin: Bayerns emotionale Pokalnacht in Leverkusen

Gambar artikel:Unser Weg zurück nach Berlin: Bayerns emotionale Pokalnacht in Leverkusen

Joshua Kimmich war der Allererste, der das große Glück fassen konnte. 93 Minuten Dauerlauf hatte der Mittelfeldspieler des FC Bayern da in den Beinen, eine hochgradig dominante erste Hälfte mit seiner Mannschaft erlebt und eine zweite, in der Leverkusen, je näher der Schlusspfiff rückte, immer stärker wurde. Jetzt aber erreichte den Unparteiischen die Botschaft seines Videoschiedsrichters, dass der krönende Schlusspunkt zum 2:0 durch Luis Díaz nach Zuspiel von Leon Goretzka doch nicht aus Abseitsstellung gefallen war. Joshua Kimmich lief also noch einmal los aus dem Mittelkreis, drehte sich kurz zu seiner Mannschaft um, winkte sie mit rudernden Armen und strahlendem Gesicht herbei – und dann ging es im letzten Sprint des Tages gemeinsam zu den Bayernfans vor den Gästeblock. Da standen sie minutenlang vor der vor Glück überschäumenden Menge in Rot und Weiß, und die Spieler genossen die Freude, diese gewaltige Erlösung und all die Gesänge wie einen warmen Sommerregen, der angenehm kühl auf ihre abgekämpften Körper fiel.

„Ich habe Berlin vermisst“

„Ich habe Berlin vermisst. Es waren immer herausragende Spiele dort. Es ist ein historischer Tag für den ganzen Verein“, brachte es Manuel Neuer, der Kapitän, später auf den Punkt. „Der Pokal ist immer etwas Besonderes – für die Spieler, für die Mannschaft, für den Verein. Das hat einfach einen ganz eigenen Flair. Da wollten wir hin, und das haben wir zum Glück geschafft. Langweilig wird es in Berlin nie.“


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Und langweilig war es auch in diesem Halbfinale in Leverkusen nicht. Nach einer enorm dominanten ersten Halbzeit, in der der FC Bayern den Gastgeber phasenweise mit seinem offensiven Pressing drohte, regelrecht am eigenen Strafraum zu erdrücken, kam es einem kleinen Fußballwunder gleich, dass Bayer 04 allen Ernstes nur mit einem 0:1-Rückstand in die Kabine durfte. Harry Kane hatte eine großartige Vorarbeit von Michael Olise und Jamal Musiala unter die Latte gedonnert (22. Minute). „Das Einzige, was wir hätten besser machen können, ist: mehr Tore zu schießen, ganz klar. So haben wir sie im Spiel gehalten“, haderte der Torschütze dennoch mit der schwachen Torquote seiner Elf. 10:0 Torschüsse sammelten die Gäste in den ersten 45 Minuten, spielten 110 Pässe mehr als Leverkusen, das nicht auch nur einmal annähernd gefährlich vor dem Bayerntor aufgetaucht war. Es war das erste Mal seit Dezember 2016, dass Bayer 04, Meister und Pokalsieger 2024, in einem Pflichtheimspiel ohne Schuss in der ersten Halbzeit blieb.

Ein Sonntagsschuss, ein Elfmeterpfiff

„Wenn du so eine schlechte erste Halbzeit spielst, musst du das Positive daraus ziehen, dass es nur 1:0 stand“, gab Leverkusens Robert Andrich offen zu: „Und wenn du dann triffst, bist du wieder im Spiel.“ Diese Gefahr, durch eine einzelne Unachtsamkeit in der Defensive, durch einen Sonntagsschuss oder auch einen Elfmeterpfiff doch noch den Ausgleich zu kassieren, war das Einzige, was noch so etwas wie einen Funken Hoffnung der Heimfans aufs Pokalfinale aufrecht hielt. Viel zu abgeklärt, zu schnörkellos, zu zielstrebig und humorlos hatte die Mannschaft von Cheftrainer Vincent Kompany zuvor agiert. Niemand der 30.210 Zuschauer durfte ernsthaft damit rechnen, dass die Partie auf natürliche Weise noch einmal Spannung aufnehmen würde.

Doch das tat sie. Weil Leverkusen sich mit zunehmender Spielzeit immer tiefer zurück in dieses Halbfinale biss und rackerte – und Bayern zu ungenau in der Offensive agierte und so den „Todesstoß“ zum 2:0 gleich mehrfach verpasste. Mal kam das finale Zuspiel nicht an, mal war der Rasen zu rutschig, mal parierte Mark Flekken im Heimtor überragend. Aber auch Bayer 04 stand höher, agierte mutiger, lief mehr und führte wesentlich aggressiver noch als im ersten Durchgang Zweikämpfe. Die Folge: Das Momentum, das zuvor felsenfest auf Seiten des FC Bayern festhing wie eine Klette im Hundefell, begann bedrohlich zu wackeln und sich allmählich zu lösen.

„In der zweiten Halbzeit war es ein offeneres Spiel, trotzdem haben wir fast keine Chancen zugelassen“, freute sich Josip Stanišić. Er hatte recht: Zwar erkämpfte sich der Gastgeber ein kleines Übergewicht, was sich auch zwischenzeitlich im Ballbesitz mit 56:44 messen ließ, doch kam er weiter kaum zu Torchancen. Die beste besaß Nathan Tella. Seinen wuchtigen, schnurgeraden Spannstoß entschärfte Manuel Neuer in seinem 63. Pokalspiel (nur Oliver Kahn hat als Torwart noch mehr bestritten) mit einer unglaublichen Parade noch irgendwie mit den Fingerspitzen.

„Ein Finale ist immer ein Geschenk“

„Leverkusen ist viel besser ins Spiel gekommen, und wir mussten auch einige Male tief verteidigen. Aber auch in dieser Phase haben wir es insgesamt gut gemacht. Ich glaube, so ein Finale ist immer ein Geschenk – für den Verein, für die Fans, für alle Mitglieder und natürlich auch für die Mannschaft“, fasste Vincent Kompany, der Cheftrainer, zusammen.

Max Eberl gab zu, dass „wir da schon einige Male zittern mussten – aber letztendlich haben wir hochverdient das Pokalfinale erreicht“, fand der Sportvorstand und strahlte. Denn im allerletzten Entlastungsangriff in der dritten Minute der Nachspielzeit brachte Luis Díaz den Ball doch noch am sehr starken Mark Flekken im Heimtor vorbei: 2:0. Abpfiff.

„Wir sind alle glücklich. Berlin war immer ein Traum für uns“, verriet Herbert Hainer. Der Präsident strahlte übers ganze Gesicht: „Der Sieg war absolut verdient, wir hätten in der ersten Halbzeit das zweite oder dritte Tor machen müssen, dann wäre es ein bisschen entspannter gewesen, so mussten wir noch etwas zittern. Insgesamt war es ein klarer und verdienter Sieg. Jetzt freuen wir uns auf Berlin.“

Rückkehr nach sechs langen Jahren

Sechs lange Jahre hatte das Pokalfinale dort immer ohne den Rekordpokalsieger stattgefunden. Fünf Endspiele ohne den FC Bayern – wie tief das saß, konnte man nach Spielschluss im Fanblock der Bayernfans und davor bestaunen, wo die Spieler tanzten. „Guess who’s back?“, stand auf ihren T-Shirts, „Ratet, wer zurück ist?“ Vincent Kompany meinte: „Seit dem ersten Tag, an dem ich bei Bayern bin, wird über Berlin gesprochen. Das ist ein Riesengeschenk für den Verein, dass wir wieder dort sein dürfen.“ Am 23. Mai ist es endlich soweit. 

Hier gibt es die Stimmen zum Pokal-Spiel in Leverkusen:

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