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·19 Juni 2026
Wut-PK gegen Kritiker – Montella holt zum Rundumschlag aus: „Ich fühle mich viel mehr wie ein Türke“

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·19 Juni 2026

Vor dem wegweisenden zweiten Gruppenspiel der türkischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 gegen Paraguay (zum Vorschau) liegen die Nerven in der Heimat blank. Nach der herben Auftaktniederlage gegen Australien sieht sich das Team einer regelrechten Welle der Entrüstung ausgesetzt. Auf der offiziellen Pressekonferenz im Bay Area Stadon in San Francisco platzte Nationaltrainer Vincenzo Montella nun der Kragen. Der Italiener holte im Vorfeld der Partie gegen die Paraguayer, die am Samstagmorgen um 05:00 Uhr (MEZ) angepfiffen wird, zu einem emotionalen Rundumschlag gegen Kritiker und Medien aus und warf einigen Akteuren vor, bewusst eine Atmosphäre des Chaos zu schüren.
Der heftige Gegenwind nach dem misslungenen WM-Auftakt lässt den erfahrenen Fußballlehrer nicht kalt. Vincenzo Montella verteidigte seine Mannschaft vehement und stellte seine eigene Identifikation mit dem Land heraus:
„Ich fühle mich wie ein Türke. Ich fühle mich viel mehr wie ein Türke als viele andere, die diesem künstlich erzeugten Chaos dienen und es nähren. Ich sage nicht nur Worte, die in Presseräumen gesagt werden, sondern einige Personen erzeugen eindeutig bewusst ein Chaos. Es betrifft mich nicht, ich bin älter, aber es hat Auswirkungen auf die Spieler. Denn Fußballer in ihren Zwanzigern sind nun einmal junge Menschen und solche Situationen können sie verärgern, sie können ihnen wehtun. Ich vertraue ihnen als großartigen Fußballern. Wir müssen unser Bestes tun, um bei dieser Weltmeisterschaft weiterkommen zu können.“
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Der Nationaltrainer betonte, dass die türkischen Nationalspieler durch die heftige Überreaktion in der Öffentlichkeit tief verletzt worden seien. Es handele sich schließlich um Menschen aus Fleisch und Blut und nicht um Roboter oder Maschinen. Er selbst habe mit einer derart scharfen Kritik nach dem Australien-Spiel absolut nicht gerechnet. In dieser schwierigen Phase ziehe er viel Kraft aus seiner eigenen großen Erfahrung sowie aus seinen engen Beraterbeziehungen zu Trainerlegende Giovanni Trapattoni, um die Profis mental wieder in eine positive Dimension zu führen.
Mit Blick auf den kommenden Gegner Paraguay warnt der Coach vor der enormen physischen Robustheit und der Offensivstärke der Südamerikaner. Die Paraguayer erlangten in der harten südamerikanischen Qualifikation immerhin die gleiche Punktzahl wie Brasilien, landeten nur einen Zähler hinter Ecuador und konnten sogar einen Erfolg gegen Argentinien feiern. Die Stürmer und Torschützen des Gegners besäßen enorm viel Qualität und Charakter. Dennoch kündigte der Coach an, dass es bei den eigenen Aufstellungen punktuelle, rein strategische Veränderungen geben könnte.
Polats Paraguay-Parole: Kolossale Katastrophenstimmung muss für 90 Minuten maximaler Motivation der Mannschaft weichen
Rückblickend auf das Australien-Match erklärte der Trainer, warum er Angreifer Ismail erst in der zweiten Halbzeit brachte. Man habe um die extrem tiefstehende, chirurgisch agierende Defensive der Australier gewusst. Fenerbahce-Angreifer Kerem Aktürkoglu und andere Offensivkräfte hätten sich trotz des Abwehrriegels unglaubliche 30 Schusspositionen erarbeitet – ein Wert, den beispielsweise Portugal im Duell gegen die Demokratische Republik Kongo nur ein einziges Mal schaffte. Wenn der Gegner auf den letzten Metern mit Mann und Maus verteidige, müsse man vermehrt aus der Distanz abschließen. Das habe das Team richtig gemacht, wenngleich die Laufwege und die reine Balldominanz in manchen Phasen noch ausbaufähig gewesen seien. Es bestehe laut dem Coach absolut kein Grund, wegen einer einzigen Niederlage gleich alles komplett zu ruinieren.

Foto: IHA
Um den enormen Druck von den Schultern der jungen Generation zu nehmen, initiierte die sportliche Leitung eine besondere Maßnahme im Teamquartier. Da man die Spieler in der heutigen Zeit ohnehin nicht mehr von den sozialen Medien abschneiden könne, holte Vincenzo Montella kurzerhand die Familien der Spieler nach Kalifornien. Die Profis durften vor dem Abschlusstraining zwei bis drei wertvolle Stunden mit ihren Liebsten verbringen, um völlig abzuschalten und neue Energie zu tanken. Der Coach forderte zudem ein Umdenken im Umgang mit den Nationalhelden:
„Ich denke, dass den Spielern Liebe entgegengebracht werden sollte, wenn sie gebraucht wird. Nicht nur, wenn das Spiel gewonnen wurde. Nach der Niederlage ist das natürlich nicht einfach. Es ist völlig normal, dass sie betroffen sind. Es sind alle hochqualifizierte Spieler. Wir haben einen großen Traum. Es besteht eine Verantwortung gegenüber den Fans, gegenüber dem türkischen Volk, und die Spieler sind sich all dessen bewusst, die letzten drei Jahre haben es gezeigt.“
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Der Trainer, der am Vortag seinen 52. Geburtstag feierte, verbrachte diesen Ehrentag nun schon zum zweiten Mal nach der Europameisterschaft im Kreise der Nationalmannschaft. Zu seinem 50. Geburtstag schenkten ihm die Spieler damals einen historischen Auftaktsieg bei der EM – für das anstehende Duell im Bay Area Stadion erhofft er sich nun nachträglich den dreifachen Punktgewinn gegen Paraguay als perfektes Geschenk.

Foto: IHA
Bezüglich der klimatischen Bedingungen äußerte sich der Coach erleichtert über den Umzug aus der extremen Wüstenhitze in Arizona, wo man selbst morgens um 08:00 Uhr beim Training regelrecht „gekocht“ habe, in das kühlere San Francisco. Angesprochen auf die heftigen Stimmungsschwankungen der heimischen Fans zeigte sich der Italiener gewohnt realistisch. Es liege im emotionalen Charakter des türkischen Volkes, extrem zu übertreiben (hierzu hatte sich auch GazeteFutbol-Chefredakeur Anil P. Polat im Vorfeld schon geäußert). Wenn das Team morgen gewinne, würden dieselben Kritiker sofort wieder fordern, dass man gefälligst Weltmeister werden müsse. Seine primäre Aufgabe bleibe es daher, in guten wie in schlechten Zeiten die absolute Balance zu wahren, um das große Ziel, das Land bei dieser Weltmeisterschaft stolz zu machen, erfolgreich zu realisieren.







































