MillernTon
·1 Januari 2026
Wer ist Tomoya Andō? – Ein Spielerprofil

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Mit Tomoya Andō hat der FC St. Pauli einen flexiblen und körperlich starken Innenverteidiger verpflichtet, der eine Soforthilfe sein kann.(Titelfoto: FC St. Pauli)
Dass der FC St. Pauli in diesem Winter auf dem Transfermarkt aktiv werden würde, damit war zu rechnen. Dass aber als erstes ein Innenverteidiger verpflichtet wird, dürfte viele überraschen. Innenverteidiger Tomoya Andō kommt von Avispa Fukuoka ans Millerntor, möchte zur Weltmeisterschaft 2026 und ist daher sicher nicht nach Hamburg zu kommen, um erstmal einige Zeit von der Bank aus zu lernen.
Tomoya Andō spielte, wie es in Japan üblich ist, in der Jugend für Highschool- und Universitätsteams. 2021 unterzeichnete er seinen ersten Profivertrag beim FC Imabari. Dort spielte er zwei Saisons in der dritten japanischen Liga, ehe es nicht für den Club, aber für ihn persönlich einen Aufstieg gab: Anfang 2023 wechselte Andō zu Ōita Trinita, einem Club, der ebenfalls aus dem Süden des Landes kommt, in die J2, die zweite japanische Liga.
Dort war Andō zwei Saisons lang aktiv. Nachdem er in seiner ersten Saison aufgrund einer Hüftverletzung länger aussetzen musste, im weiteren Verlauf aber Stammspieler war, spielte er im zweiten Jahr nahezu durch: Nur ein Spiel musste er aussetzen, er fehlte aufgrund eines Platzverweises gesperrt. Mit Ōita Trinita langte es in der ersten Saison recht knapp nicht zu einem Aufstieg in die erste japanische Liga. Im Folgejahr stürzte der Verein recht deutlich ab, die Saison wurde auf Platz 16 beendet.
Für Andō gab es dennoch einen weiteren Aufstieg. Und diesen als kometenhaft zu bezeichnen, ist ehrlich gesagt ein wenig untertrieben. Denn es ist schon bemerkenswert, dass Tomoya Andō, der Ende 2024 mit 25 Jahren noch in der zweiten japanischen Liga kickte, ein Jahr später völlig berechtigt davon träumen darf, im kommenden Sommer als Teil der japanischen Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft zu fahren. Andō wechselte Anfang 2025 zu Avispa Fukuoka und wurde dort auf Anhieb zum Stammspieler. Neben den Defensivaufgaben überzeugte er auch mit vier Treffern aus Standardsituationen.
Im Sommer, also nach der ersten Halbserie der Saison, wurde Andō dann erstmals für die japanische Nationalmannschaft nominiert, feierte sein Debüt bei der Ostasienmeisterschaft im Juli. Es folgten noch weitere Nominierungen im Oktober und November, wo er dann jeweils zusammen mit Joel Fujita trainierte und beim 2:0 gegen Ghana im November auch gemeinsam auf dem Platz stand.Das ist also eine ziemlich rasante Entwicklung. Tomoya Andō hat es nun innerhalb von nur einem Jahr geschafft, aus der zweiten japanischen Liga in die Nationalmannschaft und in eine der fünf europäischen Top-Ligen zu kommen.
Um Tomoya Andō, den japanischen Fußball und die dortige Liga etwas besser kennenzulernen, haben wir mit jemandem Kontakt aufgenommen, der nicht nur Andō und die japanische Liga kennt, sondern auch den FC St. Pauli: Svend Brodersen wechselte im Sommer 2021 vom FCSP zu Yokohama FC und ist seitdem in Japan aktiv. Er kennt Tomoya Andō aus direkten Aufeinandertreffen: Zwei im Jahre 2024 in der J2-League, zwei in der letzten Saison in der J1-League. Funfact, wenn auch nicht unbedingt für Brodersen: Andō erzielte zwei seiner vier Saisontreffer in der 2025er-Saison gegen Brodersen, traf sowohl im Hin- als auch im Rückspiel. Wir haben Svend ein paar Fragen stellen dürfen:
MillernTon: Moin Svend, Tomoya Andō wechselt zum FC St. Pauli. Passt der Wechsel aus deiner Sicht?Svend Brodersen: In der Vergangenheit hat der magische FC bereits positive Erfahrungen mit Japanern gemacht. Nach Ryō hat auch der junge Fujita voll eingeschlagen. Ich bin mir sicher, dass er mit einem Landsmann als Teamkollegen noch mehr aus sich rausholen wird. Andersherum erleichtert es Andō sofort, im Teamgefüge zurechtzukommen!Von daher passt der Wechsel von außen betrachtet sehr gut!
MT: Was sind die Stärken von Andō auf dem Platz?SB: Eine absolute Stärke von Andō ist sein Kopfballspiel, vor allem in der J-League konnte ihm auch aufgrund seiner körperlichen Größe kaum jemand das Wasser reichen, sowohl defensiv als auch offensiv! Deshalb habe ich beispielsweise bei Abstößen und Flugbällen versucht, den Ball nicht auf seine Seite zu spielen.Selbstverständlich ist er im Zweikampf für einen Innenverteidiger entsprechend gut und lässt dem Gegner kaum Raum, sich zu drehen, ist immer eng dran.Außergewöhnlich für einen Innenverteidiger ist, dass er nicht nur bei Standards mit seiner Kopfballstärke für Gefahr sorgt, sondern im Spielfluss insbesondere durch mutige Laufwege in Räume vorstößt, aus denen er für das Einleiten von Torchancen sorgt.
MT: In welchen Bereichen kann er sich noch verbessern, um im europäischen Fußball mithalten zu können?SB: Grundsätzlich gilt, wenn du viele gute Fähigkeiten wie Andō mitbringst, ist es eher die mentale Anpassung an das schnellere Spiel in Europa beziehungsweise die zielstrebigeren Aktionen zum Tor. Dabei geht es viel um Positionierung und Entscheidungsfähigkeit, welche vorausschauender und schneller stattfinden muss.Selbstverständlich kommen eine höhere Schnelligkeit der gegnerischen Offensivspieler und mehr physische Präsenz im Allgemeinen dazu, welche in der J-League nicht durchweg auf dem gleichen Niveau sind.
MT: Andō hat letzte Saison in beiden Spielen gegen dich getroffen – ist das eine besondere Stärke von ihm?SB: Die beiden Treffer habe ich selbstverständlich mit Absicht zugelassen, damit St. Pauli auf einen guten Innenverteidiger aufmerksam wird! (*lacht*)Spaß beiseite, wie bereits erwähnt, ist er äußerst kopfballstark, so hat er das erste Tor erzielt und das zweite Tor durch seine mutigen Laufwege und Partizipation im Angriffsspiel. Deshalb würde ich durchaus sagen, wenn er nicht gerade das Tor selber erzielt, so trägt er aktiv zum Angriffsspiel bei!
MT: Du bist nun bereits seit einigen Jahren in Japan aktiv. Wie unterscheidet sich der japanische Fußball von der 1. & 2. Liga in Deutschland?SB: Zu meiner Anfangszeit wurde in Japan noch ziemlich viel „Standfussball“ gespielt, ohne richtiges Pressing und vielen schön anzusehenden Passstafetten, die nur selten zu einer gefährlichen Situation führten, geschweige denn zu einem Torabschluss. Andersherum führte das lethargische Abwehrverhalten manchmal ganz plötzlich zu einfachen Toren, wenn sich nur jemand mal ein Herz gefasst hat und entschlossen Richtung Tor gegangen ist.
Mittlerweile hat sich vieles dem europäischen Fußball angeglichen – es ist sowohl physischer als auch planvoller geworden. Auch die Fehlerquote ist zurückgegangen, im Gegenzug werden einfache Fehler schneller bestraft, was vor ein paar Jahren auch noch nicht der Fall war.Grundsätzlich bringen die Japaner individuell und auf technischer Ebene sehr viel mit. Was allerdings Teamtaktik und Entscheidungsfindung beziehungsweise Spielverständnis angeht, entwickelt es sich mehr und mehr in Richtung des europäischen Levels, hat aber definitiv noch Potenzial!
MT: Wie geht es für dich persönlich weiter? Könntest du dir vorstellen, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren?SB: Ich wechsle zur nächsten Saison zu Kawasaki Frontale, welche bei meiner Ankunft in Japan die Liga dominierten und sämtliche Titel gewannen. Dort bin ich erstmal bis Sommer 2029 unter Vertrag und versuche natürlich, als erster deutscher Torwart japanischer Meister zu werden und vielleicht auch in der asiatischen Championsleague mitzumischen.
Hauptsächlich genieße ich jedoch das wundervolle Leben mit meiner Familie in Japan und möchte meinen Kindern viel von der Lebensphilosphie mitgeben, mit der ich von Kindesbeinen an der Feldstraße aufgewachsen bin. Wenn ich eines Tages nach Deutschland zurückkehren sollte, dann steht fest, dass es nur einen Ort gibt, an den mich das Herz zurückruft.Braun-Weiße Grüße aus Japan, einen guten Rutsch und viel Freude mithilfe von Andō am Millerntor!
MT: Lieber Svend, vielen Dank für Deine Antworten und weiterhin viel Erfolg für Dich!You’ll never walk alone!

Auf die Kopfballstärke von Tomoya Andō wird man sich beim FC St. Pauli vermutlich besonders freuen.
(Toru Hanai/Getty Images/via OneFootball)
Tomoya Andō sticht aus der J-League heraus, vor allem mit seiner Körperlichkeit. Als er 2024 noch in der zweiten japanischen Liga aktiv war, hatte er dort als zweitbester Innenverteidiger auf sich aufmerksam machen können, wenn man die Zweikampfquote, die abgefangenen Pässe und die Erfolgsquote bei Kopfballduellen berücksichtigt. Dieses Zahlen konnte er 2025 in Japans höchster Spielklasse nicht ganz halten, gehört in dieses Statistiken aber jeweils zu den besten 20 Prozent der Liga. Die Körperlichkeit dürfte auch in der Bundesliga herausstechen und eine seiner Stärken sein, vor allem in Verbindung mit seinen technischen Fähigkeiten.
Denn Tomoya Andō mag sich zwar beim visuellen Eindruck technisch nicht unbedingt von anderen Spielern in der J-League abheben. Er ist nicht herausragend in Sachen Technik, besitzt nicht das höchste Tempo, ist aber auch nicht langsam. Diese Fähigkeiten sind aber vor allem deshalb bemerkenswert, weil Andō eben körperlich herausragt, sehr kopfballstark ist und in Zweikämpfen kompromisslos zu Werke geht. Basierend auf den Fähigkeiten in der Luft darf er als stärker eingeschätzt werden, als alle anderen Innenverteidiger des FC St. Pauli. Zwar sticht er in den anderen Bereichen nicht heraus, hat aber basierend auf den visuellen Eindrücken im Umkehrschluss eben auch keine wirklichen Schwächen. Entsprechend gibt es berechtigten Grund zur Hoffnung, dass Tomoya Andō ein relativ nahtloser Übergang in den europäischen Klub-Fußball gelingen kann. Auf welcher Position genau das möglich sein wird, ist aber unklar. Andō hat in Japan oft als linker Innenverteidiger in der Dreierkette agiert. Als Rechtsfuß passt er aber grundsätzlich besser auf die andere Seite, wenngleich er mit seinem linken Fuß auch viele gute Dinge ausrichten kann.
Mit Tomoya Andō verpflichtet der FC St. Pauli also einen Innenverteidiger, der das Potenzial hat, als Soforthilfe zu fungieren, auf allen Positionen in der Dreierkette. Seine Fähigkeiten, besonders im Kopfballspiel, dürften dem Team auf dem Platz extrem weiterhelfen. Andō ist mit Sicherheit nicht zum FCSP gewechselt, um im kommenden halben Jahr auf der Bank zu sitzen und von dort zu lernen. Vielmehr könnte viel Spielzeit in einer Top-Liga seine Bewerbungsunterlagen für die Weltmeisterschaft stark verbessern. Genau deshalb dürfte Tomoya Andō nun auch zum FC St. Pauli gekommen sein. Entsprechend ist dieser Wechsel mehr als eben „nur“ die Verpflichtung eines weiteren Innenverteidigers. Es ist daher unwahrscheinlich, dass ihm in den Gesprächen mit dem FCSP-Verantwortlichen nicht der mögliche Weg zum Stammspieler aufgezeichnet wurde.
Somit könnte dieser Wechsel ein Hinweis auf gleich mehrere Dinge sein: Die Ausfallzeit von David Nemeth ist womöglich noch deutlich länger und/oder ein Innenverteidiger verlässt das Team (oder rückt nach vorne) und/oder der FC St. Pauli ist vor allem heiß auf die Kopfballstärke. Vielleicht ist dieser Wechsel auch ein Hinweis auf alle diese Dinge. In jedem Fall stellt sich der FCSP damit auch etwas für die Zukunft auf, denn es darf nicht vergessen werden, dass die aktuelle Stamm-Innenverteidigung nun bereits ein etwas gehobeneres Fußball-Alter erreicht. In jedem Fall darf sich der FCSP über einen sehr interessanten Spieler freuen, der eine Soforthilfe sein kann.
Herzlich Willkommen am Millerntor, Tomoya Ando!// Tim
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