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·27 Juni 2026
Wenn der Spielplan keine Rücksicht kennt: Gakpos stille Trauer um sein Baby

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·27 Juni 2026

Cody Gakpo und Freundin Noa haben ihren ungeborenen Sohn Elijah Raphael verloren. Der Niederländer bleibt trotzdem beim Team vor dem Marokko-Spiel.
Manchmal verschiebt eine einzige Nachricht die Maßstäbe, an denen wir Profifußballer messen. Cody Gakpo, 27 Jahre alt, Stürmer des FC Liverpool und der niederländischen Nationalmannschaft, hat am Samstag gemeinsam mit seiner Freundin Noa öffentlich gemacht, dass das Paar seinen ungeborenen Sohn verloren hat. Elijah Raphael, so der Name, den die beiden ihm gegeben haben. Im Mai erst hatten sie die zweite Schwangerschaft verkündet, der erste Sohn ist zwei Jahre alt. Noa schrieb auf Instagram von einem gebrochenen Herzen, Gakpo teilte den Beitrag und bat um Privatsphäre, es sei „eine unglaublich schwere Zeit für unsere Familie".
Niederländischen Medien zufolge hat sich Gakpo trotzdem entschieden, bei der Mannschaft in den USA zu bleiben. (Am Dienstag um 3.00 Uhr MESZ wartet im Sechzehntelfinale Marokko.) Es ist die Sorte Termin, die im Turnierkalender keine Rücksicht kennt und keine Pause vorsieht. Dass ein Spieler in dieser Lage überhaupt vor der Frage steht, ob er bleibt oder reist, sagt einiges über den Betrieb, in dem er arbeitet.
Es ist nicht an Außenstehenden, diese Entscheidung zu bewerten. Trauer hat keine Form, keinen Zeitplan, keinen Algorithmus, an dem man ablesen könnte, was angemessen ist. Manche Menschen suchen in einer solchen Situation Rückzug, andere suchen Struktur, Mannschaft, Aufgabe – nicht aus Verdrängung, sondern weil das Vertraute trägt, wenn alles andere wankt. Welchen dieser Wege Gakpo geht und warum, ist seine Sache, nicht unsere. Was wir tun können, ist, ihm die Privatsphäre zuzugestehen, um die er ausdrücklich gebeten hat.
Trotzdem stellt der Fall eine Frage, der sich der Profifußball stellen muss: Wie viel Raum lässt ein Turnierbetrieb eigentlich für eine persönliche Tragödie? Die Antwort fällt unbequem aus. Der Spielplan rückt nicht, die Pressekonferenzen finden statt, der Gegner steht fest, die Anstoßzeit ist im Fernsehvertrag verankert. Ein Spieler, der in solchen Momenten weiterfunktionieren will, kann das tun – aber er muss es allein mit sich ausmachen, in einem Umfeld, das auf Funktionieren ausgelegt ist. Strukturen, die einen Profi in einer solchen Lage tatsächlich auffangen, sind im internationalen Turnierbetrieb keine Selbstverständlichkeit.
Es lohnt sich, daran zu erinnern, wer hier auf dem Platz steht. Gakpo hat im letzten Gruppenspiel gegen Schweden beim 5:1 einen Doppelpack erzielt, er gehört zu den prägenden Figuren dieser niederländischen Mannschaft. Aber das ist in dieser Woche zweitrangig. Wer am Dienstag in der Nacht auf Mittwoch das Spiel gegen Marokko verfolgt und Gakpo auf dem Rasen sieht, wird einen Profi sehen, der seinen Job macht. Was hinter diesem Auftritt steht, lässt sich von außen nicht ermessen, und es wäre falsch, es zu versuchen.
Was bleibt, ist die schlichte Feststellung, dass Profis Menschen sind, mit allem, was dazugehört. Dass das im Alltag des Geschäfts manchmal verschwimmt, liegt am Geschäft, nicht an ihnen. Dem Paar gilt das Mitgefühl, das man einer Familie schuldet, die ein Kind verloren hat. Alles Weitere ist Fußball, und Fußball ist in dieser Woche das Kleinere.







































