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·2 Mei 2026

Vom Last-Minute-Ausgleich zur Extra-Power: Was das 3:3 für Paris bedeutet

Gambar artikel:Vom Last-Minute-Ausgleich zur Extra-Power: Was das 3:3 für Paris bedeutet

Es war ein allerletzter Versuch, ein allerletzter Schuss. Verbunden damit ein allerletztes Mal Hoffen, Beten und Daumendrücken. Und dann, der Fußballgott wollte es an diesem verrückten Samstagnachmittag nicht weniger dramatisch, sprang der Ball immer noch nicht rein. Michael Olise hatte ihn losgeschickt in dieser Verlängerung im Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim, mit links, mit seinem Zauberfuß. Nicht aber hoch in Richtung Kreuzeck, wie sonst ja immer – nein, flach, scharf, mit Effet. Dafür nicht weniger platziert. Klatsch! Der Ball, er flog nicht hinein, er flog gegen den Pfosten. Das durfte doch nicht wahr sein! Diant Ramaj, der tapfere Heidenheimer Schlussmann, war trotzdem längst abgetaucht, hatte jeden Millimeter seiner 189 Zentimeter Körpergröße noch ein letztes Mal Richtung Ball gestreckt – und nun sprang der Ball unglücklich vom Pfosten zurück, dem Schlussmann irgndwie an den Rücken. Der Ball rollte allen Ernstes quälend langsam, als würde er noch einmal frech dazu grinsen, über die Torlinie: 3:3. 101. Minute. Dramatische Punkteteilung nach zweimaligem Rückstand. Abpfiff. „Es war die Mentalität, der Glaube“, war sich Cheftrainer Vincent Kompany sicher.

Mit zwei Taschentüchern in beiden Nasenlöchern

Während die Bayern-Fans den lauten Knall der späten Erlösung in diesem längst verloren geglaubten Spiel mit Blick auch aufs Halbfinale der Champions League gegen Paris am Mittwoch lauthals feierten, waren die traurigen Heidenheimer am Boden zerstört. Um zu verstehen, wie sie sich wohl fühlten nach diesem späten Ausgleichstor im Abstiegskampf, musste man nur ins Gesicht von Jonas Föhrenbach schauen. Der Gäste-Verteidiger war zuvor unter Dauerdruck der Bayern-Angriffe mit seinem Keeper böse zusammengestoßen und minutenlang behandelt worden. Nun saß er irgendwo auf dem Rasen, blutverschmiert, in jedem Nasenloch ein großes Taschentuch, und schüttelte den Kopf über einen Punktgewinn, den die Gäste vor Anpfiff an diesem sommerlichen Tag in München sicher sofort unterschrieben hätten.


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„Natürlich war Bayern zwischen den beiden PSG-Spielen vielleicht auch nicht ganz da“, erinnerte Heidenheims Patrick Mainka. Aber: „Wir haben die Hoffnung am Leben gehalten. Umso bitterer ist es natürlich, mit der letzten Aktion den Ausgleich zu bekommen. Es tut unfassbar weh, aber wer weiß, was der Punkt am Ende wert sein kann.“

Heidenheim hatte 2:0 geführt. Ja, eine Viertelstunde vor Schluss sogar noch einmal das 3:2 gemacht. Doch was den FC Bayern in diesen besonderen Tagen voller Knistern eben auch auszeichnet, ist eine enorme Willenskraft. So stark, dass vermutlich sogar der Alpenhauptkamm ein paar Zentimeter versetzt werden könnte, wenn die Mannschaft sich gemeinsam nur fest genug darauf konzentrierte. Welche Wucht, welche Urgewalt der längst feststehende Meister dabei entfalten kann, durfte zuletzt der 1. FSV Mainz 05 bereits erfahren, der nach 3:0-Führung noch 3:4 verlor. Oder Paris St. Germain, das bereits 5:2 führte und am Mittwoch mit einem knappen 5:4 ins Rückspiel muss. Nun also noch eine Punkteteilung in letzter Sekunde und in einer Partie, die der FC Bayern bis zum ersten Anschlusstor durch Leon Goretzka per direktem Freistoß – seinem zweiten Freistoßtor überhaupt in der Bundesliga – bereits fahrlässig bis zum 0:2 hergeschenkt hatte. „Wir haben am Anfang nicht unser Niveau gebracht, das haben sie gut genutzt“, analysierte Heimcoach Kompany.

Wie Bier- und Hendlgeruch im Paulanergarten

Das Anschlusstor und auch die geballte Offensivpower, die Cheftrainer Vincent Kompany mit Wiederanpfiff aufs Feld beorderte, zwangen Heidenheim postwendend in die Knie: Joshua Kimmich, Harry Kane, Luis Díaz und Michael Olise wirbelten nun gemeinsam mit den verbliebenen Spielern einen gewaltigen Orkan in die Allianz Arena, dem prompt der Ausgleich folgte. Wieder hatte Goretzka getroffen, seinen vierten Doppelpack in der ersten Liga besorgt, sein fünftes Saisontor. 

Und weiter drückte und presste der FC Bayern voller Spielfreude und Angriffslust aufs Heidenheimer Gehäuse: Kimmich donnerte den Ball an den Pfosten, Kane verpasste, Díaz scheiterte, Olise zielte zu hoch, Jackson einen Hauch zu weit. Es waren Chancen beinahe im Minutentakt, für Heidenheim wurde die Luft immer dünner, der Druck tonnenschwer. Die Statistiken schraubten sich in einer größer werdenden Schere immer weiter auseinander: Torschüsse, Zuspiele, Ballbesitz, Großchancen. Der letzte Streich zum Siegtor für den FC Bayern, er lag zum Greifen in der Luft wie köstlicher Bier- und Hendl-Geruch im Paulanergarten. „Wie sich die Jungs immer wieder zurückkämpfen, das darf man nicht als selbstverständlich nehmen“, meinte Chefcoach Vincent Kompany. Doch es jubelte erst noch einmal: Heidenheim.

Bayern-Leihgabe Arijon Ibrahimovic, der ein starkes Spiel machte, war noch einmal im letzten Konter der Gäste der Bayern-Abwehr enteilt. Und Budu Zivzivadze schlug am Ende seiner Kräfte einen bemerkenswerten Haken, im Umfallen wischte er den Ball per Sonntagsschuss am machtlosen Jonas Urbig vorbei in den Bayern-Torwinkel: 3:2 für Heidenheim. 14 Minuten waren nur noch zu spielen.

Und Bayern drückte noch einmal mehr nach vorn, warf noch ein paar Schaufeln Kohle mehr in die ohnehin längst brodelnde, kochende Angriffsglut. Flanke um Flanke flog vor das Heidenheimer Tor – eine davon sprang irgendwie am Strafraum zu Michael Olise. Es war die 101. Spielminute. Pfosten, Rücken, 3:3-Ausgleich – ein Treffer, reingezwungen und reingedrückt in allerletzter Sekunde von Mannschaft, Trainerteam und dem unaufhörlich anpeitschenden Publikum. Der Schlussakkord in einem dramatischen Spiel, er wird nun enorme Energien freisetzen für das Halbfinale der Champions League am Mittwoch. Das sahen alle so: „Wir können natürlich vieles besser machen, aber trotzdem darf man nicht vergessen, dass die Jungs am Ende alles dafür tun, das Spiel nicht zu verlieren. Das müssen wir mitnehmen ins nächste Spiel. Alles andere sind Details, die wir verbessern müssen“, sagte Vincent Kompany.

Der Mittwoch wird „brennen“

„Morgen werden die Burschen regenerieren und dann haben wir zwei Tage, in denen wir uns intensiv vorbereiten werden auf das Spiel am Mittwoch“, versprach Christoph Freund, der Sportdirektor. „Am Mittwoch wird das Ding hier brennen. Ich habe richtig Bock auf das Spiel, wir wollen ins Finale. Jetzt geht es darum, die Kräfte zu bündeln, sich zu sammeln und am Mittwoch alles in die Waagschale zu werfen“, sagte der Doppelpacker Leon Goretzka. Und wenn es den allerletzten Schuss braucht, den allerletzten Versuch – und einen verrückten Fußballgott.

Die Stimmen zum Heimspiel gegen Heidenheim:

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