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·7 Mei 2026
Verpasste Chance? FC Bayern könnte „Win-Now-Fenster“ in der Champions League verpasst haben

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Der FC Bayern scheint am Anfang einer neuen Ära zu stehen. Doch es könnte auch das Gegenteil eintreffen.
Große Siege und große Niederlagen haben eines gemeinsam: Unweigerlich stellt sich die Frage, wie die Zukunft aussehen könnte. Legendär war Franz Beckenbauers Aussage zur Weltmeistermannschaft von 1990: Auf Jahre hinaus unschlagbar.
Was folgte, war ein Absturz, mit dem der Kaiser im Moment der Überschwänglichkeit nicht gerechnet hatte. 2012 verlor der FC Bayern nicht nur das Champions-League-Finale zu Hause auf dramatische Art und Weise, sondern er musste auch befürchten, die Vormachtstellung im deutschen Fußball zumindest teilweise an den BVB abgeben zu müssen.
Nur ein Jahr später drehte sich die Stimmung komplett. Der FCB saß auf Europas Thron und wies Borussia Dortmund in der Bundesliga in die Schranken. Fußball ist schnelllebig. Fußball verändert sich in so kurzen Zyklen, dass sich kaum vorhersagen lässt, wie es in wenigen Monaten um eine Mannschaft bestellt ist.
Und genau das wird jetzt auch das große Thema für die Verantwortlichen des FC Bayern sein: Ist die Niederlage im Halbfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain der unvermeidliche Beginn einer neuen Ära – oder hat der deutsche Rekordmeister eine Chance verpasst, die sich so schnell nicht mehr auftun wird?
Für eine neue Ära spricht, dass die Bayern an Stabilität gewonnen haben. Das Halbfinale im Jahr 2024 war eine Anomalie in einer Entwicklung, die man an der Säbener Straße nicht gut finden konnte. Trainerverschleiß und eine Transferpolitik, der man kaum Konzept unterstellen konnte, führten zu starken Wellenbewegungen.
Bayern schied auch damals nur knapp aus. Doch Real Madrid war, wenn man ganz ehrlich ist, in zwei Spielen das deutlich bessere Team. Das war diesmal gegen PSG etwas anders. Zwar gibt es auch gute Argumente dafür, dass die Pariser ebenfalls besser waren als die Bayern, aber wenn überhaupt, dann entschieden hier Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage.
Die Münchner waren unter Vincent Kompany vielleicht nicht aus Ergebnissicht, sehr wohl aber aus fußballerischer Sicht erheblich näher am Finaleinzug als unter Tuchel 2024. Vor allem aber geht man mit Kompany nun in eine dritte Saison. Zuletzt war das unter Pep Guardiola der Fall. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Team muss keinen neuen Trainer kennenlernen und keinen neuen Spielstil adaptieren. Mit Kontinuität auf der Bank geht zudem Kontinuität in der Kaderplanung einher.
Baustellen, die im Kader anhand der Champions-League-Saison festgestellt werden, können gemeinsam mit dem Coach gelöst werden – passend zum Spielstil. Ein Fall wie bei João Palhinha sollte damit ausgeschlossen sein: Der Portugiese war der absolute Wunschspieler von Tuchel, konnte im System des Nachfolgers aber nicht brillieren. In der sportlichen Leitung ist nach zwei Jahren klar, was der Trainer braucht und will. Zumindest sollte es das sein.
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Und auch die grundsätzliche Kaderstruktur ist keine allzu schlechte Ausgangsposition, um das Niveau noch eine Weile zu halten oder sogar noch Schritte nach vorn machen zu können. Aus der Startelf gegen Paris Saint-Germain waren sieben Spieler 29 oder jünger. Darunter wichtige Stammspieler wie Dayot Upamecano (27), Aleksandar Pavlović (22), Jamal Musiala (23), Michael Olise (24) oder Luis Díaz (29).
Hinzu kommen vielversprechende Talente in der zweiten Reihe: Jonas Urbig (22), Tom Bischof (20) und Lennart Karl (18). Alphonso Davies ist mit 25 Jahren ebenfalls ein Spieler, den man in dieser Argumentation nicht außer Acht lassen sollte. Eine gute Mischung aus Erfahrung und Entwicklungsfähigkeit.
Gerade bei Spielern wie Musiala, Pavlović und Olise sind noch Fortschritte in Konstanz und Präzision zu erwarten. Andere wie Upamecano haben in dieser Saison gezeigt, dass sie nun in ein Alter kommen, in dem sie deutlich stabiler agieren als in früheren Jahren. All das macht Hoffnung, dass die Bayern auch in der kommenden Saison und darüber hinaus zu den Top-Favoriten auf den Champions-League-Titel zählen könnten.
Allerdings gibt es auch offene Fragen, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollends geklärt werden können. Wie gut altert beispielsweise das sehr intensive Spiel von Joshua Kimmich? Der 31-Jährige hat eine seiner besten Saisons im Trikot des FC Bayern gespielt, kam gegen PSG mitunter aber auch an Grenzen. Sein Spiel ist geprägt durch Intensität, Lauffreude und Aggressivität, aber auch durch Gestaltung und Struktur.
Kimmich übernimmt viele Aufgaben. Er soll auch viele Aufgaben übernehmen. Das ist seine klare Rollenbeschreibung unter nahezu jedem Trainer der vergangenen Jahre. Anders als Spieler wie Toni Kroos oder einst Andrea Pirlo ist sein Spiel aber athletischer. Wie lange kann er diese Belastung auf diesem Level noch mitgehen? Oder muss es hier eine Anpassung geben? Wie verkraftet es das Spiel des FC Bayern, wenn er sein Spiel verändert?
Bei Jonathan Tah dürften solche Sorgen nicht sehr akut sein. Der einstige Leverkusener ist auf dem höchsten Niveau angekommen und mit 30 sollte er als Innenverteidiger noch einige Jahre im Tank haben. Für Díaz gilt mit 29 Jahren selbiges. Nur drängt sich beim Kolumbianer eine andere Frage auf: In seiner Karriere war er noch nie so herausragend wie in dieser Saison.
In den kommenden Monaten muss sich erst zeigen, ob das tatsächlich sein Niveau ist, oder ob er auf einem Karrierehoch nur für kurze Zeit überperformt hat. Und dann ist da mit Harry Kane ein 32-jähriger Mittelstürmer, der bisher gut gealtert ist. Aber wann kommt bei ihm der Kipppunkt? Wann baut der Engländer ab?
Für Teile des Kaders ist das jetzige Zeitfenster sehr klein, um die Champions League erstmals oder nochmals zu gewinnen. Jede vergebene Chance verringert deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass das in ihrer Karriere noch gelingt. Sie sind klassische „Win-Now-Spieler“, die keine Zeit mehr für Entwicklung und Prozesse haben, sondern sofort erfolgreich sein wollen und müssen.
Bei Manuel Neuer gilt das nur bedingt. Er hat in seiner Karriere alles erreicht, spürt kaum noch Druck. Sollte er seinen Vertrag verlängern, ist natürlich auch bei ihm die Frage da, ob er das aktuelle Niveau halten kann – und selbst auf diesem wird er ja schon zu Recht für die eine oder andere Leistung kritisiert.
Der FC Bayern ist keine alte Mannschaft, die in dieser Saison die allerletzte Chance auf den großen Wurf hatte. Vergleichbar mit Inter Mailand in der vergangenen Spielzeit. Die Italiener hatten eine im Schnitt sehr alte Kaderzusammensetzung und verschwanden international in dieser Saison von der großen Bühne.
Aber die Bayern haben dennoch den einen oder anderen Schlüsselspieler, bei dem schwer absehbar ist, wie lange er noch Weltklasse-Niveau hat – und ob es den Verantwortlichen gelingen kann, Ersatz zu finden oder zumindest den richtigen Zeitpunkt für Veränderungen.
Vor allem aber gibt es noch einen weiteren Faktor, der das Ausscheiden so bitter macht: Die schlafende Konkurrenz. Manchester City, der FC Liverpool und Real Madrid hatten allesamt keine wirklich gute Saison. Sie alle agierten unter ihren Möglichkeiten. Wie schnell sie sich davon erholen, lässt sich nicht sagen. Investieren sie im Sommer aber groß, könnte Bayerns Weg auf den Thron deutlich erschwert werden.
Auch der FC Barcelona ist ein Konkurrent, der noch stärker werden könnte. Zwar haben die Katalanen große finanzielle Probleme, spielen aber unter Hansi Flick furiosen und gefährlichen Fußball. In dieser Saison haben unter anderem Verletzungen dazu beigetragen, dass Barça nicht die Rolle spielen konnte, die sie sich erhofften.
Bei den Finalisten dieses Jahres ist derweil kein großer Leistungsabbau zu erwarten. PSG und Arsenal haben sehr gute Trainer und Kader mit vielen jungen und entwicklungsfähigen Spielern. Der Gedanke, dass die Bayern in dieser Saison eine Chance verpasst haben, die sich in dieser Form so schnell nicht mehr bieten wird, liegt also nahe.
Und doch sollte der Optimismus überwiegen. Es war eine herausragende Champions-League-Saison des Deutschen Meisters mit begeisterndem Fußball und großen Siegen. Viele der sich anbahnenden Probleme betreffen womöglich noch nicht die kommende Saison. Gut möglich also, dass die „Win-Now-Fraktion“ des Kaders dann eine weitere gute Chance auf den Henkelpott hat.
Eines ist aber auch klar: Auf Jahre hinaus unschlagbar sind die Bayern gewiss nicht. Das Zeitfenster ist recht eng und die Arbeit am Kader der Zukunft kann gar nicht früh genug beginnen.







































