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·10 Maret 2026

Wochen der Wahrheit: Hält der MSV dem Spitzenspiel-Stresstest stand?

Gambar artikel:Wochen der Wahrheit: Hält der MSV dem Spitzenspiel-Stresstest stand?

Mit dem 4:2 gegen Saarbrücken hat sich der MSV Duisburg einmal mehr aus einer kleinen Ergebnisdelle befreit und das nächste Zeichen an die Konkurrenz gesetzt. Doch vor der Kür warten ganz schwere Prüfungen, in denen das Durchmarsch-Potenzial auf eine harte Probe gestellt wird. Eine Bestandsaufnahme vor den wichtigsten Wochen der Saison.

Seit 20 Ligaspielen zuhause ungeschlagen

Pierre Fassnacht ist 30 Jahre alt, hat ebenso viele Spiele in seiner Drittliga-Karriere absolviert und dürfte außerhalb des westlichen Ruhrgebiets nur absoluten Fußballkennern ein Begriff sein. Auch mit dem MSV Duisburg dürfte der Außenverteidiger nur wenige Berührungspunkte haben – und doch verbindet ihn seit knapp 14 Monaten eine besondere Geschichte mit den Zebras: Er ist der bis heute letzte Torschütze einer Mannschaft, die drei Punkte aus dem Meidericher Stadion entführte. Rot-Weiß Oberhausen war es, ausgerechnet RWO, das mit einem 2:0-Sieg im Regionalliga-Derby anno Januar 2025 für die bis heute letzte schwere Katerstimmung nach einem MSV-Heimspiel sorgte.


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Zurück in der Realität, bedeutete das spektakuläre 4:2 über den 1. FC Saarbrücken für die Elf von Trainer Dietmar Hirsch bereits das 20. ungeschlagene Ligaspiel vor dem eigenen Publikum. Zehn Siege, vier Remis – das ist die beeindruckende Bilanz des Aufsteigers zuhause, der in drei der vergangenen Heimspiele mindestens drei Tore erzielte und ganz ähnlich wie gegen Schweinfurt (3:1) und Verl (4:2) zuvor mit phasenweise unheimlicher Effizienz punktete. Auf dem weiterhin sehr realistischen Weg zum Durchmarsch in die 2. Bundesliga, notfalls gerne über die Hintertür Relegation, war es da fast schade, dass "nur" 18.500 Zuschauer in die MSV-Arena strömten – nach Abzug der ordentlichen Gäste-Kulisse aus Saarbrücken war dies im Heimbereich trotz besten Frühlingswetters tatsächlich ein Minusrekord. Aber das ist Meckern auf verdammt hohem Niveau.

Wer solche Widerstände bricht, der kann aufsteigen

Ganz ähnlich wie die Suche nach Fehlerquellen in der weiß-blau gestreiften Matrix. Nein, der MSV war nie und ist auch aktuell nicht die spielstärkste Mannschaft der Liga, bei weitem nicht. Sie füllt auch für Taktik-Experten keine Bücher. Doch die Mittel, die angewendet werden, funktionieren beängstigend gut – exemplarisch dafür der lange Ball auf Lex Tyger Lobinger, der mit einem gefühlvollen Direktabschluss die 1:0-Führung gegen Saarbrücken besorgte. Auch die große Wende in der 2. Halbzeit war weniger ein Produkt gemeinschaftlicher denn vielmehr individueller Glanzlichter. Der Doppelpack von Conor Noß – herausragend, weil zweimal mit zwei Kontakten wunderbar verarbeitet. Entstanden durch eigentlich schwache Flanken und, genauso beim 4:2, schlechte Klärungsaktionen des ansonsten starken Gegners. Doch wer fragt danach?

Wer oben steht, hat dafür Gründe. Und wer so oft enge Spiele auf seine Seite zieht, der macht dies nicht aus Zufall, sondern weil es in der Mannschaft stimmen muss. Weil ein Gemeinschaftsgefühl entstanden ist, das über einzelne Schwächen dominiert und ganz nebenbei auch stärker ist als heftige Rückschläge wie das 1:6 in Wiesbaden. Dort zahlten die Duisburger bitteres Lehrgeld, sahen plötzlich aus wie der naive Aufsteiger, der vom turmhohen Favoriten einmal durch den Fleischwolf gedreht wird. Doch selbst diese sachte Nervosität, die leichte Unruhe nach dem darauffolgenden 1:1-Remis gegen Havelse inklusive mancher Pfiffe, hat der MSV spätestens am vergangenen Sonntag souverän abmoderiert. Eins ist klar: Wer diese Widerstände in solcher Manier bricht, der sorgt auch bei der namhaften Konkurrenz für hochgezogene Augenbrauen.

Spitzenspiele werden das Zünglein an der Waage

"Die Erwartungshaltung ist gestiegen, weil meine Jungs so performen", stellte Hirsch vor dem Saarbrücken-Spiel fest. Doch wann auch immer es um die Aufstiegsfrage geht, gibt sich der 54-Jährige demonstrativ gelassen, lässt es auf sich zukommen. Warum auch nicht? Selbst für den routinierten Trainer ist diese Ausgangslage ja Neuland – wo sich für manchen Spieler im Zebrastall der Traum der 2. Bundesliga eröffnet, geht es für Hirsch an der Seitenlinie um genau das gleiche und vielleicht noch mehr: eine womöglich einmalige Chance, in den Kreis der Top-36-Trainer aufzusteigen. Was eine schöne und im Erfolgsfall absolut verdiente Auszeichnung für den wäre, der vor fast zwei Jahren mit dem am Boden liegenden MSV ein kleines Himmelfahrtskommando in seine Verantwortung genommen hatte.

Auf das 0:2 gegen Oberhausen antwortete Duisburg als Regionalligist souverän: Alle weiteren Spitzenspiele, konkret gegen Fortuna Köln (2:0), Rödinghausen (1:0), Gladbach II (1:0) und Lotte (4:0), waren plötzlich ein Leichtes. Ob das eine Liga höher auch so sein wird? Die nächsten Wochen warten mit dem schwerstmöglichen Programm auf: Auswärts in Rostock, daheim gegen 1860, das Derby in Essen, daheim gegen Osnabrück: Binnen gut vier Wochen könnte sich der MSV final an der Spitze einnisten oder den Anschluss verlieren. Zumindest eine ausgeglichene Bilanz ist definitiv nötig, um den Relegationsplatz zu verteidigen und im Saisonfinale von vielen Gegnern zu profitieren, die sich derzeit im gesicherten Mittelfeld versammeln (u.a. Mannheim, Hoffenheim II, Aachen, Köln). Zur Erinnerung: In der Hinrunde holte Weiß-Blau keinen einzigen Sieg aus dieser Vierer-Kombination.

Man mag aus Sicht des einstigen Bundesligisten nur hoffen, dass die ganze Mannschaft mit dem Thema Druck so gelassen umgeht, wie es ihr Trainer mindestens mal öffentlich immer wieder verkörpert. Denn dass dieser MSV Duisburg trotz aller strukturellen Kompromisse im Aufsteiger-Jahr eine besondere gemeinschaftliche Qualität aus dem Kern seiner Aufstiegsmannschaft heraus entwickelt hat, das wissen seine Gegner ganz genau. Wird an den Spieltagen 29 bis 32 noch eine Extraprise Euphorie hinzugemixt, sind die Zebras ganz schwer zu stoppen.

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