Miasanrot
·17 Juni 2026
WM 2026: Sané überrascht mit Bestwerten der bisherigen Weltmeisterschaft

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·17 Juni 2026

Deutschland ist sich einig: Leroy Sané muss auf die Bank. Oder nicht? Daten liefern eine Antwort auf die Frage, was Sané besser macht als gedacht.
Beim 7:1 gegen Curaçao blieb Leroy Sané als einziger Offensivspieler ohne Scorerpunkt, obwohl er 90 Minuten durchspielte. Landauf, landab hagelte es schlechte Noten, egal ob von Menschenhand oder datenbasiert, und Verrisse.
Für die 11 Freunde rückte der Linksfuß gar unter die Top Drei der frustrierendsten Nationalspieler. Nachvollziehbare Kritik. Sané wirkte oft unglücklich, schien einige falsche Entscheidungen zu treffen, vergab drei Torchancen.
Die Frage für viele ist weniger, ob er auf die Bank gehöre, sondern nur, warum Nagelsmann das nicht erkennt. Anscheinend hat Sané Qualitäten, die auf den ersten Blick verborgen bleiben. Miasanrot bringt Licht ins Dunkel.
Auf der Pressekonferenz am Dienstag tat Joshua Kimmich, was ein Kapitän tun muss: Er stellt sich schützend vor seinen Mitspieler. Er verstehe die Kritik nicht, so der Kapitän.
Der Rechtsverteidiger, der vor allem gegen den Ball ein Tandem mit dem Rechtsaußen bildete, lobte dessen Engagement gegen den Ball: „Ich fand ihn extrem engagiert, vor allem bei seinem Umschaltverhalten. Er hat mich nie allein gelassen, ist immer zurück gesprintet“, so der Kapitän auf der Pressekonferenz.
Kimmich erklärte auch, dass die Mannschaft und der Trainer Leistungen nicht nur anhand von Scorerpunkten bemessen. Alles in allem habe der ehemalige Bayern-Profi aus Mannschaftssicht ein gutes Spiel gemacht.
Kimmich und Nagelsmann sind nicht ganz alleine mit ihrer Meinung. Aus den USA kommt überraschende datenbasierte Unterstützung. Die Vermessung des Fußballs ist nichts Neues mehr. Expected Goals haben es längst an die Stammtische geschafft, auch wenn im Detail nicht alles bekannt ist. Dass gute Stürmer sich etwa in erster Linie durch das Erarbeiten vieler xG auszeichnen und weniger durch gutes Finishing, ist weiterhin kaum bekannt.
Analysten sind längst mehrere Evolutionsstufen weiter. Sie wollen nicht nur die zehn bis dreißig Abschlüsse pro Spiel messen, sondern möglichst alle Aktionen mit und ohne Ball der gesamten 90 Minuten. Dazu werden verschiedene Modelle verwendet, die alle mehr oder weniger das Gleiche wollen: jede Aktion messen, quantifizieren, bewerten.
Ein ganzes Cluster an “advanced Stats” widmet sich der Bewertung von Positionen (englisch: Possessions) mit dem Ball. Vereinfacht gesagt: Ein Ballkontakt im gegnerischen Strafraum ist in der Regel besser als einer an der eigenen Eckfahne. Im gegnerischen Strafraum ist die Chance größer, selbst ein Tor zu erzielen als eins zu kassieren. Was logisch klingt, ist nicht einfach zu messen. Aber die Nerds arbeiten seit Jahren daran.
Eine öffentlich bekannte Metrik hierfür stammt von Kieran Doyle, einem in der Community geschätzten Datenanalysten aus den USA. Doyle hat eine Metrik entwickelt, die die Frage beantwortet: Ist dieser Spieler öfter in gefährlichen Zonen am Ball als andere Spieler auf seiner Position? Er nennt diese Metrik „Burden Above Average“ (Burden AA).
Und in genau dieser Metrik liegt Leroy Sané auf Platz eins. Unter allen Spielern der Weltmeisterschaft nach den ersten zehn Spielen (Stand: Sonntagabend). Übersetzt: Sané schaffte es gegen Curaçao öfter als alle anderen, den Ball in gefährlichen Räumen zu haben. Das heißt, Sané macht gute Laufwege, geht in die richtigen Räume, schafft es sich freizulaufen, hat das richtige Timing für Tiefenläufe, bringt Pässe unter Kontrolle etc. Alles wichtige Qualitäten für einen Offensivspieler.
Hinter Sané liegen mit Hakan Çalhanoğlu, Arda Güler, Ferdi Kadıoğlu und Kenan Yıldız gleich vier Türken in den Top-Ten. Das erklärt sich durch das fast 90-minütige Anrennen aufs australische Tor. Auch Nmecha und Musiala schneiden gut ab. Die Metrik “belohnt” also Spieler von offensiven Mannschaften.
Wird Sané also flächendeckend zu Unrecht kritisiert? Nein, das wäre eine Überreaktion in die andere Richtung. Es geht nicht darum, das öffentliche Narrativ durch Rosinenpickerei zu widerlegen. Gerade im Vergleich zu seinen gegen Curaçao erfolgreichen offensiven Mitspielern fiel seine Leistung ab. Daran ändert diese Metrik nichts. In anderen Metriken schneidet er schlechter ab. Insbesondere verwandelte er seine Ballaktionen in gefährlichen Räumen zu selten in Zählbares.
Doch die Daten helfen bei der Einordnung und erklären einen Teil davon, was Trainer wie Nagelsmann sehen, was (uns) Experten auf der Couch manchmal eben doch verborgen bleibt. Gute Laufwege, die zu seinen Torchancen führten und viele Bälle in wichtigen Situationen sind ein Teil davon, der in “Burden AA” messbar vorliegt.
Es ist ohnehin davon auszugehen, dass Sané noch weitere Chancen von Nagelsmann erhält. Schafft er es in den nächsten Spielen, nicht nur in “advanced Stats”, sondern auch im Box Score gut abzuschneiden, gibt es vielleicht doch noch eine Chance auf eine Versöhnung mit Fußball-Deutschland.







































