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·8 April 2026
Wer schön sein will, muss leiden – Die bittere Schalke-Wahrheit

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·8 April 2026

Zum aktuellen Zeitpunkt der Spielzeit 2025/26 muss man nicht mehr um den heißen Brei herumreden: Der FC Schalke 04 kann und will den Aufstieg in die Bundesliga realisieren und als aktueller Tabellenführer der 2. Bundesliga auch finalisieren. Nach 28 Spieltagen stehen die Knappen mit 55 Punkten und fünf Punkten Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz an der Spitze der Tabelle. Auf den Relegationsplatz drei und dessen aktuellen Inhaber, die SV Elversberg, sind es Stand jetzt drei Punkte Vorsprung. Am kommenden Wochenende treffen die beiden Konkurrenten im direkten Duell aufeinander, und Schalke kann sich auch gegenüber den Saarländern ein entspannteres Punktepolster erarbeiten.
Doch neben dem sportlichen Erfolg wird der Kultklub aus Gelsenkirchen auch weiterhin von finanziellen Themen begleitet und so darf man den Blick nicht vom klammen Geldbeutel lösen – ganz egal, wie die Saison ausgeht. Gerade deshalb wird von den Schalker Fans noch jede Menge Leidensfähigkeit abverlangt werden. Hier ist warum.
Abseits großer Worte und im Hintergrund des Alltagsgeschäfts arbeitet Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers akribisch daran, den Schalker Schuldenberg abzutragen und den Verein wieder auf gesunde Beine zu stellen. Kein leichtes Unterfangen, wenn man sich seit geraumer Zeit nicht mehr im zahlungskräftigen Fußball bewegt und gleichzeitig dafür sorgen muss, dass der Kader konkurrenzfähig und bundesligatauglich wird oder gegebenenfalls angehobene Zweitligatauglichkeit behält.
Selbst wenn die Schalker am Saisonende den Aufstieg und damit die Rückkehr ins deutsche Oberhaus feiern können, werden sie wohl nicht um Verkäufe namhafter Stars herumkommen, denn die offenen Verbindlichkeiten von über 150 Millionen Euro sitzen den Königsblauen weiterhin schmerzhaft im Nacken.

Frank Baumann arbeitet unter ganz speziellen Bedingungen | Sebastian El-Saqqa - firo sportphoto/GettyImages
So oder so muss ein Transferüberschuss erwirtschaftet werden. Schafft Schalke den Wiederaufstieg in die Bundesliga nicht, müssen auf der Habenseite rund drei Millionen Euro stehen. Schafft man den Aufstieg, reduziert sich dieser Betrag auf gut zwei Millionen Euro. Das bedeutet aber auch, dass die Schalker zunächst Geld einnehmen müssen, um auf dem Transfermarkt aktiv werden zu können. Andernfalls droht aufgrund der auferlegten Statuten Punktabzug.
Neben dem im Winter schon beinahe verabschiedeten Moussa Sylla gelten offenbar auch echte Fanlieblinge wie Mittelfeldmotor Soufiane El-Faouzi sowie die Eigengewächse Vitalie Becker und Mertcan Ayhan als mögliche Verkaufskandidaten. Die zuletzt genannten Spieler würden bei einem Abschied einen besonders bitteren Beigeschmack hinterlassen, denn sie sind echte Hoffnungsträger für den Aufstieg.

Entlastet ein Sylla-Verkauf die Schalker Kassen? | Ralf Ibing - firo sportphoto/GettyImages
Bei Angreifer Moussa Sylla wäre ein Abgang weniger schmerzvoll, bei ihm pocht man auf Schalke aber weiterhin auf die Ablösevorstellung von rund sechs Millionen Euro. Wenn Frank Baumann den 26-Jährigen zu diesem Preis abgeben kann, darf er offenbar bis zu vier Millionen dieser Summe reinvestieren, um neue Spieler zu holen. Es soll allerdings ebenfalls eine Ausnahme geben. Wenn sich ein Topspieler zu stemmbaren finanziellen Rahmenbedingungen finden lässt, erhält Baumann die Erlaubnis, Geld auszugeben, das noch nicht eingenommen wurde. Laut SportBild ist dabei aber Voraussetzung, dass zu diesem Zeitpunkt bereits Gespräche über einen Verkauf im Gange sein müssen.
Doch was bedeutet das über den Tellerrand hinaus für die Knappen? Klar ist, dass Verkäufe von eigens ausgebildeten Spielern wie Vitalie Becker oder Mertcan Ayhan unheimlich wehtun würden, da sich die Fans vor allem mit den beliebten Eigengewächsen identifizieren und gerade diese auch Sinnbild für den neuen Weg des Vereins darstellen. Umso lieber würde man solche Spieler natürlich gerne langfristig im Verrein reifen und wachsen sehen. Nicht weniger schmerzhaft wäre der Verlust von Soufiane El-Faouzi, der sich in Windeseile vom No-Name aus der 3. Liga zum Leistungsträger beim Tabellenführer aus Gelsenkirchen etabliert hat.

Wird Soufiane El-Faouzi zum Verkaufskandidaten? | Ralf Ibing - firo sportphoto/GettyImages
So schmerzhaft diese drohenden Verkäufe aber auch wären, sie gehören derzeit zur bitteren und nötigen Wahrheit, mit der sich die Schalker samt Anhang konfrontiert sehen und der man nicht entgehen kann. Ohne die Ausrichtung, kleine Spieler groß zu machen und letztlich mit dickem Plus zu verkaufen, ist ein langfristiger Erfolg des ins Wanken geratenen Fußballgiganten nicht zu stemmen - unabhängig ob in der ersten oder zweiten Liga. Dieser Ritt auf der Rasierklinge bedeutet jedoch auch, dass man sich von Jahr zu Jahr und Transferfenster zu Transferfenster stellenweise neu erfinden und alles über den Haufen werfen muss, was zuvor funktionierte. Ein Spagat - keine Frage. Große Wehmut bei Verkäufen beliebter Leistungsträger oder hoffnungsvoller Talente findet in diesem Haifischbecken jedoch keinen Platz und so muss man bereit sein, die ein oder andere bittere Pille für den großen Gesamterfolg zu schlucken. So bitter es auch klingen mag.

Das Schalker Fähnchen benötigt auch künftig jede Menge Rückenwind | Jürgen Fromme - firo sportphoto/GettyImages
Gerade hier fällt einem das Sprichwort "Wer schön sein will, muss leiden” ein. Wobei man "schön” im Schalker Sinne wohl eher mit " Wer am Leben bleiben möchte” ummünzen könnte. Bis Schalke sich nicht mehr mit derartigen Problemen und schmerzhaften Themen befassen muss, wird wohl noch jede Menge Fußball ins Land streichen. Aktuell muss man da als Königsblauer Anhänger einfach durch - so hart es auch sein mag und so sehr man sich dieser von Schatten behafteten Realität auch entziehen möchte.









































